Provision nach Freistellung?

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  • Hallo an Alle!


    Ich hoffe mir kann jemand weiterhelfen...


    Ich wurde gestern entlassen und gleich Freigestellt nach meiner 2 Jährigen Aussendienst Tätigkeit in der Medizinbranche.


    Gemäss meinem Arbeitsvertrag habe ich unter anderem auf Umsatzprovision von 1% meiner Kunden. Genau heisst das, dass Ende Jahr der ganze Umsatz aller Kunden welche von mir betreut wurden zusammen gerechnet werden muss. Von dieser Summe steht mir als Provision 1% zu.


    Ich habe diese Provision aber letztes Jahr nicht erhalten da mein Chef meinte er könne dies nicht zurück verfolgen und ich diese deshalb nicht erhalte.


    Ab 2018 werde diese dann monatlich ausbezahlt (was aber bis heute auch nicht geschehen ist).


    Kann ich diese rückwirkend noch einfordern? Wie muss ich vorgehen?


    Bereits jetzt vielen Dank für die Rückmeldung!!


    xx heidii

  • Natürlich haben Sie rückwirkend Anrecht auf die Provisionen, und zwar sowohl auf diejenigen aus 2017 wie auf diese bis zum ordentlichen Kündigungstermin im 2018 (also nicht bloss bis zum Zeitpunkt der Freistellung). Bezahlt der Arbeitgeber nicht, sollten Sie gegen ihn die Betreibung einleiten. Wie Sie vorgehen können, um Ihr Guthaben bei Bedarf auch nachzuweisen, ist allerdings eine andere Frage. Vermutlich müsste der Arbeitgeber gerichtlich dazu verpflichtet werden, die während der fraglichen Zeit erzielten Umsätze offenzulegen. Und: Der Chef ist nicht imstande, die Umsätze seiner Kunden zurückzuverfolgen? Wie kann eine Person mit solchen Fähigkeiten denn überhaupt eine Unternehmung führen?

  • @heidii

    Ich habe Ihnen eine ausführliche Antwort mit den Artikeln aus dem Obligationenrecht (OR) und Links auf das OR und auf juristische Fachartikel geschickt. Ich habe nach dem Absenden meiner Antwort die Nachricht vom Beobachter erhalten, dass ein Mitarbeiter des Beobachters meine Antwort freischalten muss. Ich hoffe, dass die Online-Redaktion des Beobachters meine Antwort bald freischaltet.

  • Sirio ich habe sicherheitshalber eine kopie aller kunden welche bei mir honterlegt wurden angefertigt da ich weiss wie es in dieser firma zu un her geht.


    Die Videoüberwachung die Tracker am Auto, nicht einhalten der Lohnzahlungen waren nur das kleinste problem.


    Ausserdem habe ich festgestellt das ich in diesen 2 Jahren stetig weniger Lohn erhalten habe (trotz mehrfacher aufforderung mir monatlich einen lohnauszug zukommen zulassen, ist dies 2x vorgekommen).


    Ich muss hier auch ein Verschulden meinerseits eingestehen da ich diesen nie bis auf Rappen genau kontrolliert habe.


    Der Lohn wurde stetig kleiner auch wenn nur bis max 50.- pro Monat aber auf 2 Jahre hinaus macht das doch eine gute stange geld aus.


    Der Lohn wurde dann oft einige Monatenso ausbezahlt bevor wieder weniger ausgezahlt wurde usw.


    Ich denke um ehrlich zu sein das mein ehemaliger arbeitgeber druck von seiten der banken bez. offener kredite hat und deswegen so vorgeht. wie sieht es denn aus wenn er zahlungsunfähig ist?


    Soll ich die Aufforderung der noch austehenden Zahlungen selbst auflisten oder mir doch besser die hilfe eines anwalts sichern?


    Vielen Dank für Ihre Antwort Sirio!

  • @Sozialversicherungsberater


    vielen dank dafür! ich fühle mich zur zeit durch die situation völlig hilflos da ich mich im arbeitsrecht nicht auskenne!


    ich weiss ihre mühen wahnsinnig zu schätzen!

  • Sollte der Arbeitgeber Konkurs anmelden, wären die Lohn- und Provisionsforderungen aus den letzten sechs Monaten in der ersten Klasse privilegiert, d.h. solche Forderungen werden vor allen anderen gedeckt. Auch in diesem Fall wären die geltend gemachten Beträge natürlich nachzuweisen, jedoch würde die Einleitung der Betreibung mit den damit zusammenhängenden Kosten entfallen. Inwiefern es sich in Ihrem Fall lohnt, einen Anwalt beizuziehen, kann ich aus der Ferne beim besten Willen nicht sagen. Bedenken Sie, dass ein Anwalt nicht billig ist und Sie das finanzielle Risiko tragen müssten. Zumindest für die Zusammenstellung und Geltendmachung der Forderung sowie für die Einleitung der Betreibung ist ein Anwalt sicher nicht notwendig. Anspruchsvoller ist die Beseitigung des Rechtsvorschlags, den der Arbeitgeber mit hoher Wahrscheinlichkeit erheben würde. Hierfür wäre die Unterstützung einer Person mit einschlägiger Erfahrung notwendig.

  • Sirio


    ich weiss Ihre mühe wirklich zu schätzen mir das ganze zu erläutern! herzlichen dank nochmals!


    was noch von wichtigkeit wäre für mich:


    die firma hatte einen namenswechsel. genauer heisst das: der sitz der firma hat gewechselt, es wurden einige neue geschäftsfelder mit dem wechsel angegangen darunter auch werbeshow's etc.


    Die alte firma gibt es noch immer, sie ist einfach stillgelegt. Hätte man hier einen änderungsvertrag vorlegen sollen? gekündigt wurde mir von logischerweise von der neuen firma, angestellt von der alten.

  • Da Sie Ihre Frage in einem Forum einer Schweizer Zeitschrift stellen, gehe ich davon aus, dass Sie einen Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen in der Schweiz haben. Das Arbeitsrecht für Arbeitsverträge mit Schweizer Unternehmen ist im Obligationenrecht (OR) im Artikel 319 und den darauf folgenden Artikeln geregelt.


    Ich empfehle Ihnen zuerst Ihren Arbeitsvertrag noch einmal durchzulesen und nachzuschauen, was darin genau über die Dauer der Kündigungsfrist und die Provision steht. Anschliessend empfehle ich Ihnen den Inhalt des Arbeitsvertrag in diesen Punkten mit dem OR zu vergleichen. Wenn ein Punkt nicht im Arbeitsvertrag geregelt ist, gilt die Regelung im OR zu diesem Punkt.


    Ich empfehle Ihnen noch einmal mit Ihrem Arbeitgeber zu reden und ihm zu sagen, dass der Artikel 322c Absatz 2 des Obligationenrechts vorsieht, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer oder an dessen Stelle einem gemeinsam bestimmten oder vom Richter bezeichneten Sachverständigen die nötigen Aufschlüsse zu geben und Einsicht in die für die Abrechnung massgebenden Bücher und Belege zu gewähren hat, soweit dies zur Nachprüfung erforderlich ist. Sie können Ihrem Arbeitgeber einen Sachverständigen (zum Beispiel ein Treuhandunternehmen) vorschlagen, dem Sie vertrauen.


    Die Kündigungsfrist beginn ab dem Tag zu laufen, an dem Sie die Kündigung erhalten haben. Wenn in Ihrem Arbeitsvertrag, einem anwendbaren Normalarbeitsvertrag (NAV) oder einem anwendbaren Gesamtarbeitsvertrag (GAV) nichts Anderes über das Ende der Kündigungsfrist vereinbart wurde, gilt die gesetzliche Regelung, dass nur auf das Ende eines Monats gekündigt werden kann. Dies bedeutet, dass sich die Kündigungsfrist bis zum Ende des jeweiligen Monats verlängert, wenn das Ende der Kündigungsfrist nicht auf das Ende des Monats fällt. Ihr Arbeitgeber schuldet Ihnen bis zum Ende der Kündigungsfrist den Lohn. Wurde bei der Freistellung vereinbart, dass Sie während der Freistellung Ihren Ferienanspruch beziehen müssen?


    Wenn Sie nicht wollen, dass Ihnen die Arbeitslosenkasse die Taggelder wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit kürzt, müssen Sie sich bereits während der Kündigungsfrist am besten einigermassen über jeden Monat verteilt auf 10 bis 12 Stellenanzeigen bewerben und dies bei der Anmeldung für die Arbeitslosenversicherung durch Kopien oder Ausdrucke der Stellenanzeigen und der Bewerbungsbriefe oder Bewerbungs-E-Mails mit Lebenslauf und Zeugnissen nachweisen können.


    Freistellung und Ferienkompensation:



    https://www.beobachter.ch/arbeit/arbeitsrecht/kundigung-was-gilt-bei-Freistellung



    http://praxis.arbeitsrechtler.…4_Ferien-Freistellung.pdf



    http://www.kmu-win.ch/tl_files…nd_ferienkompensation.pdf



    Art. 322b C. Pflichten des Arbeitgebers / I. Lohn / 3. Provision / a. Entstehung


    3. Provision


    a. Entstehung


    1 Ist eine Provision des Arbeitnehmers auf bestimmten Geschäften verabredet, so entsteht der Anspruch darauf, wenn das Geschäft mit dem Dritten rechtsgültig abgeschlossen ist.


    2 Bei Geschäften mit gestaffelter Erfüllung sowie bei Versicherungsverträgen kann schriftlich verabredet werden, dass der Provisionsanspruch auf jeder Rate mit ihrer Fälligkeit oder ihrer Leistung entsteht.


    3 Der Anspruch auf Provision fällt nachträglich dahin, wenn das Geschäft vom Arbeitgeber ohne sein Verschulden nicht ausgeführt wird oder wenn der Dritte seine Verbindlichkeiten nicht erfüllt; bei nur teilweiser Erfüllung tritt eine verhältnismässige Herabsetzung der Provision ein.




    Art. 322c C. Pflichten des Arbeitgebers / I. Lohn / 3. Provision / b. Abrechnung


    b. Abrechnung


    1 Ist vertraglich nicht der Arbeitnehmer zur Aufstellung der Provisionsabrechnung verpflichtet, so hat ihm der Arbeitgeber auf jeden Fälligkeitstermin eine schriftliche Abrechnung, unter Angabe der provisionspflichtigen Geschäfte, zu übergeben.


    2 Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer oder an dessen Stelle einem gemeinsam bestimmten oder vom Richter bezeichneten Sachverständigen die nötigen Aufschlüsse zu geben und Einsicht in die für die Abrechnung massgebenden Bücher und Belege zu gewähren, soweit dies zur Nachprüfung erforderlich ist.



    Art. 323 C. Pflichten des Arbeitgebers / II. Ausrichtung des Lohnes / 1. Zahlungsfristen und -termine


    II. Ausrichtung des Lohnes


    1. Zahlungsfristen und -termine



    2 Ist nicht eine kürzere Frist verabredet oder üblich, so ist die Provision Ende jedes Monats auszurichten; erfordert jedoch die Durchführung von Geschäften mehr als ein halbes Jahr, so kann durch schriftliche Abrede die Fälligkeit der Provision für diese Geschäfte hinausgeschoben werden.



    Art. 335c1G. Beendigung des Arbeitsverhältnisses / II. Unbefristetes Arbeitsverhältnis / 2. Kündigungsfristen / c. nach Ablauf der Probezeit


    c. nach Ablauf der Probezeit


    1 Das Arbeitsverhältnis kann im ersten Dienstjahr mit einer Kündigungsfrist von einem Monat, im zweiten bis und mit dem neunten Dienstjahr mit einer Frist von zwei Monaten und nachher mit einer Frist von drei Monaten je auf das Ende eines Monats gekündigt werden.


    2 Diese Fristen dürfen durch schriftliche Abrede, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag abgeändert werden; unter einen Monat dürfen sie jedoch nur durch Gesamtarbeitsvertrag und nur für das erste Dienstjahr herabgesetzt werden.



    Art. 329a C. Pflichten des Arbeitgebers / VIII. Freizeit, Ferien, Urlaub für Jugendarbeit und Mutterschaftsurlaub / 2. Ferien / a. Dauer


    2. Ferien


    a. Dauer



    1 Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer jedes Dienstjahr wenigstens vier Wochen, dem Arbeitnehmer bis zum vollendeten 20. Altersjahr wenigstens fünf Wochen Ferien zu gewähren.



    3 Für ein unvollständiges Dienstjahr sind Ferien entsprechend der Dauer des Arbeitsverhältnisses im betreffenden Dienstjahr zu gewähren.



    Art. 329d C. Pflichten des Arbeitgebers / VIII. Freizeit, Ferien, Urlaub für Jugendarbeit und Mutterschaftsurlaub / 2. Ferien / d. Lohn


    d. Lohn


    1 Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer für die Ferien den gesamten darauf entfallenden Lohn und eine angemessene Entschädigung für ausfallenden Naturallohn zu entrichten.



    2 Die Ferien dürfen während der Dauer des Arbeitsverhältnisses nicht durch Geldleistungen oder andere Vergünstigungen abgegolten werden.



    Art. 361 A. Unabänderlichkeit zuungunsten des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers


    A. Unabänderlichkeit zuungunsten des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers


    1 Durch Abrede, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag darf von den folgenden Vorschriften weder zuungunsten des Arbeitgebers noch des Arbeitnehmers abgewichen werden:


    Artikel 329d:Absätze 2 und 3 (Ferienlohn)



    2 Abreden sowie Bestimmungen von Normalarbeitsverträgen und Gesamtarbeitsverträgen, die von den vorstehend angeführten Vorschriften zuungunsten des Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers abweichen, sind nichtig.



    Art. 362 B. Unabänderlichkeit zuungunsten des Arbeitnehmers


    B. Unabänderlichkeit zuungunsten des Arbeitnehmers



    1 Durch Abrede, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag darf von den folgenden Vorschriften zuungunsten der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers nicht abgewichen werden:



    Artikel 322b:Absätze 1 und 2 (Entstehung des Provisionsanspruchs)Artikel 322c:(Provisionsabrechnung)


    Artikel 329a:Absätze 1 und 3 (Dauer der Ferien)


    Artikel 329d:Absatz 1 (Ferienlohn)



    2 Abreden sowie Bestimmungen von Normalarbeitsverträgen und Gesamtarbeitsverträgen, die von den vorstehend angeführten Vorschriften zuungunsten des Arbeitnehmers abweichen, sind nichtig.


    Obligationenrecht (OR):



    https://www.admin.ch/opc/de/cl…ation/19110009/index.html