Aktuellen Arbeitgeber im CV erfinden?

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  • Hallo an alle


    Ich habe eine gewagte Idee und würde gern ein paar Meinungen hören.


    Ich suche schon sehr lange eine neue Stelle, bin im Moment arbeitslos und es klappt einfach nicht mit den Bewerbungen. Mein Lebenslauf ist mittlerweile sehr lückenhaft (lange Geschichte) und bei meiner letzten Anstellung hatte ich Pech – Kündigung nach Probezeit und kein Arbeitszeugnis, sondern nur eine Arbeitsbestätigung. Für mein Alter (34) habe ich nicht viel Berufserfahrung. Das alles sieht sehr schlecht aus und ich werde kaum an Bewerbungsgespräche eingeladen. Nun habe ich mir überlegt einfach anzugeben, dass ich immer noch beim letzten Arbeitgeber angestellt bin (total ca. 3 Jahre anstatt eines) – das würde meine Chance für ein Vorstellungsgespräch massiv erhöhen. Als arbeitender Mensch wird man viel eher berücksichtigt und in diesem Fall müsste ich auch diese problematische Arbeitsbestätigung nicht beilegen. Ich weiss, dass dieses Vorgehen nicht optimal wäre, aber ich bin wirklich verzweifelt...


    Nun frage ich mich: sollte das tatsächlich funktionieren und es käme zu einer Anstellung – könnte der neue Arbeitgeber irgendwie herausfinden, dass ich zurzeit gar keinen Arbeitgeber habe? Vielleicht über administrative Prozesse, AHV, Pensionskasse, Abschlusszeugnis nachreichen etc.? Gemäss Datenschutzgesetz darf er sich ja nicht melden beim "alten" Arbeitgeber, aber ich weiss nicht, ob es weitere Schnittstellen/Fallen gibt. Beim RAV bin ich nicht angemeldet und war es nie.


    Bitte verurteilt mich nicht wegen dieser Idee, ich bin mir bewusst, dass man das nicht machen sollte. Grundsätzlich bin ich ein ehrlicher Mensch, aber ich komme nicht mehr weiter, jegliche Tipps und Beratungen haben mir nichts gebracht. Ich muss jetzt etwas Neues ausprobieren.

  • Bei allem Verständnis für Ihre Verzweiflung rate ich Ihnen dringend davon ab Ihren Lebenslauf (CV) zu fälschen und damit Arbeitgeber, bei denen Sie sich bewerben wissentlich und willentlich zu täuschen. Ich persönlich verurteile es, wenn jemand auf dem Lebenslauf vortäuscht, noch bei einem Arbeitgeber zu arbeiten, bei dem er nicht mehr arbeitet und verschweigt, dass er dort nicht mehr arbeitete.


    An Ihrer Stelle wäre ich lieber ehrlich und würde bereits im Bewerbungsschreiben die Gründe für die Kündigung(en) und für die Lücken im Lebenslauf erklären.


    Artikel 146 Strafgesetzbuch (StGB) Betrug



    1 Wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.


    Abgesehen davon wird der Arbeitgeber wahrscheinlich davon erfahren, dass Sie nicht mehr dort arbeiten, wenn er sieht, dass die Überweisung des Pensionskassenkapitals nicht von der Pensionskasse des alten Arbeitgebers kommt, sondern vom einen Freizügigkeitskonto oder von der Stiftung Auffangeinrichtung kommt. Wenn der Arbeitgeber davon erfährt wird er das wahrscheinlich als schweren Vertrauensbruch empfinden und Sie kündigen. Zudem kann der Arbeitgeber auf das Datenschutzgesetz pfeifen, so wie Sie überlegen auf das Strafgesetzbuch zu pfeifen und sich trotzdem bei Ihrem alten Arbeitgeber wegen einer Referenz über Ihre Leistungen erkundigen oder er kann Sie darum bitten, dass Sie eine Referenzperson beim alten Arbeitgeber angeben, welche er anrufen kann. Arbeitgeber aus manchen Branchen oder für bestimmte Stellen, bei denen man mit Geld zu tun hat (Banken, Versicherungen, Buchhaltung, etc.) verlangen oft einen Auszug aus dem Strafregister. Eine Eintragung wegen Betrug oder einer sonstigen Straftat wird es schwieriger machen eine Stellen zu finden.


    Strafgesetzbuch (StGB):



    https://www.admin.ch/opc/de/cl…ation/19370083/index.html

  • Im Bewerbungsprozess selbst ist Ihr Ansinnen im Prinzip problemlos umsetzbar. Dass das Bewerbungsdossier kein Zwischenzeugnis des aktuellen Arbeitgebers enthält und Letzterer nicht unter den Referenzen aufgeführt wird, ist ja durchaus üblich. Sie könnten sich sogar durch den Satz im Bewerbungsschreiben absichern "Da ich mich in ungekündigter Anstellung befinde, bitte ich um Ihre Diskretion." Ein Problem dürfte allerdings auftauchen, sobald sich eine mögliche Anstellung abzeichnet. Die Wahrscheinlichkeit ist nämlich gross, dass Sie ein potenzieller neuer Arbeitgeber um die Erlaubnis bittet, eine telefonische Referenzauskunft am aktuellen Arbeitsort einzuholen. Sie können die Erlaubnis natürlich verweigern, müssten sich dann aber auf die eine oder andere unbequeme Frage gefasst machen. Alles in allem würde ich meinen, dass Sie durch einen solchen Trick riskieren, die bereits spärlichen konkreten Anstellungschancen im letzten Moment zunichte zu machen.


    Wenn ich mir einen gut gemeinten Tipp erlauben dürfte: Aus Ihrer Schilderung ist eine berufliche und mindestens zwischen den Zeilen auch eine persönliche Krise herauszulesen. Ich würde Ihnen empfehlen, sich an ein Berufsinformationszentrum (BIZ) zu wenden und im Rahmen einer gründlichen Beratung zusammen mit einer Fachperson (Berufs- und Laufbahnberater/in) mögliche berufliche Perspektiven zu erarbeiten. Solche Zentren gelten als niederschwellig und finden sich in jeder grösseren Stadt. Ein möglichst effektives und zielgerichtetes Vorgehen ist unbedingt anzustreben, denn wenn man sich in Ihrer Situation befindet, arbeitet die Zeit leider gegen einen.

  • Ich glaube zwar im Gegensatz zu @Sozialversicherungsberater eher nicht, dass es sich hierbei um einen Betrug im strafrechtlichen Sinne handeln würde* (die 'Arglist' wird ja von unseren Gerichten leider nur sehr selten angenommen, was Gaunereien Tür und Tor öffnet) aber ich halte das Vorgehen doch für eher riskant. Denn wenn es auffliegt dann werden Sie natürlich 100%ig nicht angestellt oder, falls es erst später auffliegt, gibts eine unangenehme Kündigung. Und sowas würde selbst nach einer gewissen Anstellungsdauer noch locker als Kündigungsgrund durchgehen.


    * anders sähe es aus, wenn Sie irgendwelche Zeugnisse fälschen würden.

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