Ist es möglich ein Arbeitsmittel vor der Gründung einer GmbH zu beschaffen ?

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  • Hallo zusammen
    Ich bin gerade dabei eine GmbH zu gründen und dazu benötige ich unter anderem ein Arbeitsmittel (Laptop). Leider dauert es noch einige Wochen/Monate bis wir die GmbH gründen können und nun wollte ich fragen ob es möglich wäre das Arbeitsgerät vorher zu beschaffen und dann sinnvoll ans Stammkapital anzurechnen.


    Mir ist die Möglichkeit mit dem Sachwert bekannt. Dabei würde ich jedoch gerne auf ein teures Revisionsunternehmen verzichten...
    Kennt jemand vielleicht eine sinnvolle Möglichkeit das Arbeitsgerät vorher zu beschaffen und den Wert davon dann im Stammkapital einzubeziehen ?


    Vielen Dank im voraus.

  • Nico_test04


    Es ist schon moeglich hier Sachwerte vor der Gruendung der GmbH zu beschaffen. Und danach mit Sachuebernahmevertrag in die Aktiven der Firma zu integrieren.


    Ist aber "Buchhalterisch" so recht aufwaendig.


    Ich bin mit dem neuen Aktienrecht nicht vertraut. Meines Wissens ist in einer GmbH eine Revisionstelle nicht zwingend vorgeschrieben. (Respektive Umsatzabhaengig).


    Fuer mich ist aber fraglich, ob ein Laptop ueberhaupt "Aktiviert" werden soll. Da muesste das ein recht teures Geraet sein.


    Es besteht die Moeglichkeit kleinere Auslagen vor der Gruendung in der Eroeffnungsbilanz zu beruecksichtigen.


    Besprich das doch mit einem versierten Buchhalter, welcher sich mit den gegenwaertigen Vorschriften auskennt.

  • Nico_test04


    Also wenn ich es jetzt richtig im Kopf habe, muessten Anschaffungen fuer Arbeitsgeraete, welche mehr als 1000 CHF kosten ... aktiviert und entsprechend abgeschrieben werden.


    Hier stellt sich noch eine andere Frage:


    Wenn das Arbeitsgeraet ausschliesslich dir zu Verfuegung steht, kann das buchhalterisch auch noch anders gehandhabt werden.


    Im Prinzip kannst du hier fuer dieses Geraet eine Verguetung seitens der Firma erhalten. Das bedeutet konkret, dass das persoenliche Arbeitsgeraet nicht im Besitz der Firma ist, sondern in deinem Besitz. Du aber dafuer eine Verguetung bekommst, weil du es zuerst mal aus deinem Sack bezahlt hast. Aber ohne diesem Geraet deine Arbeit nicht machen kannst.


    Besprich das doch auch mit einem versierten Buchhalter / Controller/ Treuhaender. Ich bin ueber die aktuellen Vorschriften in der Schweiz nicht ausreichend im Bilde, als dass ich dir hier verlaessliche Informationen liefern kann.


    (Ich bin seit rund 20 Jahren Auslandschweizer).

  • Du kannst Dir das Mac als Zahlung an das Kapital anrechnen lassen. Das heisst du bezahlt z.B: 18'000 ein und rechnest den Mac für 2'000 an. Das würde dann in etwa so lauten 'Bareinzahlung von Fr. 18'000 plus Sachwerte im Betrag von Fr. 2'000)


    Das muss aber sogar im HR eingetragen werden und auch durch einen schriftlichen Vertrag (GMBH Gründungsvertrag) bestätigt werden.


    Hier die Regeln für die Revision


    Eine GmbH ist zur Buchhaltung und Rechnungslegung gemäss den im Obligationenrecht (OR 957 ff.) definierten Regeln verpflichtet.


    Eine GmbH, die in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren zwei der folgenden Schwellenwerte überschreitet, unterliegt der ordentlichen Revision (OR 727:(

    • Bilanzsumme: CHF 20 Millionen
    • Umsatz: CHF 40 Millionen
    • Vollzeitstellen: 250

    Ich denke nicht, dass Du da mitmischt. Also braucht du keine Revisionsstelle oder Treuhand.



    Nur so ein PC wird innert 3 Jahren abgeschrieben. Üblicherweise werden aber sogar teurere Geräte heutzutage gar nicht mehr aktiviert, da die, sobald man die gekauft hat, schon veraltert sind.


    Die Fr. 1'000 die Marikowari hier erwähnt gelten nur als Richtlinine. Gerade bei EDV gelten diese Regeln schon lange nicht mehr.


    Also je nachdem, wie lange er schon in deinem Besitz ist, kannst Du den nicht mehr voll anrechnen lassen. Aber: wo kein Kläger ...... Bist Du alleiniger Teilhaber, liegt es ja an dir, wie hoch du den PC dann anrechnen lässt. Nicht übertreiben, sonst könnten die Steuern kommen.


    Die Idee das Gerät privat zu behalten und dann von der Firma bezahlen zu lassen, würde dir wahrscheinlich keine Steuerverwaltung akzeptieren. Du bist der Geschäftsinhaber, da geht so was nicht. Dann wäre das Buchhalterisch etwas kompliziert.


    Sacheinlage ist nach wie vor die beste und einfachste Lösung.

  • @Palm 2203


    Danke fuer die weiteren Erlaeuterungen.


    Wie gesagt, mein Wissen dazu ist etwas veraltet.


    Ich bin aber der gleichen Ansicht betreffend EDV-Geraeten. Die Abschreibung ist hier mittlerweile gnadenlos geworden. Etwas salopp ausgedrueckt... einmal gebraucht.... bestenfalls noch die Haelfte wert. (Liquidationspreis).


    Arbeitsgeraete welche ausschliesslich zur persoenlichen Verfuegung standen, aber zur Berufsausuebung unabdingbar notwendig waren, konnten frueher problemlos ueber eine Pauschale verguetet werden. Jedenfalls habe ich das so in Erinnerung. Aber behaupten will ich das jetzt nicht. Denn in meiner Firma kam das so nicht vor.

  • Nico_test04


    Ich wuerde sagen: Ja.


    Es gibt da noch eine andere Frage zu klaeren....


    Wer arbeitet denn vor der Gruendung einer Firma mit Arbeitsmitteln der Firma?


    Und wie wird diese Person denn fuer seine Arbeit bezahlt?


    Derartige Vorarbeiten fuer eine Firmengruendung, welche durch eine Mietglied der Geschaeftsleitung, oder durch eine externe Person erbracht werden, koennen in den Gruendungskosten beruecksichtigt werden.


    Fuer derartige Arbeiten wird aber nornalerweise kein neuer Laptop benoetigt. Dass ein Betrieb produktive Arbeiten vor der Gruendung ausfuehrt, ist schon etwas ungewoehnlich.

  • @Palm2203


    Es braucht für die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung eine Revisionsstelle, weil gemäss Artikel 777c Absatz 2 Ziffer 3 OR bei der Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) für die Leistung und die Prüfung der Einlagen die Vorschriften des Aktienrechts entsprechend anwendbar sind. Wie man den Titeln von Artikel 635 OR und von Artikel 635 OR und den Untertiteln unter diesen beiden Artikeln entnehmen kann, besteht die Prüfung der Einlagen aus dem a. Gründungsbericht und der b. Prüfungsbestätigung. Die Prüfungsbestätigung muss durch einen zugelassenen Revisor erfolgen.



    Achtundzwanzigster Titel:6 Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung



    Art. 777c G. Gründung / IV. Einlagen


    IV. Einlagen


    1 Bei der Gründung muss für jeden Stammanteil eine dem Ausgabebetrag entsprechende Einlage vollständig geleistet werden.


    2 Im Übrigen sind die Vorschriften des Aktienrechts entsprechend anwendbar für:

    1.
    die Angabe der Sacheinlagen, der Sachübernahmen und der besonderen Vorteile in den Statuten;
    2.
    die Eintragung von Sacheinlagen, Sachübernahmen und von besonderen Vorteilen ins Handelsregister;
    3.
    die Leistung und die Prüfung der Einlagen.


    Art. 818 C. Revisionsstelle


    C. Revisionsstelle


    1 Für die Revisionsstelle sind die Vorschriften des Aktienrechts entsprechend anwendbar.


    2 Ein Gesellschafter, der einer Nachschusspflicht unterliegt, kann eine ordentliche Revision der Jahresrechnung verlangen.



    Sechsundzwanzigster Titel:2 Die Aktiengesellschaft



    Art. 6351F. Gründung / III. Einlagen / 3. Prüfung der Einlagen / a. Gründungsbericht


    3. Prüfung der Einlagen


    a. Gründungsbericht


    Die Gründer geben in einem schriftlichen Bericht Rechenschaft über:

    1.
    die Art und den Zustand von Sacheinlagen oder Sachübernahmen und die Angemessenheit der Bewertung;
    2.
    den Bestand und die Verrechenbarkeit der Schuld;
    3.
    die Begründung und die Angemessenheit besonderer Vorteile zugunsten von Gründern oder anderen Personen.


    Art. 635a1F. Gründung / III. Einlagen / 3. Prüfung der Einlagen / b. Prüfungsbestätigung


    b. Prüfungsbestätigung


    Ein zugelassener Revisor prüft den Gründungsbericht und bestätigt schriftlich, dass dieser vollständig und richtig ist.


    Bundesgesetz über die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) (OR):



    https://www.admin.ch/opc/de/cl…ation/19110009/index.html


    Muster des Handelsregisteramts des Kantons Zürich für eine Prüfungsbestätigung der Revisionsstelle welche die Gründung einer GmbH prüft:



    https://hra.zh.ch/dam/justiz_i…bestaetigung-beispiel.pdf

  • Es geht darum das ich bei einer Firma angestellt bin und dieses Start up nebenbei führe - somit würde ich gerne Konzepte, Mockups usw.. auf einem anderen Arbeitsgerät erarbeiten (nicht auf meinem Firmenlaptop).

  • Mir ist es auch aus rechtlichen Gründen nicht erlaubt, denn grundsätzlich gilt, dass alles was auf diesem Gerät entwickelt wird gehört der Firma, bei der ich angestellt bin. So wurde mir das zumindest einmal mitgeteilt

  • Uns stellt sich noch eine andere Frage bezüglich der Gründung.


    Ist es noch möglich ein Auto nach Eurotax Ankaufspreis als Geschäftswagen in das Stammkapital einzubinden ? (wäre wieder ein Sachwert)


    Oder wie sieht das bei Autos aus ?

    Ich bedanke mich wieder im voraus :)

  • Nico_test04


    Ja. Auch ein Auto kann als Sachwert in die GmbH uebernommen werden.


    Aber beachte, dass @Sozialversicherungsberater recht hat, wenn er einwendet, dass der Wert von Sacheinlagen von einem unabhaengigen und zugelassenen Revisor geprueft werden muss. Und dieser uebernimmt wahrscheinlich nicht einfach den Eurotaxwert. Er wird wohl wissen wollen, was das Auto real fuer einen Marktwert hat. Dieser kann stark vom Eurotaxwert abweichen.

  • Nico_test04


    Ich kann dir helfen, auch gratis.


    Du kaufst das Gerät, buchst es ein über dein Kontokorrent bei der Gesellschaft. Bei solchen kleinen Beträgen gibt‘s gemäss persönlicher Erfahrung kein Theater. Es ist den Behörden auch klar, dass du arbeiten musst und nicht warten kannst bis alles Administrative durch ist.


    Die Revisionsstelle würde da auch nicht gross meckern. Ausserdem wärst du keiner ordentlichen Revision unterstellt, da du erstmal noch nicht so viele Mitarbeiter hast! Bei einer eingeschränkten Revision wird es sehr wahrscheinlich nicht ,,wesentlich“ sein.


    Ob du eine Revisionsstelle überhaupt benötigst, hängt von der Anzahl Vollzeitstellen ab und vom Umsatz. Kleinbetriebe verzichten i.d.R. Das ist das sogenannte ,,Opting out“. Du kannst dich aber auch freiwillig unterstellen, das wäre dann das ,.Opting in“. Das ist aber nur ,,interessant“, wenn du nach Aussen ,,gut“ dastehen willst wie z.B. wenn du mit deiner Firma an die Börse gehst.

  • Vielen Dank :) Ja ich werde noch ziemlich Zeit investieren um mich vernünftig zu informieren, dann wird das wohl schon klappen.

  • Ich schätze jede Hilfe sehr - ist heute nicht mehr selbstverständlich. Ich bin eigentlich der Meinung, dass so ein Forum genau dazu dienen soll Tipps und Informationen zu teilen (auch bei solchen Fragen).