Sozialamt und IV

Übersicht der Foren

Zur Liste der Foren gelangen Sie hier: Foren

Möchten Sie einen neuen Beitrag erstellen, wählen Sie bitte ein Forum aus der Foren-Liste und klicken sie auf die Schaltfläche "Neues Thema" oben auf der rechten Seite.

  • Hallo

    Ich war jetzt seit über 3 Jahren Sozialhilfebezügerin und habe nun vor gut 4 Wochen den Entscheid der IV gekriegt, dass ich 100% Rente kriege. Ich denke, dass ich zusätzlich noch ein Recht auf EL habe, da ich nie gearbeitet habe und mir die IV von 18-jährigen angerechnet wird.

    Mit der IV werde ich ja ein wenig mehr haben, als das, was ich mit der Sozialhilfe gekriegt habe. Aber die IV wird nicht auf die vollen 3 Jahre zurückgerechnet (habe den Antrag erst ein paar Monate später eingegeben und zusätzlich kommen ja noch 6 Monate Bearbeitungsrist hinzu). Wird mir das Sozialamt nun alles Geld wieder wegnehmen, dass ich von der IV kriege, oder kann ich doch noch einen Teil behalten? (Nämlich den, den ich so oder so noch zusätzlich während der Zeit zwischen Antragsgesuch und Auszahlung der IV, zusätzlich erhalten hätte.) Oder wie ist das?

    Und noch eine Frage: Ich habe zurzeit eine Beiständin, die auch mein Vermögen verwaltet. Darf sie einen Teil des Geldes, was ich von der IV und der EL kriege, zurückbehalten? Und wenn ja: Was geschieht mit dem Geld?

    Ich danke schon im Voraus für eine Antwort und grüsse herzlich

    Mondschein88

  • Das Sozialamt wird sich entweder von der IV direkt die IV-Rente für den Zeitraum ab dem Ihnen rückwirkend eine IV-Rente zugesprochen wurde bis jetzt einen Teil der IV-Rente oder die ganze IV-Rente auszahlen lassen (Drittauszahlung) oder diese von Ihnen fordern (Rückerstattung), wenn Sie während diesem Zeitraum bereits Sozialhilfe erhalten haben. Das Sozialamt darf, wenn die monatliche IV-Rente höher ist als die monatliche Sozialhilfe maximal den tieferen Betrag der Sozialhilfe zurückfordern bzw. sich als Rückzahlung direkt von der IV auszahlen lassen. Den Rest der Nachzahlung der IV-Rente für die Vergangenheit können Sie behalten.

    Melden Sie sich rasch für Ergänzungsleistungen zur IV-Rente an. In den meisten Kantonen ist dafür die Sozialversicherungsanstalt oder die AHV-Ausgleichkasse des Kantons zuständig. Im Kanton Zürich ist dafür die Wohnsitzgemeinde zuständig, wenn diese die Aufgabe nicht an die Sozialversicherungsanstalt der Kantons Zürich delegiert hat.

    Wird die Anmeldung für eine jährliche EL innert sechs Monaten seit der Zustellung der Verfügung über eine Rente der AHV oder IV eingereicht, so beginnt der Anspruch auf eine jährliche EL in folgendem Zeitpunkt:

    – wird die Rente ab Monat der Rentenanmeldung oder von einem späteren Monat an zugesprochen, so entsteht der Anspruch auf die jährliche EL im gleichen Monat wie der Rentenanspruch;

    – wenn die Rente für eine vor der Rentenanmeldung liegende Zeitspanne zugesprochen wird, so beginnt der EL-Anspruch mit dem Monat der Einreichung der Anmeldung zum Bezug der Rente.

    Wenn die monatliche Sozialhilfe höher als die monatliche IV-Rente war, kann sich das Sozialamt auch einen Teil oder die ganze monatliche Ergänzungsleistung zur IV-Rente für den Zeitraum ab dem Ihnen rückwirkend eine Ergänzungsleistung zur IV-Rente zugesprochen wurde bis jetzt einen Teil der Ergänzungsleistung IV-Rente oder die ganze Ergänzungsleistung zur IV-Rente auszahlen lassen (Drittauszahlung) oder diese von Ihnen fordern (Rückerstattung), wenn Sie während diesem Zeitraum bereits Sozialhilfe erhalten haben. Das Sozialamt darf, wenn die Summe aus der monatlichen IV-Rente und der monatlichen Ergänzungsleistung zur IV-Rente höher ist als die monatliche Sozialhilfe maximal den tieferen Betrag der Sozialhilfe zurückfordern bzw. sich als Rückzahlung direkt von der IV auszahlen lassen. Den Rest der Nachzahlung der Ergänzungsleistungen zur IV-Rente für die Vergangenheit können Sie behalten.

    Ihre Beiständin erhält für ihre Tätigkeit ein Honorar. Wenn Sie jetzt genug Geld haben, müssen Sie das Honorar der Beiständin bezahlen. Was ist denn als Ihre Beiständin ernannt wurde schriftlich für ein Honorar vereinbart worden? Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, welche die Beiständin ernannt hat müsste das wissen und kontrollieren.

    Kontrollieren Sie diese Verfügungen und Abrechnungen genau. Wenn Sie das selbst nicht können, suchen Sie sich Hilfe, da es da um eine grössere Summe Geld geht. Wenn Sie mit den Verfügungen nicht einverstanden sind, müssen Sie innerhalb der auf den Verfügungen angegebenen 30-tätigen Frist eine Einsprache gegen die Verfügung einreichen und begründen welche Fehler dort korrigiert werden müssten.

    Es hängt von der Art der Beistandschaft ab, ob Sie unbeschränkt Zugriff auf Ihr Vermögen haben und wie viel sie davon ohne die Zustimmung der Beiständin ausgeben können.

    Wenn der Invaliditätsgrad auf Ihrer IV-Rente über 70 Prozent ist, erhalten Sie in Zukunft insgesamt durch die IV-Rente und die Ergänzungsleistungen zur IV-Rente ein Einkommen das deutlich höher ist als die Sozialhilfe. Wenn Ihr Invaliditätsgrad unter 70 Prozent ist (Sie also nur zum Teil invalid sind), kann Ihnen nach einer Übergangsfrist von sechs Monaten nach Erhalt der Zustellung der Verfügung über die Ergänzungsleistungen ein fiktives Erwerbseinkommen angerechnet werden, das die Höhe Ihrer Ergänzungsleistungen kürzt, wenn Sie nicht durch 10 bis 12 Bewerbungen auf offene Stellen pro Monat nachweisen, dass Sie keine Arbeitsstelle finden.

  • Vielen Dank, Sozialversicherungsberater, für diese Erklärung.

    Wissen Sie, ob dieser Teil Ihrer Erklärung

    QUOTE

    Wird die Anmeldung für eine jährliche EL innert sechs Monaten seit der Zustellung der Verfügung über eine Rente der AHV oder IV eingereicht, so beginnt der Anspruch auf eine jährliche EL in folgendem Zeitpunkt:

    – wird die Rente ab Monat der Rentenanmeldung oder von einem späteren Monat an zugesprochen, so entsteht der Anspruch auf die jährliche EL im gleichen Monat wie der Rentenanspruch;

    – wenn die Rente für eine vor der Rentenanmeldung liegende Zeitspanne zugesprochen wird, so beginnt der EL-Anspruch mit dem Monat der Einreichung der Anmeldung zum Bezug der Rente.

    END QUOTE

    analog auch bei anderen Verfügungen der SVA so funktioniert?

    Konkret möchte ich wissen, und verstehen, ob diese unterschiedliche Arten der Beginn des EL-Anspruchs zu berechnen, auch sinngemäss auf Verfügungen der Hilflosenentschädigung anzuwenden wären.

    Falls ja, würden Sie mir bitte den relevanten Gesetzesteil nennen, die das umschreibt? Bis jetzt habe ich, allerdings als Laie, vergebens nach genau dieser Auskunft gesucht.

    Ich wäre Ihnen dankbar! Merci.



  • Vielen Dank, Sozialversicherungsberater, für diese Erklärung.

    Wissen Sie, ob dieser Teil Ihrer Erklärung

    QUOTE

    Wird die Anmeldung für eine jährliche EL innert sechs Monaten seit der Zustellung der Verfügung über eine Rente der AHV oder IV eingereicht, so beginnt der Anspruch auf eine jährliche EL in folgendem Zeitpunkt:

    – wird die Rente ab Monat der Rentenanmeldung oder von einem späteren Monat an zugesprochen, so entsteht der Anspruch auf die jährliche EL im gleichen Monat wie der Rentenanspruch;

    – wenn die Rente für eine vor der Rentenanmeldung liegende Zeitspanne zugesprochen wird, so beginnt der EL-Anspruch mit dem Monat der Einreichung der Anmeldung zum Bezug der Rente.

    END QUOTE

    analog auch bei anderen Verfügungen der SVA so funktioniert?



    Ja, ich weiss ob die Regelung über den Anspruchsbeginn bei den Ergänzungsleistungen auch beim Anspruchsbeginn von anderen Sozialversicherungsleistungen funktioniert.



    Konkret möchte ich wissen, und verstehen, ob diese unterschiedliche Arten der Beginn des EL-Anspruchs zu berechnen, auch sinngemäss auf Verfügungen der Hilflosenentschädigung anzuwenden wären.



    Diese Regelung des Anspruchsbeginns gilt nur für den Beginn des Anspruchs auf Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, da diese Regelung in der Artikel 22 Absatz 1 ELV (Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur AHV/IV) enthalten ist.

    http://www.admin.ch/opc/de/cla…ation/19710014/index.html



    Falls ja, würden Sie mir bitte den relevanten Gesetzesteil nennen, die das umschreibt? Bis jetzt habe ich, allerdings als Laie, vergebens nach genau dieser Auskunft gesucht.



    Es gibt bei verschiedenen Sozialversicherungsgesetzen eine Hilflosenentschädigung als Leistung (z.B. in der IV oder in der AHV). Das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), das anwendbar ist, wenn es das jeweilige Sozialversicherungsgesetzt bzw. die anwendbare Verordnung für anwendbar erklärt und nirgends eine ausdrückliche Ausnahme davon enthalten, enthält keine Regelung des Anspruchsbeginns von Sozialversicherungsleistungen. Man muss also in das anwendbare Sozialversicherungsgesetz bzw. in die anwendbare Verordnung schauen.

    Ich wäre Ihnen dankbar! Merci.

    Die Hilflosenentschädigung der IV ist im ersten Teil im dritten Abschnitt in Kapitel E in den Artikeln 43 bis 42ter IVG geregelt. Gemäss Artikel 42 Absatz 4 IVG richtet sich der Anspruchsbeginn (für eine Hilfslosenentschädigung der IV) nach Vollendung des ersten Lebensjahres nach Artikel 29 Absatz 1 IVG. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Absatz 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Artikel 29 Absatz 1 IVG).

    http://www.admin.ch/opc/de/cla…ation/19590131/index.html

    Die Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) enthält zusätzliche Regelungen in Artikel 35 bis Artikel 39 IVV. Der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung entsteht am ersten Tag des Monats, in dem sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Artikel 35 Absatz 1 IVV).

    http://www.admin.ch/opc/de/cla…ation/19610003/index.html



    Ich wäre Ihnen dankbar! Merci.



    Wenn es sich um eine Hilflosenentschädigung der IV handelt, hilft es Ihnen möglicherweise sich sämtliche Artikel im IVG und in der IVV über die Hilflosenentschädigung durchzulesen um die Voraussetzungen für den Anspruch und den Anspruchsbeginn zu überprüfen.

    Wenn der Anspruchsbeginn in der Verfügung falsch ist und die Verfügung wegen des Ablaufs der Einsprachefrist bereits rechtskräftig ist und eine Einsprache nicht mehr geht, können Sie ein Gesuch um Wiedererwägung der Verfügung einreichen. Der Sozialversicherungsträger kann, muss aber nicht auf das Gesuch eintreten. Wenn er darauf eintritt, aber sagt, dass die Voraussetzungen für die Wiedererwägung nicht gegeben wären, können Sie dies mit den üblichen Rechtsmitteln anfechten. Wenn er nicht darauf eintritt, können Sie ihn nicht mit einer Beschwerde bei Gericht dazu zwingen. Allerdings kann man eine Aufsichtsbeschwerde beim Bundesamt für Sozialversicherungen machen und dieses kann den Sozialversicherungsträger anweisen eine Wiedererwägung einer rechtskräftigen Verfügung zu machen.

  • Wow, das sind viele Informationen!

    Vielen Dank, Sozialversicherungsberater.

    Ich bin mir zwar noch nicht sicher, ob ich alles verstanden habe; muss wohl wieder genau nachlesen. Jedenfalls schätze ich die Auskunft und die links dazu sehr. Merci!