trotz Arbeit arm

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  • Hallo allerseits, ich fasse mich kurz. Ich bin 38 Jahre alt, ledig, kinderlos und beziehe seit 6 Monaten Sozialhilfe. Ich habe meine Ausbildung im Detailhandel abgeschlossen und später noch das KV. Jetzt hatte ich ein Vorstellungsgespräch gehabt, sie sagten mir, dass ich einen guten Eindruck hinterlassen habe. Es handelt sich um eine 60% Anstellung, bei der ich flexibel sein muss. In zwei bis drei Jahren würde man das Pensum auf 100% erhöhen. Mein Problem ist, das ich mit 60% keinen Zweitjob annehmen kann, weder mir meine Wohnung leisten kann und ich genau so viel kriege wie aktuell vom Sozialamt .Um ehrlich zu sein habe ich angst, da ich auch keine Kinder habe und keine planen kann, wie auch mit 60%. Abgesehen davon, wollte ich nicht mit über 40ig mein erstes Kind kriegen! Auch wohne ich alleine und bin gezwungen 100% zu arbeiten. Wenn ich vom 60% Nettolohn alles abziehe, habe ich fast gleich wie aktuell den Grundbedarf von Chf 970.00. Und dann kommen noch die KK Leistungsabrechnung, Steuern, Arbeitsweg, Handyrechnung, Lebensmittel die ich mit den CHF 970.00 zahlen müsste. Statt das eine Besserung in Sicht ist, wird alles schlimmer. Bin seit vier Monaten auf Wohnungssuche, meine Wohnung kostet CHF 1300.00 und etwas günstigeres zu finden ist sowas von nicht einfach, schon gar nicht als Sozialhilfebezüger. Des weiteren muss ich mein geliebtes Auto nach 16 Jahren aufgeben, da ich mir es einfach nicht mehr leisten kann. Von Ferien fange ich nicht an zu sprechen, die hätte ich bitter nötig da mein letzter Urlaub über 10 Jahre her ist. Ich weiss echt nicht, was ich machen soll.

  • Ich würde diesen neuen Job nicht annehmen. Faktisch verdienst Du zuwenig, um Deine Situation nachhaltig verbessern zu können, im Gegenteil. Und das Versprechen, dass Du in einigen Jahren zu 100% angestellt wirst, ist nichts wert. Gerade in diesen bewegten Zeiten ist es schwer, mittel- bis sogar langfristig zu planen. Also, so mühsam das scheinen mag, würde ich bei der Sozialhilfe bleiben.


    Als erstes würde ich die verschiedenen Baustellen trennen: Wohnung, Arbeit, Beziehung mit vielleicht Kind.
    Kinderwunsch lässt sich vermutlich nicht trennen von der Art Deiner Beziehung. Wenn Du diese aber gleichzeitig koppelst an die wirtschaftlichen Verhältnisse, sieht es realistischerweise nicht optimistisch aus. Einerseits sind Kinder ein Armutsrisiko, andrerseits bist Du eine gute Mutter unabhängig von Deiner wirtschaftlichen Situation. Wenn Du den Eindruck hast, mit diesen bescheidenen Verhältnissen keine Beziehung eingehen zu können, so hast Du später vielleicht den Eindruck, dass Du nur angenommen wirst, weil es Dir finanziell besser geht.
    Wohnung: Je nach Ort tatsächlich nicht einfach. Man braucht Glück und vor allem ein gutes Beziehungsnetz für schöne, preisgünstige Wohnungen. Natürlich gehen diese in der Regel unter der Hand weg. Es kann sich lohnen, Kolleginnen und Kollegen darüber zu unterrichten, dass Du auf der Suche nach einer preisgünstigen Wohnung bist. Die Leute werden Dich gerne unterstützen.
    Jobsuche: Menschen lernen in Arbeitslosenkursen und wo auch immer, tolle Lebensläufe zu schreiben. Wenn man diese Lebensläufe kritisch betrachtet, sehen die in aller Regel schlecht aus. Hast Du die Möglichkeit, Deine Unterlagen von ehrlicher, unabhängiger, kompetenter Stelle durchschauen zu lassen? Wenn Du magst, kannst Du mir den Lebenslauf - natürlich in anonymisierter Form - gerne zukommen lassen, um meine Meinung zu hören. Eine Fake-Emailadresse ist schnell eingerichtet, Name/Foto schnell unkenntnlich gemacht.

  • rote_Zora


    Ich rate Ihnen diese 60-Prozentstelle nicht abzulehen, falls man Ihnen diese 60-Prozentstelle anbietet. Wenn Sie Sozialhilfe beziehen wird Ihnen die Sozialhilfe über einen längeren Zeitraum gekürzt, wenn Sie eine gesundheitlich zumutbare Arbeitsstelle ablehnen. Die Höhe der Sozialhilfe entspricht der Differenz zwischen den bei der Berechnung der Sozialhilfe anerkannten Ausgaben und den bei der Berechnung der Sozialhilfe anrechenbaren Einnahmen. Bei der Berechnung der Höhe der Sozialhilfe wird nicht das gesamte Nettoerwerbseinkommen als Einnahme angerechnet, sondern Ihnen ein Einkommensfreibetrag gewährt, der nicht als Einnahme angerechnet wird und nicht die Höhe der Sozialhilfe kürzt. Darüber hinaus werden bei der Berechnung der Höhe der Sozialhilfe die Berufsauslagen (zusätzliche Kosten für die Fahrt von zu Hause in die Arbeit und nach Hause und zusätzliche Kosten für auswärtiges Mittagessen, etc.) vom Einkommen abgezogen oder als Ausgabe anerkannt. In vielen Kantonen zahlt man bei einem geringen Einkommen keine oder recht tiefe Steuern und kann einen Antrag auf Erlass der Steuern einreichen, wenn die Steuern nicht mit der Differenz zwischen dem tatsächlichen Einkommen (einschliesslich der Sozialhilfe) und dem betreibungsrechtlichen Existenzminimum in Raten über einen bestimmten Zeitraum bezahlt werden kann). Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Sie mit dieser Stelle insgesamt genau gleich viel bekommen wie jetzt vom Sozialamt. Wenn es keine Arbeit auf Abruf ist, sondern die 60 Prozent an drei fixen Tagen pro Woche sind, ist es möglich auch eine zweite Arbeitsstelle zu finden, an welcher man 40 Prozent an den anderen beiden Tagen arbeiten kann. Abgesehen davon, können Sie sich während Sie bei der 60-Prozentstelle arbeiten weiterhin um 100-Prozentstellen bewerben und finden vielleicht später eine 100-Prozentstelle. Pessimistisch sein hilft nicht.

  • @Mustermann

    A.5.2 Pflichten

    Minderung der Bedürftigkeit (zumutbare Selbsthilfe)
    Wer Sozialhilfe bezieht, hat nach seinen Kräften zur Verminderung und Behebung der Notlage beizutragen. Der Minderung der Bedürftigkeit dienen insbesondere

    • Suche und Aufnahme einer zumutbaren Erwerbstätigkeit
      Zumutbar ist eine Arbeit, die dem Alter, dem Gesundheitszustand und den persönlichen Verhältnissen der bedürftigen Person angemessen ist. Der zumutbaren Erwerbstätigkeit gleichzusetzen ist die Teilnahme an einem von den Sozialhilfeorganen anerkannten lohnwirksamen Beschäftigungsprogramm des zweiten Arbeitsmarktes, mit dem der eigene Unterhalt zumindest teilweise gedeckt werden kann. Bei der Arbeitssuche kann verlangt werden, dass nicht nur im angestammten Beruf, sondern in weiteren Erwerbsfeldern nach Arbeit gesucht wird.

    https://richtlinien.skos.ch/a-…r-personen/a52-pflichten/

    A.8 Auflagen, Leistungskürzung und Leistungseinstellung

    Bei Nichteinhaltung von Auflagen und gesetzlichen Pflichten ist eine angemessene Leistungskürzung zu prüfen (vgl. Kapitel A.8.2).


    https://richtlinien.skos.ch/a-…und-leistungseinstellung/

    E.1.2 Einkommens­-Freibeträge EFB für Erwerbstätige

    Kantone und/oder Gemeinden legen die Einkommens-Freibeträge (EFB) in Abhängigkeit vom Beschäftigungsumfang und/oder von der Lohnhöhe fest. Dabei sollen sie insbesondere die Auswirkungen der kantonalen Steuergesetzgebung auf niedrige Einkommen mit berücksichtigen. Für Jugendliche und junge Erwachsene bis zum vollendeten 25. Lebensjahr können besondere Regelungen getroffen werden.


    Mit dem Einkommens-Freibetrag (EFB) wird primär das Ziel verfolgt, die Erwerbsaufnahme oder die Erhöhung des Arbeitspensums zu erleichtern und damit die Integrationschancen zu verbessern. So soll ein Anreiz zur möglichst umfassenden und einträglichen Erwerbstätigkeit von Unterstützten geschaffen werden, wodurch dauerhaft finanzielle Leistungen der Sozialhilfe eingespart werden können.


    Praktika oder die Teilnahme an Integrations- oder Beschäftigungsprogrammen gelten nicht als Erwerbstätigkeit im Sinne der Einkommens-Freibeträge (EFB). Die entsprechenden Leistungen werden deshalb mit Integrationszulagen (vgl. Kapitel C.2) honoriert. Die Behandlung von Lehrlingslöhnen kann besonders geregelt werden.


    Die Anspruchsberechtigung muss mindestens ein Mal jährlich überprüft werden. Den Kantonen wird empfohlen, den Übergang von materiellen Sozialhilfeleistungen zur wirtschaftlichen Selbständigkeit von Betroffenen derart zu gestalten, dass sich deren verfügbares Einkommen dadurch möglichst nicht verändert. Haushalte ohne Sozialhilfe sollen nicht schlechter gestellt sein als erwerbstätige Haushalte mit Sozialhilfe. Um dies zu erreichen und damit den Arbeitsanreiz zu erhalten, kann der Einkommensfreibetrag sowohl bei der Eintritts- als auch bei der Austrittsberechnung einbezogen werden.


    Die zuständigen Sozialhilfeorgane bestimmen die Obergrenze der kumulierten Einkommens-Freibeträge und Integrationszulagen (IZU); diese beträgt mindestens 850 Franken pro Haushalt und Monat.


    Die gewährten Freibeträge sollen im Unterstützungsbudget aufgeführt werden, um Transparenz zu gewährleisten.


    https://richtlinien.skos.ch/e-…-efb-fuer-erwerbstaetige/

    C.1.1 Erwerb und Integration

    In der Bedarfsrechnung sind die effektiven Zusatzkosten für Erwerb und Integration vollumfänglich zu berücksichtigen, sofern diese das Erreichen der individuellen Ziele im Rahmen der Sozialhilfe unterstützen. Diese Kosten dürfen nicht mit Integrationszulagen (vgl. Kapitel C.2) oder Einkommens-Freibeträgen (vgl. Kapitel E.1.2) verrechnet werden.


    Bei der Anrechnung der Kosten ist zu beachten, dass gewisse Kostenanteile (z.B. öffentliche Verkehrsmittel im Ortsnetz oder Nahrungsmittel und Getränke) bereits im Grundbedarf berücksichtigt sind (vgl. Kapitel B.2.1); deshalb ist nur die Differenz zu gewähren. Für die Mehrkosten auswärts eingenommener Hauptmahlzeiten gilt allgemein ein Ansatz von 8–10 Franken pro Mahlzeit.


    https://richtlinien.skos.ch/c-…1-erwerb-und-integration/

  • @Mustermann


    Ich könnte Ihnen auch ein Urteil eines kantonalen Verwaltungsgerichts herunterbeten, in dem entschieden wurde, dass es zulässig war bei der Berechnung der Höhe der Sozialhilfe den Lohn einer konkret angebotenen aber von der sozialhilfebeziehenden Person abgelehnten Stelle als Einnahme anzurechnen und dadurch die Sozialhilfe bis auf die Höhe von Nothilfe herunterzukürzen. Ich habe dieses Urteil so weit ich mich erinnern kann bereits einmal bei der Beantwortung einer Frage angegeben. Ich habe meine Antwort bewusst und ausdrücklich auf die anscheinend noch nicht eingetretene Situation beschränkt "falls man Ihnen diese 60-Prozentstelle anbietet.", denn ein Vorstellungsgespräch ist in der Regel noch kein ausreichend detailliertes mündliches konkretes Angebot für einen Arbeitsvertrag.

  • Hallo, leben Sie in der Schweiz oder in Deutschland? Ich lebe in letzterem, und die Armutsrate steigt dramatisch an, besonders nach dem Coronavirus. Ich war vor 10 Jahren in Genf und hatte den Eindruck, dass die Schweiz ein wirklich reiches Land ist. Wenn das nicht der Fall ist, tut mir das wirklich leid. Vielleicht finden Sie einen neuen Job mit jobs amberg wie ich es einmal getan habe, als meine Steuern mein Familienbudget ruinierten. Mir wurde auch klar, dass ich zu viele Kredite aufgenommen hatte. Also habe ich den Job gefunden, alle Kredite losgeworden und jetzt atmen wir frei.

  • Hallo


    Für mich ist die Sache ganz klar, den Job unbedingt annehmen und dran bleiben. Auch wenn es finanziell gegenüber den Sozialhilfegeldern nicht attraktiv ist. Der gross Unterschied ist aber sie arbeiten, haben einen mehr oder minder geregelten Tagesablauf und auf em Arbeitsmarkt die besseren Chancen.


    Zeigen Sie dem Arbeitgeber, dass Sie etwas Wert sind und schaffen Sie gute Argumente für eine rasche Aufstockung auf 80/100%. Niemand verbietet ihnen parallel nach einer neuen Herausforderung zu suchen. Da haben Sie in ungekündigter Anstellung allemal bessere Karten als vom Sozialamt.


    Da Sie ja "nur" 60% arbeiten und mehr Freizeit hätten, versuchen Sie nach der Probezeit ihren AG dazu zu bringen Ihnen eine Weiterbildung mitzufinanzieren. Dies kann so ausschauen, dass er Ihnen diese oder einen teil davon bezahlt und Sie sich im Gegenzug verpflichten.


    Und wie andere bereits empfohlen haben, alle Ausgaben nochmals genau zu betrachten und zu hinterfragen. Wo kann noch gespart werden ohne dass auf Ballzuviel verzichtet werden muss.


    Der Weg kann manchmal hart sein, aber es lohnt sich und Sie sehen ein Licht in der nicht mehr so weitern Ferne !

  • @Peter_69


    Schliesse mich ihrer Sichtweise grundsätzlich an.


    Die hier wirklichen Probleme sind etwas systematisch bedingt. Es wird Zeit das zu ändern.

  • rote_Zora


    Der Thread ist rund drei Monate alt. Was hat sich in der Zwischenzeit geändert? Haben sie den Job bekommen?


    Ich bin keineswegs der Ansicht, was der Forist Mustermann geschrieben hat. Auch wenn Teile seiner Antwort noch Sinn machen.


    Meinerseits würde ich in ihrer Situation einfach mal jeden Job annehmen, den ich irgendwie machen kann. Auch wenn das finanziell dann keine Besserung bringt.


    Welche Konsequenzen eine Ablehnung hätte, hat Sozialversicher bereits aufgezeigt. Das muss ich nicht wiederholen. Aber hier geht es auch um etwas Anderes. Nämlich das Selbstwertgefühl.


    Je schneller sie wieder Fuss fassen können im "Arbeitsprozess", desto besser für sie. Auch wenn das nicht ihr Traumjob ist. Aber besser als gar keiner, wird er vermutlich sein.


    Menschen die Langzeitarbeitslos sind, fallen früher oder später einmal psychisch in ein Loch. Das brauchen sie nicht auch noch. Und leider zeigt die Erfahrung, dass insbesondere Langzeitarbeitslose immer kleinere Chancen haben, sich wieder im Arbeitsmarkt zu integrieren. Irgendwann wird die Sozialfallkarriere zum Programm. Und je älter sie werden, desto schwieriger ist es einen Ausstieg aus diesem Programm zu finden. Das ist systembedingt.


    (Das wollte ich noch andeuten im Kommentar zum Beitrag von Peter_69).


    In ihrem Leben gibt es offenbar mehrere Baustellen. Die sind zwar etwas verknüpft miteinander. Doch sollten sie hier die Prioritäten setzen. Und mir scheint es das Wichtigste zu sein, einen Job zu haben. Etwas in Anlehnung an das Motto: Arbeit ist die beste Therapie. Das nicht unbedingt nur wegen der Arbeit als Solches. Die kann zwar auch "stützend" wirken. Es geht dabei auch noch darum, einen sozialen Anschluss zu finden, oder zu erhalten.


    Es zeigt sich leider, dass Langzeitarbeitslose (Sozialhilfeempfänger*Innen) auf die Dauer immer mehr die sozialen Kontakte verlieren. Dies damit verbunden, dass sie sich soziale Kontakte im Umfeld der reichen Schweiz ... immer weniger noch leisten können. Denn in der "reichen" Schweiz ist sozialer Kontakt immer irgendwie mit Geld verbunden. Und als Sozialhilfebedürftige/r ist es genug um zu überleben, aber nie genug, um zu Leben. Zumindest in dem allermeisten Fällen. (Es gibt seltene Ausnahmen).


    Ein andere Baustelle ist ihr Privatleben. Von der Logik her muss ich sagen, dass sie ihren Kinderwunsch mal "auf Eis legen" sollten.


    Das ist natürlich super einfach für einen Mann (Ich), so etwas zu sagen. Denn Männer haben hier nicht unbedingt den gleichen Drang wie Frauen. Doch mit annäherend gegen vierzig ist es wohl auch keine Traumkarriere noch "alleinerziehende Mutter" zu werden, welche finanziell von der Sozialhilfe abhängig ist.


    Wenn sie keine stabile Partnerschaft mit einem "Vater" haben, der hier voll und ganz mithilft... dann lassen sie das besser bleiben. Es gibt genug Kinder die etwas "elternlos" aufwachsen müssen.


    Und stabil muss hier keineswegs heissen, dass man verheiratet ist. Ein befreundetes Paar lebt ein anderes Modell. Trotzdem haben ihre Kinder ein "Elternpaar".


    Ich habe hier nun ein paar eigene Gedanken zu ihrer Situation geäussert. Ich hoffe, dass sie daraus ein paar Anregungen gewinnen können.