"3 Monate ab Kündigungsdatum" - Beispiel?

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  • Hallo,
    Mein Arbeitsvertrag sieht (gemäss Wortlaut) "3 Monate ab Kündigungsdatum" als Kündigungsfrist vor.
    Angenommen, ich würde also am 28.08. kündigen, wann wäre das Anstellungsverhältnis also beendet?


    a) am 28.11. (genau 3 Monate später)
    b) am 31.11. (nach Ablauf der nächsten 3 vollständigen Monate)


    Vielen Dank im Voraus!

  • Ich interpretiere diese Formulierung so, dass mit diesem Arbeitsvertrag (also einer schriftlichen Abrede) gemäss Artikel 335c Absatz 2 OR die gesetzliche Regelung abgeändert wurde, so dass nicht nur auf das Ende eines Monats gekündigt werden kann, sondern die Kündigungsfrist auch während dem Monat enden kann, je nachdem an welchem Tag gekündigt wurde.


    Ich interpretiere das so, dass das Anstellungsverhältnis am 28. November beendet wäre, wenn am 28. August gekündigt wird. Für das Datum der Kündigung zählt das Datum, an welchem der Arbeitgeber von der Kündigung erfahren hat. Bei einer mündlichen Kündigung ist das der Tag, an dem Sie dem Arbeitgeber gesagt haben, dass Sie heute kündigen. Bei einer schriftlichen Kündigung ist das der Tag, an dem Ihr Arbeitgeber den Brief erhalten hat. Bei einer mündlichen Kündigung haben Sie eventuell Probleme zu beweisen wann Sie gekündigt haben, wenn der Arbeitgeber abstreitet, dass Sie das gesagt haben. Bei einer schriftlichen Kündigung erhalten Sie von der Post einen Beleg mit einer Sendungsverfolgungsnummer, wenn Sie den Brief auf der Poststelle eingeschrieben aufgeben. Auf www.post.ch können Sie mit der Sendungsverfolgungsnummer nachschauen, an welchem Datum der Brief Ihrem Arbeitgeber zugestellt wurde.


    Art. 335c1G. Beendigung des Arbeitsverhältnisses / II. Unbefristetes Arbeitsverhältnis / 2. Kündigungsfristen / c. nach Ablauf der Probezeit


    c. nach Ablauf der Probezeit


    1 Das Arbeitsverhältnis kann im ersten Dienstjahr mit einer Kündigungsfrist von einem Monat, im zweiten bis und mit dem neunten Dienstjahr mit einer Frist von zwei Monaten und nachher mit einer Frist von drei Monaten je auf das Ende eines Monats gekündigt werden.


    2 Diese Fristen dürfen durch schriftliche Abrede, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag abgeändert werden; unter einen Monat dürfen sie jedoch nur durch Gesamtarbeitsvertrag und nur für das erste Dienstjahr herabgesetzt werden.


    Obligationenrecht (OR):



    https://www.admin.ch/opc/de/cl…ation/19110009/index.html

  • Sie können natürlich auch auf einen späteren als den im Vertrag vorgesehenen Zeitpunkt kündigen. Wenn Sie z.B. am 28.8. schreiben, dass Sie Ihr Anstellungsverhältnis per Ende März 2019 kündigen, dann gilt grundsätzlich dieses Datum. Es liegt dann am Arbeitgeber, dies so zu akzeptieren oder Ihnen seinerseits auf den gemäss Vertrag frühstmöglichen Zeitpunkt zu kündigen.

  • Vielen Dank für die aufschlussreichen Antworten. Kann jemand bestätigen, dass es möglich ist, auch auf einen späteren als den im Vertrag vorgesehenen Zeitpunkt zu kündigen (z.B. Kündigung am 30.08. auf den 31.12., um im Unternehmensinteresse Projekte abzuschliessen)? Irgendwie habe ich hierzu keine klaren Informationen gefunden.

  • Die Aussage stammt zwar bereits von mir, doch trotzdem: Informationen dazu findet man vermutlich deshalb keine, weil dies – so sehe ich es zumindest – als das Selbstverständlichste der Welt erscheint. Die Kündigungsfrist gemäss Vertrag ist als minimale Vorankündigungszeit zu betrachten. Mit welchem Argument sollte man auch behaupten wollen, man dürfe den Kündigungsbrief nicht früher absenden. In der Regel dürfte die Gegenseite – sei dies ein Arbeitgeber/-nehmer, Mieter/Vermieter oder was auch immer – sogar froh sein darüber, bleibt ihr doch entsprechend mehr Zeit, um sich nach etwas bzw. jemand Neuem umzusehen. Will die Gegenseite den Vertrag doch nicht weiter aufrechterhalten als für die Länge der Kündigungsfrist, steht es ihr wie erwähnt immer noch frei, ihrerseits auf einen früheren Termin zu kündigen.

  • Danke. Ich nehme also an, dass es auch möglich wäre, meine eigene Kündigung zu übersteuern?


    Zum Beispiel:

    • 1.Kündigung mit Datum 31.12.
    • 2.Kündigung mit Datum 30.11., auf Wunsch des Arbeitgebers

    …wobei dann das 2. Kündigungsdatum vom 30.11. wirksam wird?

  • So ist es. Bei dieser Konstellation müsste allerdings der Arbeitgeber seinerseits noch im August kündigen, d.h. der Brief müsste spätestens am 31.8. bei Ihnen eintreffen. Um das "Übersteuern" zu vermeiden, kündigen Sie deshalb am besten erst nach Ende August auf Ende Jahr.