Arbeitsbemühungen in den Ferien in der Kündungszeit?

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  • Mir wird nächsten Monat auf Ende September gekündigt. Danach muss ich zum RAV. Ab Kündigung muss ich ja bereits Bemühungen zur Stellenfindung vorlegen. Das bedeutet ab Juni. Im Juli habe ich ich drei Wochen Ferien. Gebucht wurden diese lange bevor ich etwas von der Kündigung wusste. Muss ich nun vom fernen Ausland her, mit schlechtem Internet und ohne Computer, Stellen suchen? Sind Ferien nicht zur Erhloung gedacht? Immerhin sind diese Ferien ja noch während dem laufenden Arbeitsverhältnis, allerdings in der Kündigunsfrist. Vielen Dank.

  • Hallo


    Ja, grundsaetzlich muessen sie sich auch waehrend den Ferien bewerben. Sie muessen sich nicht nur beim RAV anmelden, sondern auch bei einer Arbeitslosenkasse. Diese wird ihre Bewerbungen kontrollieren und bei Ungenuegen dann Einstelltage verfuegen. Melden sie sich sofort an. Und teilen sie der Arbeitslosenkasse den Sachverhalt betreffend den Ferien mit. Es besteht die Chance, dass sich die Kasse mit einer geringeren Anzahl Bewerbungen fuer diesen Monat einverstanden erklaert. Lassen sie sich das schriftlich bestaetigen. Sollte die Kasse hier nicht entgegenkommen, dann koennen sie in der Woche ohne Ferien des Monats, immer noch eine genuegende Anzahl (10-12 ) Blindbewerbungen schreiben. Diese haben zwar weniger Aussicht auf Erfolg, die Kasse interssiert hier aber primaer die Anzahl der Bewerbungen und nicht deren Qualitaet.

  • @Sarah_2275


    Die Auskunft von marikowari, dass sich das RAV primär für die Anzahl der Bewerbungen und nicht für deren Qualität interessiert bzw. die implizite Ansicht, dass Blindbewerbungen genauso viel wie Bewerbungen auf Stellenanzeigen zählen, ist falsch. Dies ist ärgerlich, da ich vor knapp mehr als zwei Wochen bereits eine Frage geantwortet habe und davor gewarnt habe, dass Blindbewerbungen weniger zählen.


    Wenn Sie sich nicht auch während der Ferien während der Kündigungsfrist auf 10 bis 12 Stellenanzeigen pro Monat bewerben werden Sie wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit wegen ungenügenden Arbeitsbemühungen bestraft. Es wird in der Praxis kontrolliert, ob die Bewerbungen einigermassen über den Monat verteilt sind und es sind schon Arbeitslose bestraft worden, weil in bestimmten Wochen eines Monats keine Arbeitsbemühungen erfolgt sind (mangelnde Kontinuität der Arbeitsbemühungen), obwohl die Anzahl und Arbeitsbemühungen im Monat insgesamt ausreichend war. Den RAV und den kantonalen Versicherungsgerichten ist es egal, ob man bereits Ferien gebucht hat und in den Ferien war und ob dort die Internetverbindung schlecht war und sie keinen Computer oder kein internetfähiges Mobiltelefon mitgenommen haben und Sie sich erholen wollen. Ich empfehle Ihnen einen Computer oder ein internetfähiges Handy mitzunehmen, auf dem Sie ihren eingescannten Lebenslauf und eventuell eingescannte Zeugnisse dabei haben, sodass Sie sich während der Ferien per E-Mail auf Stellen bewerben können.



    https://www.beobachter.ch/fore…usgeschriebene-stell.html



    Ich empfehle Ihnen sich die Randziffern B313 bis B320 des Kreisschreibens AVIG-Praxis ALE durchzulesen und auch mit der Suchfunktion nach dem Stichwort Arbeitsbemühungen zu suchen und sich auch andere Randziffern durchzulesen, in denen es um Arbeitsbemühungen geht. Ich empfehle Ihnen auch sich die beiden Urteile des Bundesgerichts durchzulesen.


    Randziffer B314




    Jede versicherte Person ist grundsätzlich bereits vor Anspruchstellung zur Stellensuche verpflichtet. Diese Pflicht ist insbesondere schon während der Kündigungsfrist und bei einem befristeten Arbeitsverhältnis mindestens während den 3 letzten Monaten zu erfül-len.


    Ausschlaggebend für den Zeitraum, den es für die Prüfung der Arbeitsbemühungen zu berücksichtigen gilt, ist der Zeitpunkt, ab dem die Person Kenntnis davon hat, dass sie objektiv von Arbeitslosigkeit bedroht ist. Liegt dieser Zeitpunkt mehr als 3 Monate vor der Anmeldung bei der ALV, werden nur die 3 letzten Monate vor der Anmeldung über-prüft, ob die Person sich um eine Stelle bemüht hat.


    Rechtsprechung:




    EVG C 208/03 vom 26.3.2004 (Mit den modernen Kommunikationsmitteln [Internet, E-Mail] und Personalvermittlungsagenturen ist man auch bei einem längeren Auslandaufenthalt verpflichtet, sich um Arbeit für die Zeit nach der Rückkehr zu bemühen)


    Randziffer D79 Einstellraster für die RAV


    1.A

    Ungenügende Arbeitsbemühungen während der Kündigungsfrist 1 ungenügende Arbeitsbemühungen bei einmonatiger KF

    L 3 - 4 2 " " bei 2-monatiger KF

    L 6 - 8 3 " " ab 3-monatiger KF

    L 9 - 12


    10 Tage Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen ungenügender Arbeitsbemühungen in einem Monat während einer dreimonatigen Kündigungsfrist sind ungefähr ein halber Monatslohn, weil die Arbeitslosenentschädigung in Form von Taggeldern für die Anzahl der Tage ohne die Wochenenden in einem Monat bezahlt wird und ein Monat im Durschnitt knapp über 20 Arbeitstage hat.


    Kreisschreiben AVIG-Praxis ALE (Arbeitslosenentschädigung):


    https://www.arbeit.swiss/dam/s…d.pdf/AVIG-Praxis_ALE.pdf


    BGE 139 V 524 Erwägung 2.1.4 S. 528 Bei der Beurteilung der Frage, ob sich eine Person genügend um zumutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität ihrer Bewerbungen von Bedeutung. Das Quantitativ der Bewerbungen beurteilt sich nach den konkreten Umständen, wobei in der Praxis durchschnittlich zehn bis zwölf Stellenbewerbungen pro Monat in der Regel als genügend erachtet werden (bereits erwähntes Urteil 8C_583/2009 E. 5.1; BARBARA KUPFER BUCHER, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, 4. Aufl. 2013, S.


    Bundesgerichtsentscheid BGE 139 V 524


    https://www.bger.ch/ext/eurosp…&zoom=&type=show_document


    Urteil C 16/07 vom 22. Februar 2007


    Erwägung 3.1 Gemäss dem Formular "Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen" vom 2. September 2005 hat sich der Beschwerdeführer im massgebenden Monat August 2005 zehnmal schriftlich und einmal telefonisch um eine Stelle beworben. Soweit er letztinstanzlich sieben Stellenabsagen auflegt, ist festzuhalten, dass sechs davon Firmen betreffen, die im Nachweisformular für August 2005 figurieren. Die weitere Absage der Firma Druckzentrum Schütz AG bezieht sich auf eine Bewerbung vom 1. Juli 2005, welche vorliegend nicht zu berücksichtigen ist. Zusätzliche Bewerbungen als diejenigen gemäss dem Nachweisformular sind mithin für August 2005 nicht erstellt. Unbestritten ist, dass sieben der insgesamt elf Bewerbungen vom August 2005 Stellen ohne konkretes Angebot (so genannte Blindbewerbungen) betrafen. Solche Blindbewerbungen können durchaus sinnvoll sein. Sie dienen der Abklärung, ob eine Stelle frei ist. Indessen haben sich die Versicherten in erster Linie um ausgeschriebene und damit offene Arbeitsgelegenheiten zu bemühen, bei welchen die Erfolgsaussichten auf einen Vertragsabschluss erheblich grösser sind (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts C 347/05 vom 13. März 2006, E. 4 mit Hinweis). Unbehelflich ist der Einwand des Beschwerdeführers, er habe die Bemühungen nicht bloss aufs "Geratewohl", sondern auf Tipps und Anregungen von Bekannten hin gemacht, die diese Firmen gekannt und gewusst hätten, dass immer wieder Leute gesucht würden. Soweit der Versicherte geltend macht, es seien sehr wenige Stellen ausgeschrieben gewesen, die für ihn überhaupt in Frage gekommen wären, ist dem entgegenzuhalten, dass allfällige Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt umso intensivere Bemühungen erfordern, wobei es nicht auf die Erfolgsaussichten, sondern auf die Intensität der Stellensuche ankommt (BGE 124 V 225 E. 6 S. 234). Wenn nötig, ist auch ausserhalb des bisherigen Berufs Arbeit zu suchen (BGE 120 V 74 E. 2 S. 76). Von den elf Bewerbungen des Versicherten beschränkten sich indessen acht auf seine angestammte Tätigkeit als Druckereiarbeiter. Die im August 2005 zu 100 % ausgeübte Zwischenverdiensttätigkeit entband den Versicherten nicht von seiner Pflicht, qualitativ und quantitativ ausreichende Arbeitsbemühungen nachzuweisen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts C 351/05 vom 3. Juli 2006, E. 3.3). Nach dem Gesagten waren die Arbeitsbemühungen im Monat August 2005 qualitativ nicht rechtsgenüglich, weshalb die Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu Recht erfolgte.


    Urteil C 16/07 vom 22. Februar 2007


    https://www.bger.ch/ext/eurosp…&zoom=&type=show_document

  • Sarah_2275


    Bitte beachten sie den Einwand von Sozialversicherungsberater.


    Ich habe mich hier wohl etwas missverstaendlich ausgedrueckt.


    Es ist tatsaechlich so, dass Blindbewerbungen nicht den gleichen Stellenwert haben, wie konkrete Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen.


    Es ist aber sicher besser, wenn sie wenigstens eine entsprechend grosse Zahl von Blindbewerbungen angeben koennen, als einfach zuwenig Bewerbungen im Ganzen.


    Je nachdem, auf welchem Beruf sie suchen, kann es auch durchaus sein, dass kaum offene Stellen angeboten sind. Und es bleibt dann kaum etwas Anderes uebrig, als sich blind zu bewerben. In der Hoffnung darauf, dass man darauf zueruckkommt, wenn eine Stelle offen wird.


    Falls sie aber generell nicht genuegend (Anzahl!) Bewerbungen schreiben, muessen sie auf jeden Fall mit Einstelltagen rechnen.

  • Sozialversicherungsberater


    Im Bundesgerichtsurteil, welches sie ihrem Beitrag (vor zwei Wochen) schon zitiert haben, steht folgendes: >Soweit der Versicherte geltend macht, es seien sehr wenige Stellen ausgeschrieben gewesen, die für ihn überhaupt in Frage gekommen wären, ist dem entgegenzuhalten, dass allfällige Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt umso intensivere Bemühungen erfordern, wobei es nicht auf die Erfolgsaussichten, sondern auf die Intensität der Stellensuche ankommt<


    Ich Interpretiere den Begriff "Intensitaet" als ein Synonym zu "Anzahl von Bewerbungen".


    Weiter steht da: Wobei es nicht auf die Erfolgsaussichten ankommt.....


    Daraus folgere ich, dass eine entsprechend grosse Anzahl von, allenfalls recht aussichtslosen Blindbewerbungen, hier ausreichend belegen kann, dass man sich um Arbeit bemueht. Und so von der Kasse akzeptiert werden muss.


    Deshalb hatte ich mich auch so ausgedrueckt: Diese haben zwar weniger Aussicht auf Erfolg, die Kasse interessiert hier aber primaer die Anzahl der Bewerbungen und nicht deren Qualitaet.


    Liege ich jetzt mit meiner Aussage wirklich so falsch, wie sie es sagen?