Defektes Hauptdruckreduzierventil - Extrem hohe Wasserrechnung

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  • Vor ca. 20 Jahren habe ich eine sehr heruntergekommene Liegenschaft renoviert.

    Das Hauptdruckreduzierventil der Wasserzuleitung direkt nach der Wasseruhr wurde von einem professionellen Sanitärinstallateur ausgeführt.

    Seit ca. 1 1/2 Jahren stieg unsere Wasserrechnung (und eben auch die Abwasserrechung) stark an.

    Zu Beginn dachte ich dass es sich um den Mehrverbrauch durch die Kinder handelte.

    Nach 7 Monaten (Stand August 2014) zeigte die Wasseruhr einen noch höher Verbrauch an.

    ca. 400 m3 Wasser - ca. Fr. 3'000.-- für Wasser und Abwasser.

    Da im Haus kein Wasser "verloren ging" habe ich herausgefunden, dass über das Überdruckventil oft Wasser abläuft.

    Nun hat sich herausgestellt dass das auf 5 Bar eingestellte Hauptdruckreduzierventil mehr als die vom Überdruckventli zugelassenen 5 Bar Druck in die Wasserleitungen im Haus durchliess. Dies wurde auch vom Sanitärinstallateur geprüft und als korrekt befunden. Er hat mittlerweile ein neues Hauptdruckreduzierventil montiert. Das Resultat war, dass das Überdruckwasser über das Überdruckventil entwichen ist.

    Das Resultat: Anstelle der ca. 120 m3 Wasser ergab sich auf 12 Monate aufgerechnet ein Verbrauch von ca. 685 m3.

    Meine Fragen:

    - Bin ich als Hausbesitzer für das Hauptdruckreduzierventil verantwortlich?

    - Kann man aus Erfahrung oder Rechtssprechung mit einem Entgegenkommen seitens der Gemeinde (Wasserlieferant) rechnen

    - Muss ich die Wasserrechnung anfechten unter Berücksichtung der Fakten?

    Würde mich sehr freuen über fundierte Antworten zu meinem Anliegen. - Danke

  • Da haben Sie wohl schlechte Karten...

    Als erstes würde ich einmal den Wasserlieferungsvertrag mit dem Wasserwerk bzw. die entsprechende Verordnung der Gemeinde konsultieren, was da in Bezug auf Verluste drinsteht.

    Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es einen Übergabepunkt gibt vom öffentlichen Netz zu der jeweiligen Liegenschaft. Ab diesem Übergabepunkt (vielfach ist das der erste Schieber nach dem Abzweiger in der Strasse) gehört die Installation zur Liegenschaft und ist im Eigentum des Liegenschaftenbesitzers, meistens mit Ausnahme des Zählers, der gewöhnlich von der Wasserversorgung gemietet ist. Weitere Ausnahmen, wie z.B. das Druckregelventil können auch sein, aber das ist von Gemeinde zu Gemeinde individuell geregelt. Wenn dies nicht aus der Verordnung hervorgeht, fragen Sie den zuständigen Brunnenmeister der Gemeinde.

    Sehen Sie deshalb in der Verordnung nach, wie der Übergabepunkt in ihrer Gemeinde definiert ist.

    Die Gemeinde kann sich nun auf den Standpunkt stellen, alles was nach dem Übergabepunkt passiere sei nicht mehr in der Hoheit der Gemeinde und auch nicht durch diese zu kontrollieren, sondern sei Aufgabe und Verantwortung des Liegenschaftenbesitzers. Somit sei es an ihnen, allfällige falsch eingestellte Überdruckventile oder Druckreduziereinrichtungen zu überwachen und auf eigene Kosten von Sanitärfirmen instand zu setzen. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Erkenntnis, dass durch Fehlfunktionen ausgelaufenes Wasser nicht der Gemeinde angelastet werden kann.

    Sie können natürlich versuchen, mit der Gemeinde bzw. der Wasserversorgung ins Gespräch zu kommen und einen Härtefall geltend machen. Ob sich die Gemeinde darauf einlässt, kann ich nicht beurteilen, aber fragen kostet ja bekanntlich nichts. Bevor Sie eine formelle Einsprache gegen die Wasserrechnung einreichen, welche ziemlich sicher kostenpflichtig entschieden wird, würde ich zuerst mal sondieren, ob eine Einsprache überhaupt den Hauch eines Erfolges hätte, ansonsten werfen Sie nur Geld zum Fenster hinaus.

    Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass im Laufe der Jahre Druckreduzierventile verkalken können und Zuhaltefedern von Überdruckventilen lahm werden, worauf dann z.B. im Boilerüberlauf Wasser austreten kann. Deshalb sollte man mit dem Prüfknopf am Druckreduzierventil von Zeit zu Zeit das Manometer in Gang setzen und den statischen Druck ablesen. Nach rund zwanzig Jahren Gebrauch wurde bei mir das Druckreduzierventil ausgewechselt, weil wir, wie fast alle Gemeinden im Mittelland, ziemlich kalkhaltiges Wasser haben. Seither habe ich Ruhe und der Druck stimmt wieder. Es lohnt sich auch, einmal im Jahr das Druckreduzierventil rauf- und runter zu regeln, das Überdruckventil am Boiler manuell zu betätigen und sämtliche Hahnen in der Verteilbatterie zu- und wieder aufzudrehen. Wichtig: Hahnen vom Endanschlag immer eine halbe Umdrehung zurückdrehen! Wenn das Zeug jahrelang nicht bewegt wird, verhockt alles mit der Zeit. Ich hoffe, ich konnte ihnen weiterhelfen, obwohl ich nicht vom Sanitärfach bin.

  • Ich versteh das Problem nicht ganz.

    In den allermeisten Fällen liefert das Werk das Wasser mit einem Druck, der für die üblichen Anwendungen im Haushalt gebraucht wird. Das Werk hat kein Interesse, das Wasser mit einem zu hohen Druck zu liefern, weil dadurch die Zuführleitungen stärker beansprucht werden. Ein Druckreduzierventil nach der Wasseruhr ist darum nicht notwendig. In meinem neueren Wohnhaus habe ich nachgeschaut, da gibt es keine solche Armatur. In meiner Firma habe ich Druckreduzierventile vor Maschinen, die einen niedrigeren Wasserdruck benötigen. Dies sind jedoch geschlossene Armaturen, wo nirgends ein Wasseraustritt stattfinden kann.

    Ich möchte warnen, planlos an irgendwelchen Boilerhahnen zu drehen. Neuere Elektroboiler haben auch keine Hahnen mehr, an denen gedreht werden könnte. Es ist aber so, dass bei einem Boiler in der Aufheizphase Überdruck im Wassernetz entsteht, weil heisses Wasser mehr Volumen hat als kaltes. Wenn während der Heizphase kein Warmwasser gebraucht wird, kann der Überdruck nicht über die Wasserhahnen abgebaut werden. Üblicherweise hat es darum zum Abbau des Überdrucks im Warmwasserteil der Installation ein Überdruckventil zum Abbau des vom Boiler entstandenen Überdrucks. Bei einem 300-Liter-Boiler ist dies jedoch ein Tröpfeln in die Auffangwanne.

    Wenn x Kubikmeter Wasser durch ein Druckreduzierventil verloren gehen sollte, würde das sofort gemerkt werden, weil das "Tropfen" in der Auffangwanne dann ein Fliessen wäre.

    Viel eher denke ich, dass in der Hausinstallation der Verlust entsteht. In einem ersten Schritt würde ich, wenn alle Hahnen geschlossen sind, auf der Wasseruhr schauen, ob Wasser gleichwohl fliesst.

  • Ups, habe die Fragestellung noch einmal gelesen und jetzt gemerkt, dass das technische Problem gelöst ist und jetzt noch das kaufmännische ansteht. Bei meiner Antwort nahm ich an, dass der Wasserverbrauch jetzt noch höher sei als vor der Reparatur.

    Ich denke, dass die Verantwortlichkeit überall so geregelt ist, wie Rolf es beschrieben hat: Zuständigkeit des Wasserwerks geht bis zur Wasseruhr, Unterhalt und Reparatur der Leitungen ab Anschluss Wasserschieber ist in der Verantwortung des Liegenschaftsbesitzers.

    Gefragt werden kann ja, ob das Wasserwerk Kulanz zeigt. Aber ehrlich, wie ich in meiner Antwort oben geschrieben habe: Ein so grosser Wasserverlust hätte ohne weiteres frühzeitig entdeckt werden können.

  • Noch einmal Ups: Das Druckreduzierventil habe ich in meinem Wohnhaus jetzt auch gefunden, es ist "versteckt" in einem Wasserfilter.

    Noch eine Rechnung: Nach den Angaben des Fragestellers hatte er einen rechnerischen Mehrverbrauch von 565'000 Liter pro Jahr. (1 Kubikmeter Wasser = 1000 Liter). Das ergibt einen Wasserverlust pro Minute von rund 1 Liter. Ein derart rinnendes Überdruckventil entdeckt doch auch jeder Nichtfachmann innert kürzester Zeit…



  • In den allermeisten Fällen liefert das Werk das Wasser mit einem Druck, der für die üblichen Anwendungen im Haushalt gebraucht wird. Das Werk hat kein Interesse, das Wasser mit einem zu hohen Druck zu liefern, weil dadurch die Zuführleitungen stärker beansprucht werden. Ein Druckreduzierventil nach der Wasseruhr ist darum nicht notwendig.

    Ich möchte warnen, planlos an irgendwelchen Boilerhahnen zu drehen. Neuere Elektroboiler haben auch keine Hahnen mehr, an denen gedreht werden könnte.



    Das Wasser wird in den meisten Gemeinden in der Niedertarifzeit des EW (nachts) aus einem Grundwasserbrunnen in ein hoch gelegenes Reservoir gepumt und fliesst dort frei hinunter zu den Verbrauchern. Je nach Höhenlage des Verbrauchers ist der Druck im Netz ganz unterschiedlich. (pro 10m Höhenunterschied 1 bar)

    Der Druck ist meistens höher als im Haushalt vonnöten, unter anderem damit die Strassenhydranten genügend Druck haben für die Feuerwehr.

    Grosse, unterschiedlich hoch gelegene Gemeinden wie z.B. die Stadt Zürich haben deshalb ein umfangreiches System von verschiedenen Höhenzonen und darin eingebetteten Reservoirs in verschiedenen Höhenlagen. (Der Unterschied vom Uetliberg zum See beträgt rund 500m = 50bar)

    Ein Druckreduzierventil ist darum praktisch überall nötig und auch vorhanden.

    Und: planlos sollte man nie an irgendwelchen Hahnen drehen, da haben Sie recht, aber sämtliche Ventile einmal im Jahr bewegen, um diese gängig zu halten ist etwas anderes! Dies betrifft die Hahnen in der Verteilerbatterie.



  • Grosse, unterschiedlich hoch gelegene Gemeinden wie z.B. die Stadt Zürich haben deshalb ein umfangreiches System von verschiedenen Höhenzonen und darin eingebetteten Reservoirs in verschiedenen Höhenlagen. (Der Unterschied vom Uetliberg zum See beträgt rund 500m = 50bar)

    Und: planlos sollte man nie an irgendwelchen Hahnen drehen, da haben Sie recht, aber sämtliche Ventile einmal im Jahr bewegen, um diese gängig zu halten ist etwas anderes! Dies betrifft die Hahnen in der Verteilerbatterie.



    50bar ? Das ist aber ganze schön viel ! Bist DU da sicher ?

    Das mit den Hahnen bewegen ist sicher keine schlechte Sache, kurz markieren mit Kleber oder Stift, ein paarmal hin und her und dann wieder auf Ausgangsposition.

  • Hallo sentiero

    Wir hatten ein Problem, dass zwischen Wasseruhr (ca. 300 Meter vom Haus entfernt) und Haus Wasser "verloren" ging.

    Mein Problem schilderte ich der Wasserversorgung, also dem Wasserlieferanten.

    Sie schauten sich die Rechnungen der vergangenen Jahre an und passten den Betrag des ABWASSERS (nur des Abwassers) an.

    Abwasser in dem Sinne hatten wir ja nicht, aber Wasser brauchten wir, obwohl dieses unterwegs versickerte...

    Viel Glück

    Muri



  • 50bar ? Das ist aber ganze schön viel ! Bist DU da sicher ?



    Natürlich bin ich mir sicher. Und weil 50 bar ja nicht gehen, weil sonst alle Leitungen platzen würden, gibt es eben verschieden hoch gelegene Versorgungszonen in Zürich. So hat jede Zone den passenden Druck. Die Uetlibergzone mit dem am höchsten gelegenen Reservoir versorgt nur die Liegenschaften am Berg, die Innenstadt unten am See wird von tiefer gelegenen Reservoirs versorgt.

    Alles klar jetzt?