Nebenerwerb mit ricardo, weiteres Vorgehen

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  • Guten Tag,


    Zurzeit bin ich 80% angestellt und habe folgende Frage:


    Coop Superpunkte lassen sich bekanntlich kaufen/verkaufen und in Flugmeilen beim Meilen Programm "Miles & More" der Lufthansa Gruppe umwandeln. Mit geschickter Verhandlung, Timing und Nachfrage, lassen sich so Superpunkte günstig ersteigern und teurer verkaufen und somit ein Gewinn erzielen. Wie gross dieser Ende Jahr ausfallen wird ist unklar, einen Umsatz von CHF 100'000 wird aber sicherlich nicht erreicht und somit auch keine Mwst. fällig. Dass ich den Gewinn (inkl. der ersteigerten Superpunkte) versteuern muss, ist mir bewusst. Unklar jedoch ist mir folgendes:


    1. Muss ich für Gewinn durch den Handel via ricardo Sozialbeiträge (AHV/IV etc.) entrichten (als Nebenerwerb?


    1a) falls ja, ab wie viel? Ich habe gelesen erst ab CHF 2'300.-?


    2. Gilt es abgesehen der Mwst / Steuern und Sozialleistungen weiteres zu beachten?


    3. Angenommen ich kaufe 100'000 Superpunkte zu CHF 1'000 Franken und verkaufe davon 80'000 Superpunkte wieder zu CHF 1'000 Franken. So habe ich keinen Gewinn in Schweizer Franken erzielt, jedoch einen Zuwachs in "Waren" bzw. Superpunkten. Dass diese 20'000 Superpunkte nun zu versteuern wären, ist nachvollziehbar. Wie sieht's aber mit Sozialleistungen aus? - Liessen sich diese so umgehen? Die 20'000 Punkte würden schliesslich in Meilen umgewandelt, nicht in Franken.


    Ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen und bedanke mich bereits im voraus.


    Freundliche Grüsse


    Julian

  • Unter Nebenerwerb wird, glaube ich, in der Regel eine zweite unselbständige Tätigkeit nebst der Hauptbeschäftigung verstanden; dafür gilt die Freigrenze von CHF 2‘300.-. Hier handelt es sich aber um eine selbständige Erwerbstätigkeit, wofür andere Regeln gelten. Was die Sozialbeiträge anbelangt, überlasse ich die Antwort gerne einem anderen User, der sich auf diesem Gebiet bestens auskennt. Die dritte Frage würde ich aus buchhalterischer Sicht zweiteilen:

    • Sie haben einerseits 80‘000 Punkte gekauft, haben dafür CHF 800.- bezahlt und die Punkte für CHF 1‘000.- weiterverkauft. Hier haben Sie durchaus einen Gewinn von CHF 200.- erzielt, der zu versteuern ist.
    • Sie haben andererseits 20‘000 Punkte gekauft, haben dafür CHF 200.- bezahlt und erwerben mit den Punkten Flugmeilen, für die Sie angenommen normalerweise CHF 400.- bezahlt hätten. Hier müssen Sie als Privatperson die Differenz von CHF 200.- nicht als zu versteuernden Gewinn betrachten, da Sie sich mit der Erwerb der Superpunkte lediglich einen Rabatt auf das Flugticket gesichert haben. Indirekt auswirken würde sich der finanzielle Vorteil, wenn sowohl der Kauf der Superpunkte als auch des Flugtickets in einer Geschäftsbuchhaltung abgebildet würden. In diesem Fall würde der Aufwand für Geschäftsreisen um CHF 200.- geringer ausfallen, als wenn das ganze Flugticket bar bezahlt worden wäre. Dadurch verbessert sich das Geschäftsergebnis um diesen Betrag, womit der „Gewinn“ aus dem Superpunkte-Deal indirekt doch einfliessen und sich steuerlich auswirken würde.

    In Bezug auf die Sozialbeiträge gelten die ersten 200 Franken als Einkommen. Beim Vorteil aus den 20‘000 Punkten wäre dies nur dann der Fall, wenn auch das Fliegen zur geschäftlichen Tätigkeit gehörte und sich der Superpunkte-Deal entsprechend auf das Geschäftsergebnis auswirken würde (Einkommen fällt höher aus als ohne die Superpunkte).

      • Hallo Sirio,


        Vielen Dank für die Antwort! Hierbei geht es wirklich nur um den privaten Handel/Gebrauch wie auch private Reisen. Das Hauptziel soll sein, die Superpunkte so günstig wie möglich zu erwerben und teurer zu verkaufen, so dass kein allzu grosser Gewinn in CHF rausspringt, jedoch ein wesentlicher Zuwachs an Punkten. Diese würden in Meilen umgewandelt und schliesslich für u.a. Meilenschnäppchen eingelöst.


        Angenommen ich würde bis Ende Jahr einen Umsatz von CHF 30'000.- , sowie einen Gewinn von CHF 1000.- haben und einen Zuwachs an 100'000 Superpunkten. So müsste ich für die CHF 30'000.- keine Mwst entrichten (da unter 100'000), aber die CHF 1000.- versteuern und die 100'000 Punkte zu einem Wert von ebenfalls CHF 1000.- versteuern. Sehe ich das richtig? Falls ja, dann müsste mir noch jemand beantworten, ob irgendwelche Sozialabgaben anfallen würden wenn:


        A. der Gewinn CHF 2'300.- übersteigt


        B. die erworbenen Superpunkte einen Wert von CHF 2'300.- übersteigen.


        Schliesslich stellt sich mir noch die Frage, ob der Handel so allgemein legal ist, ohne mich irgendwo als Geschäft anzumelden?


        Vielen Dank für eure Bemühungen

      • Pipefish


        Schliesslich stellt sich mir noch die Frage, ob der Handel so allgemein legal ist, ohne mich irgendwo als Geschäft anzumelden?


        Die Frage ist hier, ob du diesen Handel als Privatperson oder eben als kommerzielle Firma machst.


        Ich gebe dir folgendes Beispiel:


        Wenn ich als Privatperson eine alte Karre kaufe..... Diese schoen pflege und erhalte.... Und diese dann spaeter als Oldtimer gewinnbringend verkaufe... dann ist das ein Privatgeschaeft mit Gewinn. Diesen Gewinn muss ich allenfalls versteuern. Weil es ist ein Kapitalzuwachs.


        Firmiere ich aber als Betrieb, welcher Schrottkarren aufkauft ... diese entsprechend instand stellt und dann als Oldie verkauft... also diesen Handel kommerziell als Geschaeft betreibe.... dann muss ich eben die Bedingungen eines Geschaeftsbetriebes erfuellen.


        Wo genau die Abgrenzung zwischen Privatgeschaeft und kommerziellem Betrieb dann genau ist.... wuerde ich allenfalls zuerst mit dem Steueramt abklaren. die Geschichte mit der SVA kommt dann eher an der zweiten Stelle.


        Eine Anmeldung als Firma musst du dann machen, wenn du oeffentlich fuer diesen Handel wirbst und einen entsprechenden Umsatz/ Gewinn damit machst.


        Das als eine grobe Richtlinie zu verstehen.

      • @Pipefish


        Ich empfehle Ihnen sich die Vorschriften im AHVG, in der AHVV und in der WSN durchzulesen. Wenn Sie zu 80 % als Arbeitnehmer angestellt sind und dort einen Lohn erhalten, gelten Sie dort sozialversicherungsrechtlich wahrscheinlich als unselbständig Erwerbstätiger. Die Handelstätigkeit gilt wahrscheinlich als selbständige Erwerbstätigkeit. Das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit gemäss Artikel 8 Absatz 1 AHVG entspricht ungefähr dem Gewinn vor Abzug der Sozialversicherungsbeiträge und nicht der Umsatzerlös. Das sehen Sie, wenn Sie sich das AHVG und die AHVV durchlesen. Spätestens wenn Sie die 2'300 Franken im Jahr erreichen sollten Sie sich bei der kantonalen Sozialversicherungsanstalt (SVA)/Ausgleichskasse Ihres Kantons anmelden. Es läuft ähnlich bei den Steuern. Man erhält bereits während des Jahres vierteljährliche Akontorechnungen für die Sozialversicherungsbeiträge, welche auf einem geschätzten Einkommen (z.B. des Vorjahres) basieren. Nach dem Ende des Jahres, nach dem Einreichen der Steuererklärung mit dem Gewinn aus der selbständigen Erwerbstätigkeit und nach der Einschätzung/Veranlagung des steuerbaren Einkommens durch das Steueramt meldet das Steueramt das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit der SVA/Ausgleichskasse. Diese erstellt dann eine definitive Beitragsverfügung und es gibt dann entweder eine Nachzahlung einschliesslich happigen Verzugszinsen oder eine Rückzahlung. Wenn man also bereits während des Jahres merkt, dass der Gewinn vor Abzug der Sozialversicherungsbeiträge voraussichtlich höher sein wird als der geschätzte Gewinn gemäss der Akontorechnung sollte man bereits während dem Jahr freiwillig höhere Akontozahlungen an die SVA/Ausgleichskasse überweisen um später die Zahlung von Verzugszinsen zu vermeiden.


        Ich kenne mich mit der Plattform ricado nicht aus. Besteht ein Risiko, dass man als Käufer für den Kauf der Superpunkto dem Verkäufer bereits Geld bezahlt hat und der Verkäufer die Superpunkte dann nicht auf den Käufer überträgt? Bestehen Risiken beim späteren Verkauf, dass der Käufer nicht bezahlt?


        Für eine weitergehende Beratung im Sozialversicherungs- oder Steuerrecht oder im Bereich Buchhaltung stehe ich ohne Bezahlung eines Honorars nicht zur Verfügung.



        Art. 81Beiträge von Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit 1. Grundsatz


        1 Vom Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit wird ein Beitrag von 8,1 Prozent erhoben. Das Einkommen wird für die Berechnung des Beitrages auf die nächsten 100 Franken abgerundet. Beträgt es weniger als 56 900 Franken, aber mindestens 9500 Franken im Jahr, so vermindert sich der Beitragssatz nach einer vom Bundesrat aufzustellenden sinkenden Skala bis auf 4,35 Prozent.


        2 Beträgt das Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit 9400 Franken oder weniger im Jahr, so hat der Versicherte den Mindestbeitrag von 409 Franken im Jahr zu entrichten, es sei denn, dieser Betrag sei bereits auf seinem massgebenden Lohn entrichtet worden. In diesem Fall kann er verlangen, dass der Beitrag für die selbstständige Erwerbstätigkeit zum untersten Satz der sinkenden Skala erhoben wird.


        Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG):



        https://www.admin.ch/opc/de/cl…ation/19460217/index.html



        Art. 191Geringfügiger Nebenerwerb aus selbstständiger Erwerbstätigkeit


        Vom Einkommen aus einer nebenberuflich ausgeübten selbstständigen Erwerbstätigkeit, das 2300 Franken im Kalenderjahr nicht übersteigt, werden die Beiträge nur auf Verlangen des Versicherten erhoben.


        Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV):



        https://www.admin.ch/opc/de/cl…ation/19470240/index.html


        Randziffer 1133 der WSN:



        Hauptberuflich Unselbstständigerwerbende haben von ih-rem nebenher erzielten Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit nur persönliche Beiträge zu entrichten, wenn dieses im Jahr die Grenze gemäss Rz 1134 über-steigt (Art. 14 Abs. 6 AHVG, Art. 19 AHVV). Arbeitslo-senentschädigungen, welche die primäre beitragspflichtige Einkommensquelle einer versicherten Person darstellen, sind dem Erwerbseinkommen aus einer Haupterwerbstätig-keit gleichzusetzen. Desgleichen gilt die Führung des eige-nen Familienhaushaltes bzw. des Haushalts der eigenen eingetragenen Partnerschaft als Haupterwerb.


        Randziffer 1134 der WSN:



        Beträgt dieses Nebeneinkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit jährlich 2 300 Franken oder weniger, so ist der Beitrag nur auf Verlangen der versicherten Person zu erheben.


        Wegleitung über die Beiträge der Selbständigerwerbenden und der Nichterwerbstätigen (WSN):



        https://sozialversicherungen.admin.ch/de/d/6954/download