Burnout -- eine Modeerscheinung?

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  • In meinem Bekanntenkreis sind zwei tragische Burnoutfälle aufgetreten. Die Angestellten im höheren Kader freigestellt und in psychiatrischer Behandlung. Zugegeben, für die Betroffenen und ihre Familien ein schwerer Schlag. Auf die Gefahr hin einigen auf die Füsse zu treten, stelle ich einmal mehr fest, Burnout war schon zu meinen Zeiten im Berufsleben keine Seltenheit. Nur sprach man damals nicht von „Burnout“, sondern von Überforderung infolge Selbstüberschätzung am Arbeitsplatz. Burnout ist eine reine Modeerscheinung und scheint zur Volkskrankheit zu werden!


    Mit dem Begriff Burnout wurde ich schon in den 1970er Jahren in den Vereinigten Staaten konfrontiert. Einige unserer Geschäftspartner haben Beförderungen in das oberste Kader und in die Geschäftsleitungen abgelehnt mit der Begründung: Ich kenne genau meine Grenzen und wäre mit den neuen Aufgaben überfordert. Und einmal mehr gilt: Beförderung bis zur Inkompetenz vermeiden: Nach dem Peter-Prinzip neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen!


    Kobold













  • Burnout ist eine Modeerscheinung????......Sorry aber das ist Blödsinn! Burnout ist eine sehr ernst zu nehmede Erkrankung die z.B. auch zum Suizid oder Depressionen führen kann. Burnout ist eine Krankheit die u.a. von unserer immer schnelllebigeren und überfordender Gesellschaft hervor gebracht wurde, immer mehr arbeiten damit man sich immer mehr leisten kann und dabei vergessen dass der Mensch auch seine Erholungsphasen braucht um richtig funktionieren zu können.

  • Sorry, ich als technischer „Fachidiot“ und Fachleute sehen das etwas anders. Egal, ob es um Stress am Arbeitsplatz und Stressbewältigung geht, um chronische Überlastung und Work Life Balance, um Mobbing und den Umgang mit Konflikten: Selten wird die Gelegenheit ausgelassen, auf das Burnout Syndrom hinzuweisen.


    Bei der Einteilung von Krankheiten unterscheidet man zwei Klassifizierungssysteme; zum einen das „Diagnostic and Statistial Manual of Mental Disorders“ (DSM-IV) der American Psychiatric Association (APA) und zum anderen die „International Classification of Disorders“ (ICD-10) der World Health Organization (WHO). Während man bei dem ersten Klassifizierungssystem vergeblich nach dem Begriff Burnout sucht, findet man im Zweiten im Kapitel 21 die Beschreibung von Faktoren, welche den Gesundheitszustand beeinflussen. Unter der Ziffer Z73 steht das Wort „Burn-out“ mit der Erklärung „Zustand der körperlichen Erschöpfung“. Diagnostische Leitlinien, welche trennscharfe Kriterien zur Symptomatik vorgeben, gibt es nicht. Somit gilt Burnout nicht als eigentliche Diagnose und ist de facto keine Krankheit. Burnout beschreibt vielmehr ein Zustandsbild mit einer bis heute kaum einheitlichen Definition.


    Burnout kann also als Erklärung zur richtigen Diagnose hinzugefügt werden, ist aber nach wie vor keine Krankheit. Sobald depressive Symptome zu einem Burnout hinzukommen, ist es streng genommen kein Burnout mehr, denn dann lautet die Diagnose „Depression“.


    Kobold

  • Sorry, ich als technischer „Fachidiot“ und Fachleute sehen das etwas anders. Egal, ob es um Stress am Arbeitsplatz und Stressbewältigung geht, um chronische Überlastung und Work Life Balance, um Mobbing und den Umgang mit Konflikten: Selten wird die Gelegenheit ausgelassen, auf das Burnout Syndrom hinzuweisen.


    Bei der Einteilung von Krankheiten unterscheidet man zwei Klassifizierungssysteme; zum einen das „Diagnostic and Statistial Manual of Mental Disorders“ (DSM-IV) der American Psychiatric Association (APA) und zum anderen die „International Classification of Disorders“ (ICD-10) der World Health Organization (WHO). Während man bei dem ersten Klassifizierungssystem vergeblich nach dem Begriff Burnout sucht, findet man im Zweiten im Kapitel 21 die Beschreibung von Faktoren, welche den Gesundheitszustand beeinflussen. Unter der Ziffer Z73 steht das Wort „Burn-out“ mit der Erklärung „Zustand der körperlichen Erschöpfung“. Diagnostische Leitlinien, welche trennscharfe Kriterien zur Symptomatik vorgeben, gibt es nicht. Somit gilt Burnout nicht als eigentliche Diagnose und ist de facto keine Krankheit. Burnout beschreibt vielmehr ein Zustandsbild mit einer bis heute kaum einheitlichen Definition.


    Burnout kann also als Erklärung zur richtigen Diagnose hinzugefügt werden, ist aber nach wie vor keine Krankheit. Sobald depressive Symptome zu einem Burnout hinzukommen, ist es streng genommen kein Burnout mehr, denn dann lautet die Diagnose „Depression“.


    Kobold

  • Es kann durchaus sein, dass diese Diagnose zu schnell vergeben wird. Das Wort "Burnout" wird wahrscheinlich genauso inflationär benutzt, wie das Wort "Trauma". Dennoch glaube ich nicht, dass das Auftreten eine "Modeerscheinung" ist und dass man das Krankheitsbild verharmlosen sollte. Die Ansprüche in der heutigen Zeit sind sehr viel höher, als noch vor einem Jahrzehnt. Angestellte müssen sich ständig weiterbilden, müssen sich gegenüber ihren Kollegen und Kolleginnen behaupten. Leute in leitender Funktion stehen noch zusätzlich unter Druck. Man erwartet von ihnen, dass sie rund um die Uhr erreichbar sind, dass sie sich übermässig für den Betrieb einsetzen, dass sie möglichst nie am Arbeitsplatz fehlen... Der Druck am Arbeitsplatz hat zugenommen - und das nicht nur bei Personen, die in leitender Stellung sind.


    Ob diese Krankheit in den Klassifizierungssystemen bereits aufgenommen sind oder nicht, spielt nicht wirklich eine Rolle (ausser bei der Finanzierung von Therapien). Die meisten Krankheitsbilder werden erst aufgenommen, wenn die Diagnose weltweit anerkannt ist. Das wird beim Burnout früher oder später auch so sein. Was wirklich zählt ist das Leiden der Betroffenen. Das ist wirklich sehr gross. Wenn nicht richtig geholfen wird, kann diese Krankheit tödlich enden.

  • @Kobold 1 hat natürlich recht, wenn er feststellt, dass Burnout keine Krankheit im eigentlichen Sinne darstellt. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass eine ganze Reihe von realen Symptomen existiert, die von langfristiger körperlichet, geistiger und/oder psychischer Überforderung verursacht werden.


    Burnout ist sicher keine Modeerscheinung, eine Modeerscheinung ist eher die Verwendung des Begriffs. Man muss sich dabei auch klar machen, dass selbiger bei leitenden Kadern als gesellschaftlich akzeptabler Euphemismus für Depressionen und Psychosen herhalten muss.


    Psychiatrische Kliniken (vulgo Klapsmühlen oder Irrenhäuser) wissen um die gesellschaftlichen Zwänge, denen ihre Klientel unterliegen und benennen insbesondere ihre Stationen für privat Versicherte gerne als solche zur Behandlung von Burnout oder Stressfolgeerkrankungen, egal ob dort nun akute oder chronische Depressionen, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen oder Substanzmissbrauch behandelt werden.


    Das ist wichtig für die Korrespondenz der Firma, den Lebenslauf und Besuche von Kollegen und selbst Familienmitgliedern. Der schöne Schein geht über alles, auch für die Betroffenen selbst.


    Wir haben allerdings das Glück, in einem Land zu leben, in dem die entsprechenden Institutionen existieren und tatsächlich allen Mitgliedern der Gesellschaft zur Verfügung stehen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Dass dieses Angebot auch gesellschaftlich und ökonomisch gesehen sinnvoll ist, zeigt sich z.B. an der seit Jahrzehnten kontinuierlich sinkenden Suizidrate.

  • Das liebe ich an deinen Beiträgen, trotz manchmal divergierender Meinungen: immer echte Fakten und Erfahrungen statt irgendwelchen unbelegten Tatsachenbehauptungen


    LG


    CM

  • Wo geschehen die meisten Burnouts?


    Im Berufsleben. D.h. in der Wirtschaft.


    Ist Burnout im Zeitalter der privaten Gewinnmaximierung ein Berufsrisiko?


    Ist es richtig, Burnout als Krankheit anzuerkennen?


    Krankenkosten werden von der Allgemeinheit getragen.


    Ist es richtig, dass in der Wirtschaft immer mehr Private den Gewinn einstreichen und die Allgemeinheit das Risiko und die Folgeschäden trägt?


    Braucht es eine Burnout-Versicherung z.B. nach dem Modell der SUVA?


    Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Prämie richtet sich nach dem Burnout-Risiko der jeweiligen Branche und ihrer Unternehmen.


    C-O-R-A

    Tags mit Threads von mir, die mich zurzeit vorwiegend beschäftigen

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    01-04-22 <- UMWELT <- KRIEG IN EUROPA  01-05-22 <- BILDSPRACHE <- FRAUEN  06-05-22 <- KRANKENKASSEN 15-05-22

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    Ich freue mich auf jede konstruktive Meinung von dir.

    Insbesondere auf jene der ehrlich-witzigen und/oder kritisch-konstruktiven Art.

  • @Conchita -- Einmal mehr, mit deinen Statements triffst du des Pudels Kern. Wenn mich etwas bewegt, schreibe ich aus dem hohlen Bauch einen Beitrag, der nicht immer von allen goutiert wird. Und das ist gut so. Aber für konstruktive Kritik bin ich jederzeit offen. Das war schon zu meinen beruflichen Zeiten so.


    Mit Schmunzeln erinnere ich mich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mir klar und deutlich sagten: Chef, mit deiner Beurteilung der Lage liegst du falsch. Manchmal konnte ich die Kritiker überzeugen, dass meine Beurteilung richtig war und manchmal musste ich zerknirscht zugeben, dass ich falsch liege.


    Während meinen beruflichen Zeiten waren akzeptable Überzeiten, und längere Geschäftsreisen in ferne Landen nicht zu vermeiden. Gleichwohl achtete ich strikte darauf, dass meine Familie nicht zu kurz kam. Gemeinsame Wochenenden, Ferien & zusätzliche Ferientage nach Überzeiten und Geschäftsreisen, kulturelle Anlässe und noch vieles mehr, losgelöst vom Alltagsstress waren dank hervorragenden, motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einer Perle von Sekretärin möglich.


    Eines meiner grossen Vorbilder, der Schweizer Robert A. Lutz, ehemaliger Kampfpilot bei den US Marines und langjähriger Top Manager bei General Motors antwortete mal auf die Frage einer Journalistin: „Wie viele Stunden arbeiten sie als Top Manager pro Woche?“: Mit wenigen Ausnahmen 42 Stunden -- wer das anders sieht, macht etwas falsch!


    Und was hört man heute immer wieder von Top Managern in der Privatwirtschaft und beim Staat: „60 und mehr Stunden sind die Regel und auch an Wochenenden und in den Ferien muss ich rund um die Uhr erreichbar sein“. Das mag wohl stimmen wenn die Stellvertretung nicht optimal organisiert ist, fähige Mitarbeiter nicht gefördert werden und die Sekretärin keinen Zugang zu wichtigen Daten hat. Etwas ketzerisch halte ich fest: Es gibt sie leider, die Chefs, die bewusst diese Taktik anwenden um den Eindruck zu erwecken, dass ohne sie der Laden still stehen würde. Und es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis der seinen Aufgaben nicht gewachsenen und überforderte Chef freigestellt werden muss. Und dann ab zum Psychiater für die Behandlung von Burnout!


    Jetzt klinke ich mich mal aus diesem Thread raus, geniesse das "anstrengende!" Rentnerleben mit Sonne, Wasser, Wind, Sturm und Regen am und auf dem See, und ob man es glaubt oder nicht, das alles ohne Notebook, Tablet & PC und nur für die Familie per Handy erreichbar!


    Kobold

  • Ich glaube nicht dass es sich dabei um eine Modeerscheinung handelt - erstmal gibt es die Diagnose "Burnout" gar nicht, sondern dahinter verbirgt sich eine Depression. Ich denke einfach, dass die Menschen inzwischen offener gegenüber psychischen Erkrankungen sind und deswegen einfach mehr in diesem Bereich erkannt und diagnostiziert wird

  • Ich würde es nicht als Modeerscheinung bezeichnen. Ich denke, der Stress und Druck hat tatsächlich extrem zugenommen. Selbst die ältere Generation sagt, dass alles viel hektischer geworden ist Burn-Out ist davon nur eine logische Folge.