Bulimie- Was hilft wirklich?

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  • Hallo Zusammen

    Ich habe mich hier angemeldet, um Antworten zu finden, auf Fragen, die ich selbst nicht beantworten kann. Ich habe nämlich keine Essstörung aber eine Freundin. Sie leidet seit mehreren Jahren an Bulimie und kaum jemand weiss davon. Seit zwei Jahren versuche ich sie zu einer Therapie zu überreden dazu ist sie allerdings nicht bereit.

    Wenn jemand selbst von dieser Krankheit betroffen ist oder jemanden in einer ähnlichen Situation kennt wäre ich sehr dankbar für Ratschläge. Wisst ihr irgendwas, was ich für sie tun könnte? Ich will nur, dass sie sich besser fühlt und vielleicht irgendwann bereit ist sich hilft zu suchen. Ich versuche mich in ihre Situation hineinzuversetzten. Dabei könnte mir vielleicht jemand hier helfen.

    Fragen, auf die ich keine Antwort weiss:

    - Ist ene Konfrontation gut oder nicht? (Wenn ich mit dem Thema anfange verschliesst sie sich verständlicherweise, ich kann ihre Krankheit aber auch nicht ignorieren, vor allem weil sonst alle wegschauen (Familie inklusive)))

    - Wie soll ich mich verhalten, wenn sie in meiner Gegenwart eine Heisshungerattacke bekommt? (passiert häufig, sie isst dann in kürzester Zeit unheimlich viel, bis ihr schlecht wird. Beschissene Situation weil ich sie nicht abhalten kann und hinterher ein schlechtes Gewissen habe. Ihr schlechtes Gewissen ist bestimmt schlimmer und sie schämt sich offensichtlich. Also was kann ich tun?

    bzw. Soll ich überhaupt versuchen sie abzuhalten oder macht das alles schlimmer? ( Dazu muss vielleicht noch gesagt werden, dass sie diese Attacken nicht heimlich hat oder sie im Voraus plant. Sie verliert häufig während den Mahlzeiten die Kontrolle und kann sich nicht mehr zurückhalten. Dies kommt z.B. auch in Restaurants usw. vor.)

  • Hallo,

    Menschen mit Essstörungen gehören in erster Linie zu einem Arzt. Aber wenn sie nicht will kannst Du ihr auch nicht

    gross helfen. Das Einzige Ergebnis wäre, dass Du Dich für sie kaputtmachst. Du machst Dir Gedanken die sie sich machen müsste ohne

    Einfluss auf ihr Verhalten haben zu können.

    Es kommt natürlich auch drauf an wie alt sie ist. Aber sie muss eine Veränderung wollen, sonst bist Du ja

    dauernd nur am Polizist spielen. Vielleicht würde es etwas ändern wenn Du nichts sagst? Aber wenn sie Hilfe braucht würdest Du

    sie z.B. zum Arzt begleiten? Wenn Du mit den Eltern reden würdest? Oder wenn sie noch zur Schule geht mit einem Lehrer?

    Ich wünsche Dir viel Erfolg, und dass Du loslassen kannst bevor es Dir selber schadet.

    LG Arielle

  • Danke erstmal für deinen Ratschlag!

    Das Problem ist nur, das ist genau was ich schon die ganze Zeit mache und irgendwie passiert nichts. Natürlich kann ich sie zu nichts zwingen aber vielleicht einen Anstoss geben. Daran bin ich allerdings immer gescheitert. Statistisch gesehen sinkt die Chance für sie, ein normales Verhältnis zum Essen zu erlangen mit jedem Jahr. Nun leidet sie schon seit sechs Jahren an ihrer Krankheit und ihre Einstellung hat sich nicht geändert. Sie ist noch immer nicht bereit sich Hilfe zu suchen.

    Hat jemand Erfahrung damit genau diesen Schritt zu machen? Und wenn ja, was war schliesslich der Auslöser dafür?

  • Leider habe ich keine grosse Erfahrung damit, möchte Ihnen jedoch folgendes vorschlagen, wenn es nur darum geht, dass Sie sich helfen lässt.

    Falls es Ihnen an einem Tag nicht so gut geht, dann lassen Sie sich gehen und beginnen, in Gegenwart der Magersüchtigen, zu weinen. Auf die Fragen Ihrer Kollegin, warum es Ihnen so schlecht geht, erzählen Sie Ihr dann z.B. Es tut Ihnen weh zu sehen wie Sie sich selber zerstört, gerade kürzlich ist eine Person welche nur etwas älter ist durch selbe Umstände ums leben gekommen. Mit Ihr werde das selbe geschehen und ich kann nichts dagegen machen. Schliesslich möchte auch Sie sich nicht von einem Arzt helfen lassen usw. Das könnte der Impuls sein welchen Sie benötigt.

    Damit könnten Sie bewirken dass Sie zum Arzt geht.

    Es kann für Sie ein Erlebnis sein, verdrängt es und macht wie gehabt weiter oder beendet die Beziehung mit Ihnen. Sie könnte Schuldgefühle bekommen und sich das Leben nehmen.

    Und bitte vergessen Sie nicht den wichtigen Satz welchen bereits arielle genannt hat, lassen Sie los wenn es Ihnen beginnt spürbar zuzusetzen.

    Voll & Geil



  • Das Problem ist nur, das ist genau was ich schon die ganze Zeit mache und irgendwie passiert nichts. Natürlich kann ich sie zu nichts zwingen aber vielleicht einen Anstoss geben. Daran bin ich allerdings immer gescheitert. Statistisch gesehen sinkt die Chance für sie, ein normales Verhältnis zum Essen zu erlangen mit jedem Jahr. Nun leidet sie schon seit sechs Jahren an ihrer Krankheit und ihre Einstellung hat sich nicht geändert. Sie ist noch immer nicht bereit sich Hilfe zu suchen.

    Hat jemand Erfahrung damit genau diesen Schritt zu machen? Und wenn ja, was war schliesslich der Auslöser dafür?



    Genau das meine ich. Du versuchst Dein Möglichstes aber es bringt nichts. Leider ist es so dass Menschen in solchen Situationen, egal ob bei Bulimie, Drogen oder ähnlichem die Einsicht fehlt. Sie können es meist gar nicht sehen weil sich ihr Denken verändert hat.

    Was genau helfen kann ist bei jedem anders, so wie die Gründe für das Verhalten bei jedem anders ist.

    Es gibt nicht den "einen" Satz auf den alle reagieren. So schlimm es auch ist. Ich musste vor vielen Jahren ähnliches durchleben

    bei einem lieben Menschen. Von den Drogen weggekommen ist er zwar nachher, aber da hatte ich den Kontakt schon abgebrochen. Aufgehört hat er nicht weil jemand etwas gesagt hat sondern weil er an einer Leberzirrose erkrankt ist. Da hat ihm der Arzt gesagt dass er aufhören muss weil er

    sonst nur noch kurze Zeit zu Leben hätte. Das war das Einzige was gewirkt hat. Weder Freundinnen, Freunde, Eltern oder Verwandte, keiner

    konnte ihn so erreichen dass er aufgehört hätte. Nicht einmal die Schwangerschaft seiner damaligen Freundin konnte etwas bewirken. Und ich meine

    so ein Kind auf das er sich auch gefreut hat wäre doch nun wirklich ein guter Grund gewesen.

    Evtl. gibt es Beratungsstellen auch auf dem Gebiet? Ich war zwar geschockt von dem Rat den man mir gegeben hatte, aber letztendlich war

    es das Einzig Richtige.

    Diesem Menschen sagen dass man jederzeit für ihn da ist wenn er sich helfen lässt, Du aber sonst mit der Sache nichts zu tun haben möchtest.

    Die Heisshungerattacken solltest Du in der Tat ignorieren. Sie weiss ja dass Du es erkannt hast und bereit bist zu helfen wenn sie das möchte.

    Wenn Du jedesmal reagierst kann es gut sein dass Du das noch förderst weil es eine Art Bestätigung ist. Deine Zuwendung wäre dann eine Art Belohnung für die Heisshungerattacken.

    Bist Du sicher dass alle wegschauen weil es sie nicht interessiert? Vielleicht haben sie auch nur gesehen dass sie absolut nichts tun können und

    ein Drängen das Problem verstärken würde?

    Melde Dich doch einmal bei einer entsprechenden Beratungsstelle und pass gut auf Dich auf.

    LG Arielle

  • Danke_für_eure_Hilfe

    Von der Krankheit deiner Freundin verstehe ich nichts.

    Zu den Problemen zwischen dir und ihr empfehle ich Transaktionsanalyse. Vielleicht gelingt es euch zu verstehen, was auf den verschiedenen Ebenen zwischen euch abläuft. Und ihr findet einen Weg aus euer Sackgasse.

    Viel Glück

    C-O-R-A

    Tags mit Threads von mir, die mich zurzeit vorwiegend beschäftigen

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    Ich freue mich auf jede konstruktive Meinung von dir.

    Insbesondere auf jene der ehrlich-witzigen und/oder kritisch-konstruktiven Art.

  • Hallo!

    Ich bin selber eine "Ehemalige" und kann dir dazu sagen, dass viele Menschen, die an Bulimie leiden, sich einfach nicht mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Die Tatsache, dass man sich mit den eigenen Problemen nicht auseinandersetzen mag oder diese vielleicht gar nicht einsieht, gibt es ja in allen Bereichen des Lebens, nicht nur in der Bulimie, und ist daher nur menschlich.

    Mir ging das jedenfalls genau so, in meiner siebenjährigen Erkrankung habe ich die Augen verschlossen, mir Hilfe zu holen kam für mich nicht in Frage. Durch einen glücklichen Zufall, nämlich durch eine längere Wanderung, bin ich von der Bulime losgekommen. Ich habe diesen Ausweg vor kurzem aufgearbeitet und ein Konzept sowie eine Website dazu erstellt: http://www.companeat.ch Du findest hier alle weiteren Infos. Companeat eignet sich gut für Leute, die sich keine professionelle Hilfe holen wollen, so wie ich damals. Jedoch sollte man psychisch wie physisch trotz Bulimie einigermassen fit sein. Wer genau sich dafür eignet, steht ebenfalls im Konzept auf der Website. Ich suche aktuell noch nach Personen, die mind. 6 Wochen wandern gehen, um diie Hypothese von Companeat (durch mind. 6 Wochen kommt man von der Bulimie los) zu bestätigen oder allenfalls zu widerlegen. Falls du denkst, dass könnte etwas für deine Freundin sein, dann kannst du ihr ja mal davon erzählen und ihr den Link schicken. Vielleicht lässt sie sich ja darauf ein. Vielleicht stösst du aber auch auf Ablehnung, da Hilfe oft auch abgelehnt wird, weil sie selber ihr Problem vielleicht nicht einsieht.

    Liebe Grüsse dir, Steffi

  • Medikamente. Antidepressiva, wie z. B. Fluoxetin (z. B. Prozac), werden manchmal verwendet, um Binge-Purge-Zyklen zu reduzieren und Symptome von Depressionen zu lindern, die häufig zusammen mit Essstörungen auftreten. Sie funktionieren am besten, wenn sie mit Beratung kombiniert werden.

  • Hallo, ist Euer Thema noch aktuell?


    Anlässlich meiner Diplomarbeit zum Master Coach Autogenes Training suche ich Leute, die ein beeinträchtigtes Essverhalten aufweisen und bereit wären, bei mir in meiner Praxis in Kestenholz (SO) Autogenes Training zu erlernen.


    Weitere Infos zu mir und meiner Praxis auf http://www.inaevum.ch


    Von Herzen liebe Grüsse


    Pascale

  • Aus Perspektive einer Bulimikerin kann ich nur Folgendes sagen:


    - Das hilfreichste für mich: Akzeptanz, das nicht zum Thema nr. 1 machen, mich als primär mich sehen, nicht nur noch eine wandelnde Krankheit, im Gegenteil - je "unwichtiger" die Krankheit, desto weniger übermächtig wirkt sie auf mich. Wenn ich offen darüber sprechen kann, im Wissen, damit keine negativen Gefühle/Reaktionen zu triggern, hilft mir das am meisten. Mir ist klar, dass es Gefühle auslöst, aber wenn ich keine Angst haben muss, dafür verantwortlich zu sein, kann ich mich am ehesten öffnen. Quasi ein sachliches Gespräch, das ist das Schönste - wie detailliert hängt vom Gegenüber ab.


    Am Schlimmsten: Gefühlsausbrüche von meinem Gegenüber wie Wut, Verzweiflung etc. denn ich fühle mich sowieso schon die ganze Zeit schuldig, elend, dreckig, abstossend und versuche alles mir Mögliche zu unternehmen, damit ich es "wieder gut machen" kann, das Essverhalten, und wenn ich daraufhin bestätigt bekomme, wie schlimm ich zu meinen Mitmenschen bin, dann verliere ich persönlich jeden Mut und verzweifle selbst daran - und wirke diesem Gefühl mit noch heftigeren Anfällen entgegen. Das soll nicht heissen, dass die Gefühle meiner Mitmenschen keine Berechtigung haben und ich die nicht auch kennen will. Und sie sind auch nicht schuld an Anfällen. Aber wenn ich mich für diese nochmehr verantwortlich fühle als ohnehin, zerbreche ich. Denn das Gefühl der Schuld ist bei mir der grundlegende Auslöser - Schuld, das Gefühl nie gut genug zu sein, niemals eine bedingungslose Zuneigung wert zu sein.


    Dies ist meine ganz persönliche Situation. Ich rate Angehörigen, fragt die betroffene Person, wie sie sich wünscht, dass ihr damit umgeht, was ihr tun könnt, das ihr hilft, gesteht ihr zu, selbst am besten zu spüren, was sie gerade braucht - auch wenn dies manchmal unverständlich und anspruchsvoll sein kann. Aber wenn ihr fragt, dann versucht euch darauf vorzubereiten und seid danach bereit, euch darauf einzulassen. Wenn ihr von vorn herein merkt, dass ihr das eher nicht könnt, dann seid ihr evt. nicht geeignet, eine/n Betroffene/n aktiv zu unterstützen und solltet euch aus dem Thema raushalten/abgrenzen - auch zum Eigenschutz, denn es ist gut verständlich, wenn man als Angehörige/r überfordert ist mit einer Essstörung - daran ist nichts falsch, es ist aber auch nicht die Schuld ddr Erkrankten - es ist schlicht niemandes Fehler. Es bleibt ja dann immer noch viel, das man teilen kann, das nicht mit der Essstörung zu tun hat (je mehr desto besser)