Ausbildungszulagen zwingend an erwachsene Tochter weitergeben?

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  • Meine Tochter ist mündig und studiert an der PH. Sie erhält aufgrund meines Einkommens (ohne Unterhalt des Ehemanns) genug Stipendien um ihre Auslagen zu finanzieren. Sie wohnt zu Hause und hat unentgeltlich Kost und Logis. Muss ich ihr zwingend die Ausbildungszulagen der FAK an die Tochter weitergeben oder dürfen mich diese finanziell unterstützen?

  • Als mündige Erwachsene darf deine Tochter vermutlich schriftlich begehren, dass alle Gelder, dir für ihren Unterhalt einfliessen, auch direkt an sie bezahlt werden sollte. Daraus müsste sie dann aber ihren eigenen Kosten decken.

    Wenn deine Tochter mündig ist, aber bei Dir wohnt, solltet Ihr eine schriftliche Vereinbarung machen, zu welche Bedingungen sie da wohnen darf, d.h. wozu Du Dich verpflichtest , und was sie dafür leisten muss. Das kann finanzielle Punkte sein, aber auch sozialen und Aufgaben im Haus, z.B. die Wäsche machen. Darin sollte Aspekten des Budgets enthalten sein, inkl. wer z.B. für die Krankenkasse und andere medizinische Kosten (Brillen, Zähne, Selbstbehalt, Franchise) aufkommt, sowie Kosten die beim ersten Blick versteckt bleiben können, z.B. Putzmittel oder Kosmetika.

    Ein solches Budget macht für beide realistisch klar, wozu wie viel Geld benutzt wird. Da könnte auch, als eine der Einnahmequellen, die Ausbildungszulagen aufgeführt werden, inkl. allfällige Stipendien, Unterhalt ihres Vaters, ihre eigenen Verdienst, usw.

    Da wird es für Dich, und für deine Tochter, ersichtlich was die finanzielle Folgen wären, würde sie ausziehen, und auch, wenn sie ihren Studium abschliesst.

  • Ich bin nicht der Meinung von Nachdenkerin

    Die Kinder- und später Ausbildungszulagen werden ja an die Eltern ausbezahlt um diese finanzielle etwas zu entlasten.

    Auch wenn das Kind nun volljährig ist aber immer noch zu Hause ist, hat man als Eltern diverses Kosten zu tragen.

    Im weiteren muss man ja als Erziehungsberechtigter auf diese Zulagen Steuern bezahlen, da diese ja zum Einkommen gehören.

    Warum nun soll denn das Geld dem erwachsenen Kind gehören? Ich als Mutter habe dies als Zulage, bezahle Steuern darauf. Kann aber, sobald das Kind über 18 ist die entsprechenden Abzüge bei den Steuern fast nicht mehr machen........ Und soll es dann noch direkt 1 zu 1 den Kind weitergeben......

    Im übirgen bekommt man diese Zulage nicht mehr, wenn das Kind Volljährig ist, noch in der Ausbildung ist, aber nicht mehr zu Hause wohnt.

  • Vom rechtlichen Standpunkt her ist die Aussage von nachdenkerin wahrscheinlich korrekt. Als der Vater noch die AZ erhalten hat, musste er diese zusätzlich zum Unterhalt an die Kinder weitergeben. Jetzt bekomme ich die Zulagen mit meinem Lohn und müsste sie wahrscheinlich weitergeben, was ich bisher auch getan habe. Nun kann sich meine Tochter mit Stipendien, Ausbildungszulagen und Unterhalt vom Vater die tollsten Sachen leisten und ich kämpfe darum alle notwendigen Auslagen decken zu können.

    Dass die Familienzulagen mit dem Einkommen versteuert werden müssen, ist bereits schon seit Längerem ein politisches Thema und wird bald stimmrechtlich entschieden. Wobei ich nicht glaube, dass sich das Volk familienfreundlich entscheiden wird.

  • Wenn ich herumhöre, scheint es mir, dass viele Junge Menschen nicht wirklich verstehen, was ihr Lebensunterhalt kostet. Werden sie angesprochen, staunen sie wie viel Sachen oder Dienstleistungen wie Waschmittel, ein Rüstmesser, ein Wasserkocher, „versteckte“ Lebensmittel wie Öl und Gewürze, Glühbirnen, Bettwäsche, Sonnencreme, Packklebeband, ein Waschgang in der Waschküche, Batterien, Pflaster, Geschirrspulmittel, ein Veloservice, die Stromrechnung oder der Internet-Abo und die Billag-Gebühren, oder Brillen und Zahnarztbesuche denn eigentlich kosten. Entsprechend verstehen sie oft nicht, was ihre Eltern noch alles für sie abdecken.

    Wie junge Menschen es mir berichten, wird das Thema eines Budgets in der Schule ungenügend behandelt. Es erschrickt mich, wenn ich sehe, wie viele Junge Menschen die Einschränkungen von Einkommen gegenüber Ausgaben nicht verstehen, die wenig wissen über die Kontoführung, die obligatorische und sonst nötige Versicherungen, ihr Pflicht zum Steuerzahlen, über Kredit, das Vermeiden von Schulden, und was passiert, wenn sie ihre Ausbildung/Studium abschliessen (oder nicht) und die finanzielle Unterstützung der Eltern aufhört.

    Andererseits scheint mir, dass viele Eltern zögern, über diese harte Fakten mit ihren Teenager zu reden, und das kann viele unterschiedliche Gründe haben.

    Manchmal ist es überhaupt schwierig, in dieser Phase des Lebens am Tisch zusammenzusitzen und den Ernst des Lebens zu besprechen. Jeder ist beschäftigt, und die Beziehungen sind ohnehin ganz natürlich sich am neu definieren, was für alle Seiten nicht immer leicht ist. Manche Eltern schämen sich, ihren Kindern zu offenbaren, wie knapp sie es eigentlich selber haben, oder sie tragen in sich Schuldgefühle oder Ängste aus den Folgen einer Scheidung, und hoffen, ihre Kinder davor schützen zu können. Andere Eltern verstehen ihre eigenen Geldangelegenheiten selber nicht, haben keinen Budget oder haben Schulden, und wissen nicht wie weiter. Manche Eltern meinen, aus reine Liebe vom Kind keinen Beitrag verlangen zu wollen, weil sie es ihre Kinder gönnen würden, es im Leben besser zu haben, als sie es selber als Jugendlichen hatten.

    Mit der Verlinkung auf die Budgetbeispiel für Studierende hoffte ich, yve und ihre Tochter (und andere Eltern mit mündigwerdende Kindern) auf einem Werkzeug für das äusserst nötige Gespräch aufmerksam zu machen. Die Kinder sind nun, wenigstens vor dem Gesetz, Erwachsene, und es ist gut, wenn sie über ihre Rechte und Pflichten (den Eltern gegenüber, und die Behörden, und "die Welt da draussen") aufgeklärt werden.

    Hier sind entsprechende Budgetbeispiele für Lernende, mit steigenden Einkommen, http://www.budgetberatung.ch/Lernende.123.0.html.

    Und hier sehr interessante Gedanken und Infos zu „Hotel Mama“: http://www.budgetberatung.ch/Kostgeld.90.0.html

    Was die Steuern betrifft:

    Hier ist ein „Leitfaden für zukünftige Steuerpflichtige“, vom Schweizerische Steuerkonferenz, in dem erklärt wird, wie es für einen jungen Menschen abläuft, der mit der Volljährigkeit selber steuerpflichtig wird.

    http://www.google.ch/url?sa=t&…FbA&bvm=bv.87519884,d.ZWU

    Siehe darin „24 Erstmalige Einschätzung von Jugendlichen bei Volljährigkeit“ auf Seite 34.

    Was Alimente betrifft:

    Oft ist in der Scheidungsdokumentation explizit festgelegt, wohin die Alimente der Erwachsengewordene in Ausbildung zu zahlen sind. Etwas in dieser Richtung, zum Beispiel: Sie könnten weiterhin vom Vater an der Mutter bezahlt werden, ausser das nun mündige Kind stellt ein schriftliches Begehren an den Vater, der daraufhin diese Alimente direkt dem Kind zu überweisen hat.

    Was hingegen sich als „fair“ anfühlt... oh, das kann so anders sein, als alles was durch Steuergesetze, Scheidungskonventionen, und Stipendienkommissionen geregelt ist. Und unterschiedlich zwischen Vater und Mutter, jede für sich, und jedes einzelnen erwachsen werdendes Kind.

    Ich wünsche Euch gute, konstruktive Gespräche und verbindliche, klare Abmachungen mit euren jungen Erwachsenen WohnpartnerInnen!



  • Meine Tochter ist mündig und studiert an der PH. Sie erhält aufgrund meines Einkommens (ohne Unterhalt des Ehemanns) genug Stipendien um ihre Auslagen zu finanzieren. Sie wohnt zu Hause und hat unentgeltlich Kost und Logis. Muss ich ihr zwingend die Ausbildungszulagen der FAK an die Tochter weitergeben oder dürfen mich diese finanziell unterstützen?



    Aus Artikel 7 und Artikel 4 des Familienzulagengesetzes (FamZG) können Sie sehen, dass ein Elternteil für das Kind den Anspruch auf Ausbildungszulage hat. Das bedeutet, dass die Familienzulage dem Elternteil ausbezahlt wird, dass Sie aber den Zweck hat die Kosten des Unterhalts des Kinds zu finanzieren (Anteil an Miete und Nebenkosten, Lebensmittel, etc.).

    Werden die Familienzulagen nicht für die Bedürfnisse einer Person verwendet, für die sie bestimmt sind, so kann diese Person oder ihr gesetzlicher Vertreter verlangen, dass ihr die Familienzulagen in Abweichung von Artikel 20 Absatz 1 ATSG auch ohne Fürsorgeabhängigkeit ausgerichtet werden (Artikel 9 Absatz 1 FamZG).

    Auf begründetes Gesuch hin kann die Ausbildungszulage in Abweichung von Artikel 20 Absatz 1 ATSG direkt dem mündigen Kind ausgerichtet werden (Artikel 9 Absatz 1 FamZG). Selbst wenn das mündige Kind erreicht, dass ihm die Ausbildungszulage direkt ausgerichtet (überwiesen) wird, ist das Kind gemäss ZGB trotzdem verpflichtet für die Kosten seines Unterhalts zu bezahlen.

    http://www.admin.ch/opc/de/cla…ation/20042372/index.html

    Ihre Tochter ist gesetzlich verpflichtet Ihnen etwas für die Kosten des Unterhalts Ihrer Tochter zu bezahlen, soweit ihrer Tochter zugemutet werden kann den Unterhalt aus dem Arbeitserwerb der Tochter oder aus anderen Mitteln (z.B. Kindesunterhalt des Vaters, Ausbildungszulage, Stipendien, etc.) zu bestreiten.

    Die Eltern haben für den Unterhalt des Kindes aufzukommen, inbegriffen die Kosten von Erziehung, Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen (Artikel 276 Absatz 1 ZGB). Der Unterhalt wird durch Pflege und Erziehung oder, wenn das Kind nicht unter der Obhut der Eltern steht, durch Geldzahlung geleistet (Artikel 276 Absatz 2 ZGB). Die Eltern sind von der Unterhaltspflicht in dem Mass befreit, als dem Kind zugemutet werden kann, den Unterhalt aus seinem Arbeitserwerb oder aus anderen Mitteln zu bestreiten (Artikel 276 Absatz 3 ZGB, http://www.admin.ch/ch/d/sr/210/a276.html).

    Die Unterhaltspflicht der Eltern dauert bis zur Volljährigkeit des Kindes (Artikel 277 Absatz 1 ZGB). Hat es dann noch keine angemessene Ausbildung, so haben die Eltern, soweit es ihnen nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf, für seinen Unterhalt aufzukommen, bis eine entsprechende Ausbildung ordentlicherweise abgeschlossen werden kann (Artikel 277 Absatz 2 ZGB, http://www.admin.ch/ch/d/sr/210/a277.html).

    Ihre bei Ihnen lebende Tochter darf vom Unterhalt vom Vater, von den Ausbildungszulagen und von den Stipendien nur jenen Betrag behalten, der nach Abzug aller Kosten für den Unterhalt Ihrer Tochter (Anteil an Miete und Nebenkosten, Anteil an Hausratversicherung, Krankenversicherung, Anteile an Essen, Trinken, Putzmittel, Körperpflege, Billag-Gebühren, etc.) überbleibt. Sie sollten diese Kosten auch für die Vergangenheit von Ihrer Tochter verlangen, wenn Ihre Tochter diese in der Vergangenheit nicht bezahlt hat diese aber angesichts des Unterhalts des Vaters, der Ausbildungszulagen und des Stipendiums voll oder teilweise hätte bezahlen können.

    Wenn Ihre Tochter nicht kooperiert, sollten Sie Ihr einen Auszug nahelegen damit Ihre Tochter lernt Ihre Ausgaben selbst zu bezahlen und mit dem Geld auszukommen. Gerade als angehende Lehrerin an der Pädagogischen Hochschule (PH) und damit als künftiges Vorbild für Kinder sollte Ihre Tochter die gesetzlichen Pflichten eines mündigen Kindes zu den Kosten seines Unterhalts beizutragen und den selbständigen Umgang mit Geld (Budget) lernen.

  • Vielen Dank, Sozialversicherungsberater, für die Gesetzestexte dazu.

    Da dieses Thema in meinem Bekanntenkreis immer wieder zur Sprache kommt, da viele nicht genau wissen, wie vorgehen, bin ich Ihnen sehr dankbar für diesen Links, die eher die nüchterne Klarheit bringen.

  • Auch ich möchte mich bei dir, sozialversicherungsberater, vielmals für die Gesetzessammlung und die Erläuterungen bedanken.Junge Erwachsene können vielmals mehr mit Paragraphen anfangen als mit elterlichen Erklärungen, da diese schriftlich und rechtlich vorgegeben sind. Diese Fakten sind auch eine gute Grundlage, mit meiner Tochter ein vernünftiges Budget zu erstellen. Ein Budget, das sie auch wirklich nachvollziehen kann und hoffentlich auch so akzeptiert.