einmaliger Nebenverdienst von 250 Fr. – Wie versteuern?

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  • Ich habe letztes Jahr für eine Kollegin einen kleinen, einmaligen Gestaltungsauftrag übernommen und dafür 250 Fr. erhalten. Wie kann ich das versteuern? Muss ich dafür extra eine Buchhaltung/Bilanz erstellen?


    Ich arbeite sonst zu 80 % nichtselbständig erwerbend und habe keine weiteren Nebeneinkünfte.


    vielen Dank für Ihre Antworten


    AnnaK

  • Buchführungspflichtig wären Sie erst ab einem Umsatz von über 100'000 Franken. Sie können den Betrag unter den steuerbaren übrigen Einkünften aufführen (im Kanton Bern 'Weitere, nicht anderweitig deklarierte Einkünfte'). Davon können Sie die damit zusammenhängenden Unkosten abziehen, wie etwa Materialkosten, Fahrspesen usw. (bei unselbständigem Nebenerwerb gilt ein Pauschalabzug von in der Regel 20%, bei selbständiger Tätigkeit sind hingegen die effektiven Kosten massgebend). Sie können eine kleine Aufstellung machen und diese für den Fall ablegen, dass die Steuerverwaltung einen Beleg verlangen sollte.


    Allgemeine Anmerkung: Bei Fragen betreffend Steuern immer den Wohnkanton erwähnen.

  • Die Auskunft von Sirio, dass man mit einem Einzelunternehmen erst ab einem Umsatz von über 100'000 Franken buchführungspflichtig ist, ist falsch. Gemäss Artikel 957 Absatz 1 OR unterliegen Einzelunternehmen, die einen Umsatzerlös von mindestens 500'000 Franken im letzten Geschäftsjahr erzielt haben der Pflicht zur Buchführung und Rechnungslegung. Gemäss Artikel 957 Absatz 2 OR müssen Einzelunternehmen mit weniger als 500'000 Franken Umsatzerlös im letzten Geschäftsjahr lediglich über die Einnahmen und Ausgaben sowie über die Vermögenslage Buch führen. Gemäss Artikel 10 Absatz 2 des Mehrwertsteuergesetzes (MwStG) ist ein Einzelunternehmen mit einem Umsatz von weniger als 100'000 Franken von der Mehrwertsteuer befreit und muss seinen Kunden auf den Rechnungen keine Mehrwertsteuer verrechnen. Bei mehrwertsteuerpflichtigen Einzelunternehmen besteht eine eigene Buchführungspflicht bzw. Aufzeichnungspflicht nach vereinnahmten Entgelten (Umsatz und Aufwendungen) bzw. auf Antrag nach vereinnahmten Entgelten (Einnahmen und Ausgaben).


    Wahrscheinlich liegt eine selbständige Erwerbstätigkeit vor und ist der Gewinn oder Verlust aus dieser selbständigen Erwerbstätigkeit in der Steuererklärung in einer Zeile für Einkünfte aus einer selbständigen Erwerbstätigkeit einzutragen.


    Auf der Website der kantonalen Steuerverwaltung gibt es wahrscheinlich zusätzliche Formulare für die Einnahmen und Ausgaben und das Vermögen für nicht buchführungspflichtige Einzelunternehmen (z.B. "Selbständigerwerbende mit vereinfachter Buchführung").



    Art. 957 A. Pflicht zur Buchführung und Rechnungslegung


    A. Pflicht zur Buchführung und Rechnungslegung



    1 Der Pflicht zur Buchführung und Rechnungslegung gemäss den nachfolgenden Bestimmungen unterliegen:

    1.
    Einzelunternehmen und Personengesellschaften, die einen Umsatzerlös von mindestens 500 000 Franken im letzten Geschäftsjahr erzielt haben;
    2.
    juristische Personen.


    2 Lediglich über die Einnahmen und Ausgaben sowie über die Vermögenslage müssen Buch führen:

    1.
    Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit weniger als 500 000 Franken Umsatzerlös im letzten Geschäftsjahr;
    2.
    diejenigen Vereine und Stiftungen, die nicht verpflichtet sind, sich ins Handelsregister eintragen zu lassen;
    3.
    Stiftungen, die nach Artikel 83b Absatz 2 ZGB von der Pflicht zur Bezeichnung einer Revisionsstelle befreit sind.

    3 Für die Unternehmen nach Absatz 2 gelten die Grundsätze ordnungsmässiger Buchführung sinngemäss.


    Obligationenrecht (OR):



    https://www.admin.ch/opc/de/cl…ation/19110009/index.html



    Art. 10 Grundsatz



    2 Von der Steuerpflicht ist befreit, wer:

    a.
    innerhalb eines Jahres im In- und Ausland weniger als 100 000 Franken Umsatz aus Leistungen erzielt, die nicht nach Artikel 21 Absatz 2 von der Steuer ausgenommen sind;


    Art. 39 Abrechnungsart


    1 Über die Steuer wird nach vereinbarten Entgelten abgerechnet.


    2 Die ESTV gestattet der steuerpflichtigen Person auf Antrag, über die Steuer nach vereinnahmten Entgelten abzurechnen.


    3 Die gewählte Abrechnungsart muss während mindestens einer Steuerperiode beibehalten werden.


    4 Die ESTV kann die steuerpflichtige Person verpflichten, nach vereinnahmten Entgelten abzurechnen, wenn:

    a.
    diese zu einem erheblichen Teil Entgelte erhält, bevor sie die Leistung ausführt oder darüber Rechnung stellt; oder
    b.
    der begründete Verdacht besteht, dass die steuerpflichtige Person die Abrechnung nach vereinbarten Entgelten missbraucht, um sich oder einer Drittperson einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen.

    Mehrwertsteuergesetz (MwStG):



    https://www.admin.ch/opc/de/cl…ation/20081110/index.html