Kennt jemand ein "Arbeitslosen-Forum"?

Dieses Forum wird bald eingestellt

Am 17. Dezember 2023 werden wir das Beobachter-Forum abstellen und alle Beiträge unwiderruflich löschen.

Die Details zum Entscheid und den entsprechenden Thread finden Sie hier.

  • Ja, ich kenne Arbeitslosenforen. Nein, ich kenne kein Arbeitslosenforum, in dem wirklich was los ist, wo man sich gegenseitig beraten kann und wo einem u. Umständen sogar geholfen wird. Wir lassen uns wohl oft von den RAV-Beratern kontrollieren, schickanieren und manchmal sogar fertig machen. Aber keiner getraut sich wirklich, etwas dagegen zu unternehmen, in der Hoffnung wohl, auf diese Weise nicht noch mehr benachteiligt zu werden. Selbstverständlich wird hier zu Lande in Kauf genommen, dass das Geld manchmal erst nach Monaten eintrifft (kein Problem, man kann ja zum Sozialamt...), es ist selbstverständlich, dass niemand richtig Unterstützung kriegt von der BeraterIn (wenige Ausnahmen bestätigen die Regel) sondern wie ein Bevormundeter abgefertigt wird.

    Es gab und gibt immer mal wieder Versuche, so ein Forum einzurichten (http://www.bewerbung-forum.ch.vu, http://syndikat.ch/forum/index.php?showforum=6), meist verlaufen solche Versuche schnell im Sand. Alle paar Jahre einen Eintrag...Ganz anders in Deutschland, da wehren sich die Leute, haben schon gemeinsam geklagt und sehr schnell was auf die Beine gestellt. Da sind wir Schweizer halt einfach zu brav und lassen uns zu sehr isolieren.

  • Paolo

    Hatte schon viele Sachen von Ihnen gelesen daher hat mich diese Stellungnahme etwas enttäuscht.

    Ich weiss von vielen verzögerten Auszahlungen. In praktisch allen Fällen aber stehen die Umstände Pate: man wartet erst mal. Dann geht man zum RAV und denkt man kann das Geld, das einem zusteht, gleich mitnehmen. Wenn das nicht geht, wettert man erst einmal los. Die notwendigen Bescheinigung aber bringt man nicht oder nur eher schleppend bei. In allen Fällen die mir bekannt sind – und das sind einige – wurden die Zahlungen sofort (!) nach den Abklärungen erledigt. Ausnahmen mag es geben - die bestätigen zugleich die Regel.

    Versuchen Sie sich vorzustellen, wie es laufen würde, wenn die Zahlungen gemacht würden, bevor alle notwendigen Bescheinigungen durch den Arbeitslosen beigebracht wurden. Das Chaos und der enorme Aufwand an Mahnungen wären horrend. Für "Bevorschussungen" ist dann - rechtlich gesehen - eben doch das Sozialamt zuständig.

    An dieser Stelle muss ich wieder mal die Frage aufwerfen: Wie nur kann man sich finanziell so einrichten, dass nicht ein kleines Überbrückungspolster beiseite gelegt wird? Bitte nun aber nicht den Einwand, es würde dazu nicht reichen! Es reicht immer (!) dazu – wenn man wirklich will. Aber das neue Fahrrad oder ein Grossbild-TV ist eben schon sehr wichtig ….

    Sind Sie nun echt der Überzeugung, dass in D mit all' dem kämpferischen Vorgehen die Situation wirklich bessersei als bei uns? Ich behaupte mal salopp: das pure gegenteil ist der Fall!

    veritim

  • Dazu muss ich sagen, dass kürzlich im Tagblatt stand, dass es in St. Gallen am Anfang einer Arbeitslosigkeit gerne drei Monate dauert, bis das Geld ausbezahlt wird. Das brachte meine deutsche Lebenspartnerin und mich dazu, diesen Sachverhalt einmal zu besprechen. Sie sagt (glaubwürdig), dass sich solche Sachen in Deutschland nicht (mehr) zutragen, weil da die Leute einfach eher den Mut haben zu protestieren, sich nicht alles bieten zu lassen.

    Von wegen genügend finanzielle Mittel, um solche Zeiten überbrücken zu können.Ein Grossteil von uns kommt nun mal in guten Zeiten gerade so über die Runden. Es sind vergleichsweise wenige Leute, die wirklich sparen können. Schön für Sie, wenn Sie einfach tausende von Franken beiseite haben. Ich habe das nicht. Ich weiss, dass Sie das nicht verstehen können, aber vermutlich verstehen Sie auch nicht, dass Leute für einen Bruttolohn von CHF 3'800/Monat arbeiten gehen und sich auch noch Haus, Auto...leisten. So sind wir halt unterschiedlich. Immerhin: Ich habe keine Schulden, bezahle alle Rechnungen etc.

    So sehr ich Ihre Beiträge schätze, insbesondere den Umstand, dass Sie die Leute immer wieder darauf aufmerksam machen, Verantwortung zu übernehmen für ihr Tun, so denke ich doch manchmal, dass Sie etwas abgehoben sind, Ihre soliden Verhältnisse einfach auf Alle übertragen. Manchmal wünsche ich mir solch seriösen Verhältnisse, wie Sie darin leben. Aber ich bin ich, mit meinen Stärken, Leidenschaften und Schwächen. Und das ist gut so. Alles Gute.

  • Paolo

    Versicherungen benötigen nun mal eine gewisse Zeit, bis der Schadenfall klar deklariert ist. Wenn jemand diese Zeit nicht überbrücken kann, ist es nicht Sache der Versicherungen Vorschusszahlungen zu leisten. Dieser Umstand mag schmerzlich werden, wenn es jemanden trifft, der keinen Sparbatzen beiseite legte. Ändert aber nichts an der rechtlich korrekten Tatsache. Für Härtefälle ist unser Sozialnetz bestens eingerichtet.

    Sollte ich abgehoben wirken ist das nicht meine Absicht. Sie täuschen sich, wenn Sie annehmen, ich wüsste nicht, was es heisst mit 3'800 brutto auszukommen. Ohne Öl in das Feuer giessen zu wollen: damit lässt es sich ganz gut leben. Ich kenne Familien mit Kindern, die nicht mehr Geld zur Verfügung haben und damit - sogar mit einer gewissen Zufriedenheit - über die Runden kommen.

    Meine Verhältnisse sind vielleicht nicht gar so solid, wie Sie vermuten mögen. Meiner Zufriedenheit steht ein grosses Stück Lebensphilosophie Pate.

    Behalten Sie Ihre Stärken, Leidenschaften und Schwächen. Es ist wirklich gut so. Es sind genau die Eigenschaften die uns voneinander unterscheiden und damit jeden einzelnen zu einem wertvollen, individuellen Menschen werden lassen.

    veritim

  • In meinem großen Bekanntenkreis befinden sich auch einige Arbeitslose. Was mich immer wieder überrascht, ist die Anspruchshaltung. Man erwartet vom Staat, dass er ohne wenn und aber hilft. Dabei stelle ich fest, dass Betroffene, die durch Umstrukturierungen, Reorganisationen und die nicht sehr rosige Wirtschaftslage schuldlos brutal entsorgt wurden, sehr unterschiedlich reagieren. Da gibt es den Kaufmann, den Mechaniker, den Verkäufer, den ... und alle pochen auf das Recht, nur eine zumutbare Arbeit anzunehmen. Es stellt sich nun die Frage: Was ist zumutbar? Da gehen die Meinungen diametral auseinander. Vergangene Woche wurde ich mit folgendem Fall konfrontiert. Ein 55 jähriger Mann, Matura und anschließend Ingenieurausbildung, bewarb sich während Monaten erfolglos auf dem Stellenmarkt. Überqualifiziert und zu alt lauteten die Absage-Begründungen. Handwerklich sehr geschickt und auch als Gärtner begabt, bietet er seine Dienste in seinem näheren und weiteren Umfeld an und ist sich nicht zu schade, sich auch für Handlangerjobs zu bewerben. Auch nicht abgeneigt wäre er, eine Abwartstelle anzunehmen. Status und Salär waren jahrelang für mich wichtig, heute zählt, dass ich eine Beschäftigung habe, sagt er mir kurz und bündig. Und das ist kein Einzelfall -- immer wieder höre ich von Fällen, bei denen sogenannt höher Ausgebildete bereit sind, Arbeiten anzunehmen, die man, dem Ausbildungsstand entsprechend, als unzumutbar bezeichnen könnte Das muss auch einmal gesagt werden.

    Kobold

  • Die Arbeitslosen mit ihren Ansprüchen: Ein Thema für sich. Und das meiste ist meiner Erfahrung nach Humbug: Ein Ingenieur soll sich nicht als Bauarbeiter verdingen können? Warum nicht? Ganz einfach: Es gibt genug arbeitslose Bauarbeiter, die sich bewerben. Warum sollte als ein Geschäft einen Ingenieur für eine Position verpflichten, wo doch damit gerechnet werden muss, dass er weiter zieht, wenn er was besseres findet? Dazu kommt, dass in diesem Fall der Vorgesetzte wahrscheinlich Angst davor hat, schlechter qualifiziert zu sein als der Ingenieur. Und das schreckt viele AG ab (auch wenn die Gründe für die Absage dann mit Sicherheit anders lauten).

    Was ich damit sagen will: Die Arbeitnehmer sind vielfach wohl flexibel, flexibler jedenfalls als ihr Ruf, aber in der Praxis bringt das nichts. Oder würde hier jemand einen Ex-Bankier einstellen, wenn er einen Mezger sucht...?

  • Kobold 1 Ich kenne ähnliche Fälle. Der Unterschied besteht oft darin, dass jene, die sich direkt anbieten (1-Mannfirma) wesentlich agiler und effizienter zur ungewohnten Arbeit schreiten und die auch schneller beherrschen als jene die mit etwas Glück in eine solche Anstellung rutschten. Es ist seltsam, wie schnell man wieder im typischen Angestelltendenken landet – kaum hat man wieder einen Job. Mit etwas unternehmerischem Denken kann man viel bewegen – nicht nur als selbständig Erwerbender.

    veritim

  • Paolo

    In gewisser Weise haben Sie sicher recht. Es macht keinen Sinn, dass ein Banker einen Metzger konkurriert – und umgekehrt.

    Die ganze Geschichte erinnert mich an die Bauern, die Ihre Ernte vernichten, weil ansonsten der Preis zerfallen könnte. Nur – wer bezahlt nun diese Ausfälle. Ich gehe davon aus, dass Sie es wissen.

    Ich denke, es brauchte keine Quantensprünge bezüglich des beruflichen Umfeldes. Wer wird zuerst entlassen? Die Unfähigen? Nicht zwingend: in erster Linie die zu teuren MA. Zu teuer ist hier zu verstehen mit Kosten-Nutzenverhältnis. Der Staplerfahrer geht eher zuletzt oder wird unter neuer Führung beibehalten…... Offenbar ist eben Flexibilität nicht zuletzt bezüglich des Lohns gefragt. Leider bietet hierzu das Berechnungsverfahren der ALV keine gute Basis. Schade.

    veritim

  • Meine Frage an alle, ob Arbeitslos oder nicht.

    Warum muss jeder Arbeitslose zwingend einen Bewerbungskurs absolvieren?

    Ich finde, man müsste einen Test machen und die Bewerbungs-Unterlagen mit Begleitbriefen müssten von einer Fachperson überprüft werden.

    Mich ärgert es, dass die Arbeitslosen-Kasse irgend welchen Firmen die solche Kurse anbieten Geld bezahlen.

    Diese Firmen verdienen sehr gut und haben überhaupt kein Risiko, denn jeder Arbeitslose muss zwingend so einen Kurs besuchen.

    Arbeitslose profitieren nicht, sie müssen Kurse besuchen die Ihnen überhaupt nichts neues Vermitteln und werden in solchen Kursen von unqualifizierten Kursleitern gedemütigt und schikaniert.

    Weder den Arbeitslosen noch dem Staat oder Steuerzahler bringen solche auf erzwungenem Kurse etwas, nur den Firmen welche solche Kurse anbieten bringt es Gewinne.

    Warum wird hier nicht gespart?

    Was sind das für Anbieter?

    Wer entscheidet welcher Anbieter von den Arbeitslosen profitieren darf?

    Warum gibt es keine direkte Meldestelle, wenn Leerlauf und Fehler in solchen Kursen geschehen.

    Danke für Aufklärung

  • @ Annatina

    Ich war selbst auch schon arbeitslos und musste / durfte einen solchen Bewerbungskurs besuchen. Zuerst dachte ich mir auch, was der Unsinn soll, dass ich doch weiss, wie man gute Bewerbungen schreibt.

    Am Kurs bemerkte ich erst, wie schlecht ich mich stets verkauft hatte. Ich habe enorm viel gelernt, auch für Vorstellungsgespräche. Ich passte meine Bewerbungen sofort an gemäss den Ratschlägen aus dem Kurs. Danach erhielt ich keine Bewerbung mehr retour, gelangte von einem Vorstellungsgespräch zum andern und hatte innerhalb von zwei Wochen Arbeit.

    Der Kurs macht absolut Sinn. Man kann dort enorm viel lernen. Viele Arbeitslose verkaufen sich sehr schlecht auf dem Arbeitsmarkt.

    Dies sind meine persönlichen Erfahrungen.

    LG

    Hela

  • Kleine Anfügung:

    Mit "Sich verkaufen können" meine ich übrigens nicht, dass man AG belügt oder sich besser darstellt als man ist.

    Man kann z.B. eine "Lücke" im Lebenslauf infolge eines Burnout (wie in meinem Fall) auch positiv formulieren. Ich schäme mich bei Vorstellungsgesprächen nicht mehr, dies zu erwähnen, sondern sage, dass der Klinikaufenthalt für mich eine wertvolle Zeit der Weiterbildung war - nur so als Beispiel.

    Mit Ehrlichkeit kommt man eh am weitesten. Ich erwähne keine Stärken, die der AG vielleicht hören möchte, sondern wirklich, was ich gut kann und was mir vielleicht weniger liegt. Diese Ehrlichkeit wird geschätzt. Entweder nimmt mich ein AG, weil ich eben "Hela" bin oder nicht, und dann hätte es eben für beide Parteien auch nicht gepasst.