Einmal Obdachlos .. immer Obdachlos?

Übersicht der Foren

Zur Liste der Foren gelangen Sie hier: Foren

Möchten Sie einen neuen Beitrag erstellen, wählen Sie bitte ein Forum aus der Foren-Liste und klicken sie auf die Schaltfläche "Neues Thema" oben auf der rechten Seite.

  • Wenn eine Person, aus welchen Gruenden auch immer, einmal obdachlos geworden ist.....


    Welche Wege fuehren aus dieser Situation wieder heraus?


    Welche Angebote leistet die "Soziale Gesellschaft". Und was muss eine obdachlose Person auch selbst tun, um diese Angebote auch zu nutzen.

  • Wer einmal wieder richtig angemeldet ist, und eine richtige Adresse hat, mit Zimmer, Bett und fliessendem Wasser, hat eher die Chance, von dort aus eine weitere Wohnmöglichkeit zu suchen.

    • Darum hilft es, wenn eine obdachlose Person, für diesen ersten Schritt, eine Bereitschaft aufbringen kann, sich mit wenig "Dach überm Kopf" zufrieden zu stellen, d.h. klein anfangen. Und wenn sie auch noch in der Lage ist, etwas dafür zu leisten, dann besteht die Hoffnung.
    • Grundsätzlich gilt, je mehr Unterlagen die obdachlose Person zusammentragen kann, die ihr in einem seriösen Licht zeigen, desto besser. Hier hilft natürlich einen Einkommen, sofern vorhanden, und/oder schriftliche Referenzen.
    • Zudem: je besser die Person aktuelle und frühere Beziehungen wieder beleben und pflegen können, desto eher kennt jemand jemanden, der/die helfen würde.
    • Bei weitem nicht alle Obdachlosen sind auch arbeitslos, bei weitem nicht alle sind suchtkrank oder verwahrlost. Dennoch lohnt es sich einen kritischen Blick auf sich selbst zu werfen und, falls, aus welchen Gründen auch immer, die Körperpflege vernachlässigt wurde, diese nachzuholen, z.B. mit einem Eintritt ins Hallenbad bei sehr gründlicher Dusche dort, oder in einer Dusche am Bahnhof oder Flughafen, die Zeit zu nehmen, seine Haut, sein Aussehen, gut zu pflegen. Eventuell einen Haarschnitt und Rasur. Dann auch saubere, ganze Kleider und Schuhe (vom Brocki, falls nötig) anzuziehen, bevor die Bewerbungsgespräch um einen Unterkunft.
    1. Hier ist der Verein Domicil, die Hilft, Personen die sonst nur schwierig zu einer Wohnung kommen könnte, zu vermitteln. Sie treten in Verhandlungen mit unterschiedlichen Vermieter ein, und setzen sich für das Hausfrieden ein. https://domicilwohnen.ch/domicil
    2. Einen weiteren Weg aus der Obdachlosigkeit ist mit einem WG-Zimmer zu beginnen. Dort entscheiden schliesslich die Mitbewohner, und nicht eine Firma, als Vermieter. In den Uni-Städte ist die Konkurrenz zwar gross, aber da gilt, wie bei Wohnungen ganz allgemein: je weiter ausserhalb der Städte, desto leichter ist ein Platz zu finden.
    3. Eine WG oder Zimmer-Untermiete kann auch etwas künstlich entstehen, auf der Bitte, als Gefallen, eines Freundes, einer Verwandte. Wenn das als Gefallen ist, können die Rahmenbedingungen bescheiden sein, z.B. Platz in einem Kasten und Schlafen auf dem Sofa.
    4. Ein weiterer Weg ist eine Arbeit zu suchen, die mit Wohnen zusammen verknüpft ist. Oft sind das, saisonal, Stellen in der Landwirtschaft. Oder in der Altersbetreuung. Oder auf der Baustelle.
    5. Für Personen, die nicht nur vom Wohnmarkt sondern auch länger vom Arbeitsmarkt weg gewesen sind, hat es manche Bauernhöfe die ausdrücklich ihren Mitarbeiter eine gewisse soziale Komponente bieten.
    6. Je nachdem, ob auch gesundheitliche Probleme, evtl. psychischer Natur, vorhanden sind, hat es auch Pflegefamilien für Erwachsene. Diese werden manchmal von Sozialdienste von psychiatrischen Kliniken vermittelt.
    7. Falls die Person gesund genug ist, für sich selber zu sorgen, und einen kleinen Einkommen (womöglich Rente oder vom Sozialamt) hat, kann es eine Lösung sein, ganz weit Weg auf dem Lande zu gehen, wo es eher möglich ist, einen Teil einer unbewohnte ländliche Gebäude zu mieten. Das bringt eine etwas härtere Leben, mit weniger bequemen Zugang zu Läden, usw., aber dafür eine niedrige Miete.
    8. Die Suche, auch in den Städten, nach befristete Wohnungen und befristete Untermiete ist auch vielleicht eine Lösung. Die Vermieter können eher etwas riskieren, und/oder sind eher froh um Mieter überhaupt, da sie wissen, dass das Haus z.B. in einem Jahr abgerissen wird, oder sie nach 6 Monate wieder selber einziehen.

    Was auch immer die Person findet, ist es am Besten einen richtigen Vertrag aufzusetzen, mit Mietbetrag. Das ist hilfreich, bezüglich Gelder vom Sozialamt, falls eine Berechtigung besteht, und viel mehr für die folgende Antrag auf einer nächsten Wohnung.


    Und dann penibel pünktlich zahlen, und alle Hausregeln einhalten, damit der Vermieter die Abmachung ja nicht frühzeitig abbrechen will, und für den nächsten Umzug ein guter Referenz schreibt.


  • Danke!


    Ich habe vor Jahren mal eine glückliche Geschichte gelesen, von einem Mieter, der dank Vermittlung einen sehr bescheidenes Kämmerlein bewohnen durfte. Dankbar, dass der Vermieter ihm die Chance gegeben hat, begann er um das Haus die Papierzettel und Zigaretten vom Boden aufzulesen und wegzuwerfen, später kleinere Reparaturen zu machen, stets die Haustüre zu waschen und beim Eingang zu wischen, an einer brachliegende Stelle vom Samen aufgezogene einheimische Blumen zu pflanzen, die anderen Mietende mit ihren Einkäufe zu helfen... und so sehr für eine gute Stimmung gesorgt hat, dass der Vermieter ihm zur gleichhohen Miete eine bessere Wohnung in einer anderen Siedlung angeboten hat, damit er dort bitte auch alles wieder hübsch gestalten könne, und die Stimmung friedlicher.

  • nachdenkerin


    Wer einmal wieder richtig angemeldet ist, und eine richtige Adresse hat,....


    Das ist genau der Knackpunkt in meiner Frage.


    Was genau ist dann, wenn man das nicht hat? Wie bekommt man eine Domiziladresse? Von der aus man sich wieder weiter etablieren koennte?


    Der Verein "Gassenpeter" ist bereit eine Domziladresse zu gewaehren, wenn man zuvor zwei Jahre in der Stadt "wohnhaft" gewesen ist. Was ist, wenn man das nie war, aber in der betreffenden Szadt gestrandet und obdachlos, erwerbslos ist?


    Wie soll man eine Erwerbstaetigleit finden koennen, wenn man eigentlich gar nicht existiert?


    Wie kann man sich in der Stadt ueberhaupt offiziell anmelden, wenn man keinen Mietvertrag hat? Wie kann man sich noch irgendwie anstellen lassen, wenn man kein Domizil hat? Wie bekommt man eine offizielle Anstellung ohne Domizil?


    Ohne Domizil keine offizielle Anstellung. Ohne offizielle Anstellung kein Mietvertrag. Ohne Mietvertrag keine offizielle Anmeldung. Ohne Anmeldung kein Zugang zu Sozialleistungen.


    Das Sozialsystem wird hier zur Farce.

  • @nachdenkerin-1


    Ich habe in diesem Forum mal die Geschichte des Barons von Rapperswil etwas umschrieben.


    Eine Person aus reichem Hause.


    Diese Person hat genau das getan, was das Sozialsystem zuvor nicht zustande brachte. Er sorgte dafuer, dass eine gestrandete Person einen ersten Schritt machen konnte. In dem er die Moeglichkeit schuf, dass diese Person den Schritt macht.


    Er hatte aber nur die Moeglichkeit geschaffen. Die Person musste dann selber laufen.

  • Gemeinden müssen einen Obdachlosen erfassen. Der Obdachlose muss sich bei der Gemeinde als Obdachlos melden wo er zuletzt offiziell eine Meldeadresse hatte. Die Gemeinde ist verpflichtet ihn anzumelden, auch ohne Mietvertrag. Das Sozialamt ist dann ebenfalls verpflichtet zu unterstützen falls er keiner Arbeit nachgeht oder sein Einkommen das Existenzminimum nicht deckt. Für Obdachlose wird dann anstatt Miete eben die Notschlafstelle oder ein preisgünstiges Hotel bezahlt, soweit ich sogar weiss kann man auf ein Hotel bestehen wenn das Hotel einen Monatspreis anbietet (das gibts durchaus, hat meine Mutter mehreremale gemacht), das ist dann wie eine Miete einer Wohnung und wird durch das Sozialamt bezahlt. Einfach achten das es im Bereich liegt der übernommen wird.


    Die Gemeinde wird einen Obdachlosen ohne Wohnadresse in einen "Sammelhaushalt" erfassen, so das er dort offiziell gemeldet ist. Da dies sehr selten der Fall ist und Obdachlisigkeit eher ein Tabu ist, kann es sein das dies bei der 20 jährigen Lehrtochter am Einwohneramt Schalter nicht klappt, am besten direkt ein Termin mit dem Leiter des Einwohneramtes machen.


    Viel Glück!


    PS: ein obdachloser Freund, hat durch ein Facebook Gesuch innert 1 Woche ein kleines Studio bekommen, Vertrauensvorschuss eben, konnte sich anmelden und erhält nun Sozialhilfe und wird am Sommer 2021 eine Lehre als FaGe beginnen, da er keine Erstausbildung hat wird dies durchs Sozialamg unterstützt.

  • Die Frage ist ja auch ob jemand obdachlos ist, weil er keinen festen Wohnsitz will oder ob er obdachlos ist eil er ihn verloren hat. Ich habe einen guten mittellosen Freund, seit rund 10 Jahren ausgesteuert, um die 55 Jahre alt. Er war früher hier beruflich erfolgreich, hat dann den Fehler gemacht auszusteigen, Über 10 Jahre im Ausland in einem Hotel gearbeitet aber ohne offizielle Papiere etc.


    Seit er zurück ist keine Chance auf einen Job, ausser extreme Drecksjobs wie Asbestsanierer, was er aber aufgrund seines Gesundheitszustandes nicht mehr machen kann. Ihm wurde eine Sozialwohnung zugewiesen und er schickt monatlich die Hälfte seiner Sozialhilfe seiner Freundin. Heisst er hat eigentlich nichts oder weniger als nichts, aber trotzdem eine einigermassen anständige Wohnung.