Sozialhilfe vs. BGE

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  • Ein Defektes System - Eine persönliche, soziale Studie, die zum schweizweiten Problemfall und nach wie vor Tabu-Thematik Sozialhilfe und das Wiederfinden von längst verlorenen Gemeinschaftswerten durch ein bedingungsloses Grundeinkommen sensibilisieren, aufklären und zu einer offenen, konstruktiven sowie objektiven Diskussion in Bezug auf ein BGE als alternative sozialwirtschaftliche Lösung anregen soll. https://youtu.be/dM4Gj71IA3c

  • slorenzomorreale


    Ich habe bereits im anderen Thread etwas deutlich gemacht, dass ich ein BGE als eine Alternative zu einen nicht mehr zukunfstauglichen Sozialsystem sehe.


    Das aktuelle Sozialsystem dient eher einem gewissen Selbstzweck, als dass es eine sozialwirtschaftlich vertraegliche Problemloesung sein kann.


    Die Mittel der Sozialaemter um Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen, scheinen nicht wirksam zu sein.


    Sonst haette die Zahl der Sozialhilfebeduerftigen in den letzten Jahren abnehmen muessen. Und eine Ueberbrueckungsrente fuer Ü60 waere auch kein Thema.

  • Ich habe es neulich geschafft, bis ca. zur Hälfte des Filmes aufmerksam zu schauen. Eindringlich, ja geradezu beschwörend wird dem Betrachter weis gemacht, wie unsozial die Sozialhilfe sei. Leider werden keine Fakten aufgetischt, sondern es wird massiv versucht, Emotionen zu wecken. Deshalb habe ich versucht, mich selber schlau zu machen anhand der Zahlen des Kantons Zürich.
    Sozialhilfe CHF 960 Franken. Dazu Miete, Zahnarzt, Arztkosten, bei Bedarf Brille, Serafe und nicht zuletzt: sogar die Steuern sind inbegriffen (https://www.handelszeitung.ch/…-2800-franken-sozialhilfe). Mit allem Drum und Dran geht man also von einem monatlichen Einkommen von CHF 2800 aus für eine Person. Versteht sich, dass sehr viele Menschen trotz Arbeit oder mit AHV nicht soviel Geld zur Verfügung haben.
    Was mich aber irritiert: Laut Initiative wird ein BGE pro Person von CHF 2000 verlangt. Wie soll der deutlich tiefere Betrag für ein anständiges Leben reichen, wenn die höhere Sozialhilfe nicht reicht? Die Frage ist umso mehr berechtigt, als die Kosten nach Einführung von BGE überhaupt nicht vorhersehbar sind. Ich denke nicht, dass jemand dann noch für das identische Gehalt wie heute putzen oder Kehricht entsorgen geht. Mitten in der Nacht aufstehen, um Brötchen backen zu gehen? Leckt mich, zwei Erwachsene mit vielleicht zwei Kindern kriegen denselben Lohn für nichts. In der Folge müssen zwangsläufig die Gehälter für bestimmte Berufe steigen, sodass in der Folge das BGE eben kein anständiges Leben zulässt. Abgesehen davon, dass für eine grosse Personengruppe, die auf Betreuung angewiesen ist, dieses Geld ohnehin nicht reicht.
    Für verhinderte Schriftsteller, Filmemacher und andere Künster mag die Versuchung gross sein, sich ein Leben auf Kosten der Gemeinschaft ohne jegliche Kontrolle oder Einschränkung einrichten zu können. Für die grosse Mehrheit, die zwangsläufig rechnen gelernt hat, geht das nicht auf.


    Nochmals kurz zum Film. Insgesamt habe ich nach den wenigen gesehenen Bewerbungsbeispielen stark den Eindruck, dass Sie sich zu gut sind für dreckige, handwerkliche Tätigkeiten. Der Herr fühlt sich also zu etwas besserem berufen... Vielleicht einfach mal den Realitäten ins Gesicht schauen, vom hohen Ross herunter kommen und ehrlich und redlich für seinen Lebensunterhalt selber aufkommen, anstatt motzen über die Gemeinschaft. Seien Sie froh, dass das Sozialamt Ihnen etwas gibt, bei mir würden Sie einen heftigen Tritt in den Arsch erhalten.

  • Max Mustermann


    Dein Beitrag zeigt, wie kontrovers das Thema ist.


    Es ist nicht das Ziel eines BGE den Sozialstaat auszubauen. Es soll das heutige System der Sozialhilfe ersetzen.


    Also auch das System der Verwaltung der Sozialhilfe verschlanken.


    Die Durchschnittsrechnung von CHF 2800.- / Sozialhilfeempfaenge/rin mag soweit richtig sein. Wirklich relevant ist aber die Zahl CHF 960.- Grundbedarf.


    Ich habe kaum Ansprueche bezueglich Luxusgueter. Doch ich muesste mich hier in meinem alltaeglichen Bedarf schon recht deutlich einschraenken. Fuer eine gewisse Dauer ja auch mal ganz okay.


    Aber langfristig waere das auch nicht wirklich "Leben" fuer mich. Und hatte sicher ein Interesse daran mehr zu haben. Also entsprechend etwas dazuzuverdienen.


    Und was mich jetzt an deinem Beitrag wirklich noch stoert, ist, dass Theoreie und Praxis abweichen.


    Du hast naemlich vergessen, dass von der Sozialhilfe die Miete nicht einfach so bezahlt wird. Hier gibt es Richtlinien, wie viel Miete der Bezueger maximal ausgeben darf.


    Bei einer Einzelperson ist hier im Kanton meines Aufenthaltsortes ein Betrag von 800.- vorgesehen.


    Im berteffenden Kanton ist es ein Lottosechser wenn man eine Kleine 1-Zimmerwohnung zu diesem Preis findet.


    Wer ueber laengeren Zeitraum also keine Wohnung zu diesem Preis finden kann, der muss seine Uebermiete aus dem Grundbedarf decken. Und dann muss man meistens den Guertel sehr eng schnallen.


    Dazu ein mir bekanntes Beispiel:


    Eine Person Ü55 ist arbeitslos geworden und ist jetzt ausgesteuert. Bezahlt fuer eine Kleine 2-Zimmerwohnung 1380.- / Monat. Und findet nichts Guenstigeres. vom Sozialamt bekommt sie 1760.- fuer Grundbedarf und Miete. Ihr bleiben 380.- fuer den Grundbedarf, inkl. ÖV. Auf den ÖV angewiesen, damit sie in die Therapie gehen kann, welches sie wegen einem koerperlichen Leiden braucht. Und deshalb auch nicht mehr im frueheren Beruf arbeiten kann. Eine Umschulung wird ihr nicht bezahlt. Weil schon zu alt.... Jetzt darf diese Person noch monatlich 12 Stellenbewerbungen beim Sozialamt einreichen, obwohl es kaum je eine Stelle im primaeren Markt gibt, welche sie dann auch bekommen wuerde. Macht diese Person das nicht, dann wird der Grundbedarf auf Nothilfe zurueckgesetzt. Und dann verhungert diese Person wohl auf die Dauer.


    Das waere dann ja wohl mal verfassungswidrig.

  • Beüglich Mieten hast Du bestimmt Recht. Wer solch hypothetische Mietpreise vorgibt, müsste eigentlch bei Bedarf verpflichtet werden, passende Objekte zur Verfügung zu stellen. Vermutlich wohnen da Politiker und Gäste drin... Idee: Bei Genossenschaftswohnungen, die gefördert werden durch die öffentliche Hand, darauf pochen, dass teilweise Sozialhilfebezüger drin wohnen. Vermutlich wird das bereits so sein. Hilft aber der grossen Masse von Sozialhilfebezügern nichts, wenn ein kleiner Teil privilegiert in Genossenschaftswohnungen günstig hausen darf...
    Leider bist Du nicht auf meinen hauptsächlichen Einwand eingegangen, wie es möglich sein soll, mit (deutlich) weniger BGE die laufenden Kosten zu begleichen, wenn das mit Sozialhilfe nicht möglich ist.

  • @marikowari


    Du hast es haar-genau auf dem Punkt gebracht. Ich habe allerdings den Einduck, dass man mit solchen Menschen wie Max, nicht vernünftig diskutieren kann. Seine Argumente sind schlichtweg inhaltslos und entsprechen keinsfalls der Realität. Nicht zu schweigen, dass seine subjektive sowie arrogante und respektlose Haltung in Bezug auf meine Person mir völlig unverständlich und inakzetabel ist. Man kann friedlich und offen Meinungen äussern, ohne gleich so asozial rüberzukommen. Ich werde dieses Subjekt jedenfalls dem Beobachter melden.

  • Haha, danke für die Bestätigung bezüglich Einschätzung. Was ich damit meine: Sie betiteln mich mit 'dieses Subjekt' und beklagen sich gleichzeitig über meine respektlose Haltung.. Im Übrigen ist meine hier zum Ausdrick gebrachte Meinung weder arrogant noch respektlos, auf jeden Fall aber subjektiv.
    Falls Sie aber ein Problem damit haben, rate ich Ihnen ganz einfach, sich um Arbeit zu bemühen, damit Sie sich Ihren Lebensunterhalt selber bestreiten können. Dann brauchen Sie sich um solche Haltungen auch nicht mehr zu kümmern. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

  • @Max Mustermann


    Fakten zur Sozialhilfe gefällig? Bei der Berechnung der Höhe der Sozialhilfe werden die Steuern und die Gebühren für Radio- und Fernsehen (Serafe) nicht zusätzlich als Ausgabe anerkannt. Sozialhilfebezüger müssen sich selbst darum kümmern, dass Ihnen die Steuerämter direkte Bundessteuer, Staatssteuer, Gemeindesteuer und Kirchensteuer erlassen werden. Es ist nicht garantiert, dass die Steuern immer erlassen werden, nur weil man Sozialhilfe bezieht. Sozialhilfebezüger müssen die Radio- und Fernsehgebühren selbst an die Serafe bezahlten und müssen dies aus dem Grundbetrag für den Lebensunterhalt finanzieren. Wer trotz Auflage Arbeitsbemühungen nachzuweisen diese nicht ausreichend nachweist, erhält eine saftige Kürzung der Sozialhilfe. Wer eine vom Sozialamt angebotene zumutbare entlöhnte Arbeit ablehnt, erhält eine Kürzung der Sozialhilfe in Höhe des Lohns, der dort verdient worden wäre.


    Sozialhilfegesetz (SHG) des Kantons Zürich:




    http://www.zhlex.zh.ch/Erlass.html?Open&Ordnr=851.1



    § 17 SHV Soziales Existenzminimum


    1 Die wirtschaftliche Hilfe trägt den persönlichen und örtlichen Verhältnissen Rechnung und gewährleistet das soziale Existenzminimum des Hilfesuchenden. Sie bemisst sich nach den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien) vom April 2005 (4. überarbeitete Ausgabe) in der ab 1. Januar 2020 geltenden Fassung (einschliesslich der ab diesem Datum geltenden Teuerungsanpassung für den Grundbedarf für den Lebensunterhalt)*. Vorbehalten bleiben begründete Abweichungen im Einzelfall.


    2 Soweit in Abs. 1 nichts anderes geregelt wird, gelangt die in den SKOS-Richtlinien vorgesehene Teuerungsanpassung nicht zur Anwendung.


    3 Die Sicherheitsdirektion erlässt Weisungen über die Anwendung der SKOS-Richtlinien.


    Verordnung zum Sozialhilfegesetz (SHV) des Kantons Zürich:



    http://www.zhlex.zh.ch/Erlass.html?Open&Ordnr=851.11


    Sozialhilfe-Behördenhandbuch des Kantonalen Sozialamts des Kantons Zürich Kapitel 7.2.03 Mietzinsrichtlinien von Sozialbehörden:



    http://www.sozialhilfe.zh.ch/Handbuch/7.2.03.%20Mietzinsrichtlinien%20von%20Sozialbehörden.aspx


    Richtlinien für die Ausgestaltung um Bemessung der Sozialhilfe der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien) gültig ab 1. Januar 2020:



    https://skos.ch/fileadmin/user…ichtlinien-komplett-d.pdf


    Sozialhilfebeziehende sind nicht von den Radio- und Fernsehgebühren der Serafe befreit, da diese bereits im Grundbetrag für den Lebensbedarf enthalten sind.



    https://www.serafe.ch/de/abgab…personen-mit-sozialhilfe/

  • Max Mustermann


    Die damalige Initiative war keineswegs ausgereift und das war vermutlich der Hauptgrund, weshalb sie bachab ging.


    Hier wurde viel zu viel mit theoretischen Zahlen politisiert. Anstatt dass man die Realitaet zuerst mal genau angeschaut haette.


    Und solange mit surrealen Vorstellungen politisiert wird, wird sich hier am politischen Status Quo kaum etwas relevant veraendern.


    Die Frage ist hier, wie lange wollen wir unsere Augen vor den Tatsachen verschliessen. Und wann fangen wir an wirklich sachlich ueber die eigentlichen Probleme zu diskutieren.


    Unser gegenwaertiges Sozialsystem, inklusive dem Gesundheitsystem ist ein Flickenteppich.


    Der war mal ganz gut tauglich. So ist es ja nicht. Frueher gab es gar keinen Teppich.


    Aber ob dies fuer die Zukunft eine Loesung sein kann ist aus meiner Sicht immer mehr fraglich.


    Deshalb sollten wir mal ganz genau hinschauen, was jetzt schon nicht mehr richtig funktioniert, und was eine echte Verbesserung waere.


    Aus meiner Sicht , waere schon mal eine Verbesserung moeglich, wenn man mal den Wasserkopf in der Verwaltung abbauen wuerde, und dann mal eine echte Kostentransparenz bekommen wuerde. Das ist gegenwaertig kaum der Fall und die Stimmbuerger wissen gar nicht wirklich, ueber was fuer Zahlen und Geld sie eigentlich abstimmen.


    Ich sagte doch bereits, dass das BGE nur ein Ersatz fuer die bestehende Sozialhilfe sein soll. Mit 2000.- fuer Grundbedarf und Miete wurde man etwas aufstocken, was dem realen Bedarf gerecht wuerde.


    KK, Steuern und ausserordentlicher Bedarf kaemen noch dazu. Zumindest bei denjenigen, welche das auch dann nicht aus eigener Leistung erarbeiten koennen.

  • @Sozialversicherungsberater


    Danke fuer die Klarstellung.

  • Max Mustermann


    Mit der Aufforderung, gehen sie doch einfach arbeiten....


    Das stehst du auch gerade mir etwas auf den falschen Fuss.


    Ich gehe sofort los, wenn ich jetzt gerade wuesste, wo man mich jetzt gerade braucht.


    Ich habe mein Leben lang gearbeitet und mir meinen Lebensunterhalt selbst verdient. Jedenfalls ueber Alles hinein gerechnet. Als mein Kind aus erster Ehe unheilbar erkrankte, war es uns nicht mehr moeglich alles selbst zu erarbeiten und wir waren auf die Hilfe des Staates angewiesen. Da etwas Bank zu spielen. Und das erwarte ich auch von einer sozialwirtschaftlichen Oekonomie.


    Hatte dem Staat zuvor noch wesentlich mehr Steuern abgeliefert, als er und dann mal etwas Kredit geben musste. Der dann auch noch zurueck zu bezahlen ist.


    Was ich nicht erwarte vom Staat, ist, dass man "wirtschaftliche Parasiten" durchfuettert. Diese gibt es. Nur die werden wir auch mit den jetztigen Mitteln nicht los.


    Durch eine Verkettung ungluecklicher Umstaende ist mir jetzt, und zuletzt gerade wegen Covid-19 jegliche Einnahmensquelle versiegt. Und da ich jetzt gerade in der Schweiz bin, habe ich die entsprechenden Lebenskosten. Aber keinen Job.


    Und jetzt sag mir mal bitte, wo ich arbeiten gehen darf. Ja! Darf!


    Mache naemlich gerade noch jeden Job, den ich machen kann.


    Da wo ich noch qualifiziert waere.... ist jeder froh, wenn er morgen noch einen Job hat.

  • So langsam kommen wir den Leistungen und Verpflichtungen auf den Grund...


    @Sozialversicherungsberater: Herzlichen Dank für die informativen Informationen. Im wesentlichen geht es darum, dass bestimmte Leistungen (Steuern, Serafe...) nicht automatisch abgezogen werden, sondern im Einzelfall geprüft werden muss. Ich finde eine solche Regelung absurd, aber die Bürokratie lässt grüssen. Auf der Homepage der Handelszeitung ist das trotzdem etwas anders geschildert. Entscheidend wird hier also sein, wie weit das Sozialamt auf solche Unterschiede aufmerksam macht.
    Ich muss aber zugeben, abgesehen von der unrealistischen Höhe der Miete finde ich die Kosten nicht so absurd.


    Zum Vergleich: Ich erhalte für eine 50%-Tätigkeit netto CHF 4100.-- Ab und an kann ich zusätzlich ca. CHF 400 verdienen, was allerdings gerade vollständig wegfällt. Zwei KK-Prämien CHF 850 (minus 100 Prämienverbilligung), Nettomiete CHF 1200, Nebenkosten CHF 400. Wohnen kostet also zuviel, ist uns andrerseits viel Wert. Tja, und dann Telefon, Serafe, halt die ganze Geschichte, die da so kommen. Ferien? Neues Notebook? Fahrrad? Absurd! Es geht uns gut, wir sind zufrieden. Belastend ist, dass wir deutlich mehr Ausgaben haben, weil wir gar nicht mehr in D einkaufen können. Das macht nämlich bis zu CHF 100/Monat, was andern Orts gespart werden muss. Ich würde also einfach mal behaupten, es ist weniger die Sozialhilfe, die fälschlicherweise völlig falsch eingeschätzt wird, sondern die finanziellen Möglichkeiten eines durchschnittlichen Schweizers.


    Ich möchte mit niemandem tauschen. Aber es darf doch auch mal gesagt werden, dass ein grosser Teil der Bevölkerung nun mal nicht auf Rosen gebetet ist. Trotzdem wird erwartet, dass verhältnismässig viel Geld in Projekte fliesst, die aus meiner Sicht zumindest hinterfragt werden dürfen.

  • Du weisst schon, dass Du nicht damit gemeint warst, mit der Aufforderung, arbeiten zu gehen. Ich habe wirklich kein Problem damit, Bedürftige zu unterstützen. Wenn ich allerdings den Eindruck habe, dass Prinzessinnen und Prinzen sich davor scheuen, auch mal eine härtere Erbse zu spüren, dann getraue ich mich schon, die Einstellung zu hinterfragen. Dass die Unterscheidung willig/unwillig komplexer ist, als hier bei meiner Argumentation, ist mir schon klar. Diesbezüglich halte ich es mit Heraklit: Das rechte Mass zu wissen ist die höchste Kunst.

  • Max Mustermann


    Ist schon in Ordnung.


    Nur ich sage hier halt einfach mal als Erstes: Mal da hinschauen, wo es systematisch nicht richtig laueft.


    Und mal diese Fehler ausmerzen, bevor wir uns den Einzelfaellen zuwenden.


    In der Technischen Produktion macht man das auch so.


    weshalb nicht in der uebrigen Wirtschaft. Ist ja echt widerspruechlich, wenn man dauernd den Gewinn optimieren will und trotzdem die systembedingten Verlustfaktoren am Leben erhaelt.


    Die Ü55-Person koennte zum Beispiel als Betreuungsperson von Demenzkranken oder auch anderen Personen durchaus auch als Freiwillige Dienste leisten, anstatt die Zeit mit sinnlos Bewerbungen zu schreiben, dann doch noch verschleudern.


    Und wenn man diesen unsinnigen Aufwand aus der Kostenrechnung streichen wuerde koennte man ihr wohl noch etwas Lohn bezahlen dafuer.


    Aber anscheinend bezahlt der Steuerzahler lieber einer seriosen Kontrollstelle auf dem Sozialamt einen hohen Lohn, um unsinnige Bewerbungen nachzupruefen.


    Ich bezahle aber lieber jemandem etwas Lohn dafuer, damit er meine herzkranke und sehr betagte Nachbarin bei schoenem Wetter noch etwas im Rollstuhl spazieren faehrt.

  • @Max Mustermann


    kleine Nebenfrage:


    Mit 4100.- fuer 50% gehoerst du nicht gerade zu den Kleinverdienern. Fuer diesen Lohn muessen Andere 100% arbeiten.

  • Das gilt für alle, welche, auf Grund ihrer Ignoranz, eine vorlaute Meinung über Sozialhilfebezüger und welche sich zudem mit dem Thema Soziahilfe oder Armut nicht im geringsten beschäftigten oder auseinander gesetzt haben: Mit meinem Youtube-Kanal generiere ich mein eigenes (bescheidenes) Einkommen. Leider noch nicht genug, um davon leben zu können. Seit 2 Jahren bin ich auch für die Gemeinde im Littering tätig. Monatlich sende ich mind. 10 Bewerbungen/Monat. Bewerbungsgespräche gab es ein paar - leider erfolglos.


    Tja. Rechtfertigen muss ich mich nur dem Staat gegenüber, bestimmt nicht gegenüber solch Asozialen, die meinen, sie wüssten es besser, als die betroffene Person selbst. Ich tue alles erdenkich mögliche, um mich in einem, für die meisten, faktisch nicht mehr existierenden Arbeitsmarkt einzugliedern. Und nun, möge man mich bezeichnen, wie man möchte. Es geht mir ehrlich gesagt, am A**** vorbei!

  • Wenn es um berechtigte oder missbräuchlige Sozialhilfe geht, egal ob am Stammtisch oder in Foren sind hitzige Diskussionen mehr oder weniger aus dem hohlen Bauch und ohne detaillierte Kenntnisse an der Tagesordnung. Deshalb mal einen herzlichen Dank an Sozialversicherungsberater für seinen Beitrag mit Fakten und Links zur Sozialhilfe, die ich bis anhin nicht kannte und interessiert konsumiert habe.


    In meinem näheren und weiteren Umfeld sind mir lediglich zwei Fälle bekannt. Eine alleinstehende Frau, geschieden, zwei erwachsene Kinder und arbeitslos und ein Rentnerehepaar ohne Kinder, bei denen im Leben einiges schief gelaufen ist und nun auf Sozialhilfe angewiesen sind. Soweit ich das beurteilen kann, kommen sie über die Runden und sind nicht verbittert oder sie zeigen es nicht. Zugegeben ihr Leben ist nicht ein Schleck und auf vieles das für andere selbstverständlich ist müssen sie verzichten. Ich weiss nicht, wie ich mich in ihrer Situation verhalten würde.


    Aber ist unser Sozial- und Gesundheitssystem wirklich so schlecht und nicht mehr zeitgemäss, wie es Betroffene und z.T. auch nicht Betroffene aus ihrer Perspektive sehen. Ich glaube nicht. Man sollte nicht immer mit den Verhältnissen in Entwicklungsländern vergleichen. Gleichwohl habe auch ich Erfahrungen gemacht, die unter die Haut gehen und meine heutige Einstellung zu diesem Thema begründen. Auf meinen Geschäftsreisen rund um die Kugel habe ich Landsleute kennen gelernt, bei denen im Land, in dem sie ihr Glück suchten, etwa alles schief lief was schief laufen konnte. Einige sind spur und lautlos einfach von der Bildfläche verschwunden. Irgendwo auf der Strasse oder im Gefängnis “krepiert”! Kein Hahn fragte nach ihnen! Weder im Gastland noch in der Heimat.


    Und dann gab es die anderen, die den letzten gebotenen Rettungsanker ergriffen, auf Kosten des immer wieder mit hartem Geschütz kritisierten Staates Schweiz in die Schweiz zurückkehrten, hier den Anschluss nicht mehr schafften und jetzt von der Sozialhilfe leben. Ein Schleck ist das nicht und für nicht Betroffene manchmal schwer nachvollziehbar. Ich bin Realist und kein Träumer, aber verglichen mit den Zuständen in anderen Staaten immer noch um einiges humaner als in vielen Ländern.


    Unser soziales Auffangnetz funktioniert nicht nur in der Schweiz sondern auch in fremden Landen wenn Landsleute un- oder selbstverschuldet in Not geraten. Und das ist gut so. Diese Steuerfranken sind richtig eingesetzt und erklären auch, warum ich immer noch stolz bin Schweizerzu sein!


    Abschliessend noch zum Film und @slorencomorrealo


    Ohne auf Details näher einzugehen, auch mir sind einzelne Sequenzen etwas sauer aufgestossen, @slorencomorrealo überschätzt sich etwas -- und meine Meinung zu einem utopischen BGE habe ich in einem anderen Thread dargelegt.


    Kobold

  • Kobold 1


    Man sollte nicht immer mit den Verhältnissen in Entwicklungsländern vergleichen.


    Ich selbst gehoere wohl zu denjenigen, die beide Seiten kennen.


    Obwohl ich bisher selbst nie auf Sozialhilfe angewiesen war. Konnte mich immer davor retten. Doch kenne ich leider genug Beispiele von solchen Menschen, die das nicht geschafft haben. Und kenne auch Beispiele von Menschen, welche es geschafft haben.


    Doch das Sozialamt und deren Bestimmungen, waren nicht diejenigen, welche ihnen dabei geholfen haben, wieder einen Einstieg zu finden. Das ist leider mein sehr nuechternes Fazit. Aus den Erfahrungen heraus, welche ich soweit miterleben konnte.


    Hier schoen zu reden, ist aus meiner Sicht nicht gerade ....


    Dennoch muss ich dir zustimmen. Denn die Schweiz ist hier immer noch viel Besser, als viele andere Laender.


    Eine Freundin von mir hat im studentischen Austauschjahr in Amerika jeweils nebenbei noch in der Gassenkueche den Obdachlosen eine Suppe eingeschenkt. Nachdem sie wieder zurueck in der Schweiz war... hat sie es weitergefuehrt. Ihr Kommentar zu den unterschiedlichen Verhaeltnissen... Das ist ja ein Pfadilager hier!


    Ich war damals noch etwas "Gruen" in diesen Dingen. Meine damit, dass ich mir nicht vorstellen konnte, wie die sozialen Verhaeltnisse in der wirtschaftlichen Supermacht waren. In der Zwischenzeit glaube ich es besser zu wissen.


    Seit ich in afrikanischen Fluechtlingslagern sehe, wie da amerikanische Entwicklungshelfer und UN- Helfer mit ihren Hummers auffahren, um die naechste Almosenlieferung zu verkuenden... waehrend im eigenen Land Menschen hungern .....


    Hast du heute im Fernsehen gesehen, was die Amis mit Obdachlosen machen? Die werden jetzt auf einem riesigen Parkfeld zusammmengezogen. Und da bekommt jetzt jeder mit Minimalabstand zum Anderen ein Parkplatz zugewiesen. Hmm? Und etwas zu Essen bekommen sie auch? Normalerweise suchen die das auf der Strasse und mit Betteln zusammen. Und jetzt werden sie geparkt. Sonst sind sie eine Gefahr fuer die Umwelt. Die Gutbuergerliche.


    Hmm? Also in meinem Lebeland in Afrika kannst du Sozialhilfe alla Schweiz ja gleich vergessen. Das existiert dort schlicht nicht.


    Nach sieben Jahren Jahrhundertduerre sind dort viele Menschen schon sehr ausgehungert. Haben nur dank der Nahrungsmittehilfe der Regierung ueberlebt. Und weil sie es teilweise auch noch zustandegebracht haben, den Erwerbsausfall aus der Landwirtschaft mit Minijobs in der Stadt etwas zu kompensieren. Und jetzt Corona und Ende mit all diesen Jobs.


    Hmm? Wer hilft mir, meiner Familie und unserem Kinderheim fuer Strassenkinder, wenn alle Stricke reissen?


    Niemand!


    Schweizer im Ausland in der Not? Hast du das mal probiert? Ich geb dir hier einen guten Rat: Versuche das unter allen Umstaenden zu vermeiden, dass du mal in eine solche Situation kommst. Sonst kommst du womoeglich noch mal etwas auf die Welt.


    Damit wiegt man sich in einer falschen Sicherheit.


    Am Tag vor dem Lockdown hatte ich die zustaendige Auslandsvertretung um Information gebeten, welches die aktuelle Situation ist, um Schweizer Buerger in die Schweiz zurueckzubringen.


    Etwas Pauschal ausgedrueckt war die Antwort: Beeilen sie sich, das selbst zu organisieren... wir koennen ihnen sonst nicht mehr helfen.


    Das ist jetzt sehr krass ausgedrueckt... entspricht einfach der Realitaet.


    Hmm? Und jetzt sitzen die da fest. Ohne Geld. Weil dort ja kein Job und auch kaum Erspartes auf Schweizer Nummernkonti.


    Hmm? Ja, da ist guter Rat teurer. Aber wie denn bezahlen?


    Vielleicht doch noch mal @Sozialversicherungsberater fragen... ob er nicht doch noch mal eine Gratisauskunft erteilt?


    Seine sachlich fundierten Auskuenfte helfen gelegentlich wirklich noch etwas weiter.


    Aber im Moment traue ich mich nicht zu fragen, ob er noch Bescheid weiss, darueber ob Auslandschweizer auch noch Sozialhilfe beantragen koennen. Obwohl es jetzt gerade einem befreundeten Paar sehr dienlich waere. Die haben jetzt schon kein Erspartes mehr, von dem sie die naechsten Monat lang noch leben koennen.

  • Sozialversicherungsberater


    (Die Komentarfunktion hakelt mal wieder).


    Bitte betrachten sie die Erwaehnung ihres Namens in meinem letzten Beitrag jetzt nicht als einen Aufruf an sie, mich mit Informationen zu versorgen. Obwohl ich das bestimmt nicht ablehnen wuerde, sondern dankend annehmen.


    Ich habe versucht mir selbst dazu Informationen zu verschaffen. Bin dabei allerdings nicht sehr weit gekommen. Das liegt wohl auch daran, dass die Situation bis vor kurzem nicht ganz so prekaer war, wie sie sich jetzt darstellt. Und ich da nicht besonders tief gegraben habe.


    Kurz etwas zur Situation des befreundeten Paares:


    Diese haben vor einigen Jahren ihr ganzes Erspartes in die Pacht einer Farm gesteckt. Und wollten die Farm etwas auf Vordermann bringen, inklusive des kleinen Campingplatzes fuer Individualtouristen, der schon vorhanden war. Sie erweiterten diesen mit einem relativ luxurioesen Tented Camp. An durchaus attraktiver Lage.


    Der anfaengliche Erfolg schien ihnen Recht zu geben. Und sie taetigten weitere Investitionen. Das war vielleicht ihr grosser Fehler. Denn sie investierten weiter, anstatt zu konsollidieren und wieder etwas Reserven anzusparen.


    Und jetzt sollte man noch etwas bedenken, dass in diesem Landstrich, die Landwirtschaft und der Tourismus einen relativ starken Zusammenhang haben. Niemand macht Ferien auf dem Bauernhof, wenn der Bauernhof gar nicht in Betrieb ist.


    Und in diesem Landstrich grassiert seit nunmehr acht Jahren die Jahrhundertduerre. Und damit Ende mit Farming aller Art! Ihre Farm war eine sogenannte Game Farm. Also mit den fuer die dortigen Verhaeltnissen angepassten heimischen Tierarten. Welche auch die Attraktion fuer die Touristen waren, nebst der schoenen Landschaft. Nur so schoen ist die Landschaft allenfalls noch fuer Touristen mit geologischer Vorliebe, welche sich wirklich gerne die Wueste ansehen.


    Hmm? so lange es noch Wasser zu pumpen gibt, wird im Heidiland sicher noch etwas vegetarisches aus dem Kraeutergaertli, den Touristen im kleinen Hofrestaurant auf den Tisch gestellt. Mit ohne dem sonst so beliebten Gamefilet.


    Und jetzt habe ich gerade Mist erzaehlt: Seit einer Woche gibt es jetzt noch Kraueterteller.... mit ohne auch nur eines einzigen Touristen, welcher sich noch dorthin verirrt hatte.


    Nun. Die Zwei haben noch Glueck im Unglueck. Ihnen wird es als Selbstversorger auf ihrem Pachtland wahrscheinlich gelingen, die naechste Zeit zu ueberleben. Ihr Betrieb als Solches eher nicht.


    Und wenn sie den Pachtzins nicht mehr bezahlen koennen... ist wohl auch Schluss mit dem Traum als Selbstversorger.


    Ich denke gerade noch an den schweizerischen Honorarkonsul im betreffenden Land. Sein zuvor immer sehr gut besetztes Gourmetlokal ist jetzt auch geschlossen. Der hat allerdings noch sonst etwas Vermoegen. Wie schnell das in der gegenwaertigen Situation an der Sonne verschmilzt .... weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass seine Farm auch etwas leer geworden ist. Jedenfalls konnte er letztes Jahr seine Gaeste auch nicht mehr mit Game aus Eigenproduktion bedienen.


    Ich moechte damit klar stellen, dass es Jeden dumm erwischen kann. Murphys Law richtet sich nicht nach dem Sozialstatus einzelner Mitglieder der Gesellschaft.


    Doch das Sozialhilfegesetz richtet hier fuer alle in Not geratenen Mitbuerger, ueber einen Kamm hinweg.


    Und diesen Kamm muessten wir wohl doch noch mal etwas hinterfragen.