Ab wann muss ich mit der Stellensuche beginnen, um beim RAV nicht wegen ungenügender Arbeitsbemühungen mit Einstelltagen bestraft zu werden.

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  • Mir wurde auf Ende März 2021 gekündigt, mit einer Kündigungsfrist von 6 Monaten. Seither sind seitens der Geschäftsleitung ernsthafte Bemühungen im Gange eine Nachfolgegesellschaft zu gründen, bisher gibt es aber keine schriftlichen Zusagen. Ab wann muss ich mit der Stellensuche beginnen, um beim RAV nicht wegen ungenügender Arbeitsbemühungen mit Einstelltagen bestraft zu werden.

  • NicolasRuest Am Besten wäre es wenn Du schon beim ersten RAV Termin Bewerbungen vorweisen kannst.


    Weisung Kanton Bern


    " Beachten Sie: Ihre Verpflichtung eine Stelle zu suchen beginnt bereits vor Eintritt der Arbeitslosigkeit, z.B. während der Kündigungsfrist oder während eines befristeten Arbeitsverhältnisses."

  • eigentlich ab dem moment in dem klar wird, dass sie arbeitslos werden. wenn sie die kündigung haben und beim rav gemeldet sind, müssen sie suchen, sonst kann ihnen das rav abstriche machen.


    das rav lässt ihnen aber offen wie sie suchen, ob per netzwerk, telefonisch oder bewerbungen auf inserate.


    die absicht der geschäftsleitung eine nachfolgegesellschaft zu gründen ist natürlich schön, aber solange sie keinen arbeitsvertrag in der hand haben keine garantie und sogar dann nicht, da dieser ja jederzeit gekündigt werden kann.


    wenn sie beim rav angemeldet sind, müssen sie in der regel ein kleines training absolvieren, dass sie über ihre rechte und pflichten aufklärt. dort wird ihnen genau erklärt was sie tun müssen.

  • Danke für die Antwort, aber während der Kündigungsfrist ist ziemlich ungenau. Wenn jemand 2 Monate Kündigungsfrist hat, muss er 2 Monate lang einen Job suchen. Unser Chef wollte uns etwas gutes tun mit den 6 Monaten. Ich finden keine konkreten Angaben wie viele Monate der Kündigungsfrist vom RAV beurteilt werden.

  • Danke für die Antwort. Es ist unmöglich gleichzeitig der Geschäftsleitung zu zeigen, dass man mit vollem Herzen am Aufbau der neuen Firma beteiligt ist, und gleichzeitig 12 Bewerbungen pro Monat verschicken, deren Job man ja bei positivem Bescheid auch annehmen muss.

  • NicolasRuest


    Ich empfehle Isolche Fragen sofort nach dem Erhalt der Kündigung zu stellen und nicht erst zwei Monate nach dem Erhalt der Kündigung zu stellen, wo es vielleicht schon zu spät ist um eine Strafe durch die Arbeitslosenversicherung in Form von Einsteltagen zu vermeiden. Sie sind gemäss Artikel 17 Absatz 1 des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (AVIG) bereits am dem Zeitpunkt, ab dem Sie von der Kündigung erfahren haben, verpflichtet eine Arbeit zu suchen um die Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen und die Arbeitsbemühungen nachzuweisen (Ausdrucke oder Kopien von Bewerbungsschreiben, Bestätigungen des Unternehmens bei nur mündlichen Bemühungen, etc.). Sie werden gemäss Artikel 30 Absatz 1 Buchstabe c AVIG in ihrem Anspruch Taggelder der Arbeitslosenversicherung für einen Zeitraum eingestellt, wenn Sie sich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht haben. Ich empfehle Ihnen sich die folgenden Randziffern aus dem Kreisschreiben AVIG-Praxis ALE durchzulesen. Ich habe Ihnen auch ein paar Artikel aus dem Arbeitslosenversicherungsgesetz angegeben, auf welche sich diese Randziffern beziehen. Wenn Sie nicht für jeden Monat seit der Kündigung 10 bis 12 Bewerbungen auf Stellenanzeigen nachweisen können, sondern nicht für alle Monate während der Kündigungsfrist oder nur eine geringere Anzahl an Stellenbewerbungen müssen Sie damit rechnen, dass Sie für 10 oder 11 Tage keine Taggelder der Arbeitslosenversicherung erhalten (in der Anspruchberechtigung eingestellt sind, Einstelltage). Dazu kommen nach die von einem Verschulden unabhängigen Wartetage gemäss Artikel 18 Absatz 1 AVIG am Beginn der Arbeitslosigkeit nach dem Ende der Kündigungsfrist, für welche Sie ebenfalls keine Taggelder erhalten. Da gemäss Artikel 21 AVIG pro Woche nur fünf Taggelder ausbezahlt werden, bedeutet eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 10 Tagen, dass Sie als Strafe für zwei Wochen keine Taggelder der Arbeitslosenversicherung erhalten. Vielleicht können Sie die Anzahl der Einstelltage vermindern, wenn Sie zumindest jetzt während der letzten vier Monate vor dem Ablauf der Kündigungsfrist ausreichende Bewerbungen auf Stellenanzeigen nachweisen können. Sie können innerhalb von einer Frist von 30 Tagen nach dem Erhalt einer Verfügung, mit welcher Sie wegen ungenügenden Arbeitsbemühungen in der Anspruchsberechtigung eingestellt werden, eine von Ihnen unterschriebene schriftliche Einsprache per Post einreichen und darin den Antrag stellen die Anzahl der Tage zu vermindern und dies damit begründen, dass gemäss der Rechtsprechung die Einstellung in der Anspruchsberechtigung dazu dient die Schadenminderungspflicht des Versicherten durchzusetzen und die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden hat, welche die Versicherten hätten vermeiden oder verhindern können und als versicherungsrechtliche Sanktion die angemessene Mitbeteiligung der versicherten Person am Schaden, den sie durch ihr Verhalten der Arbeitslosenversicherung in schuldhafter Weise natürlich und adäquat kausal verursacht hat, bezweckt. Sie können versuchen zu argumentieren, dass Sie während vier Monaten vor dem Ende des Arbeitsverhältnisses und damit sogar einen Monat länger als eine Person mit einer dreimonatigen Kündigungsfrist sich mit Stellenbewerbungen bemüht haben die Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen und es bei viermonatigen erfolglosen Stellenbewerbungen sehr unwahrscheinlich ist, dass Sie eine Arbeitslosigkeit hätten vermeiden oder verkürzen können, wenn Sie sich noch früher um Stellen beworben hätten.


    B314 Jede versicherte Person ist grundsätzlich bereits vor Anspruchstellung zur Stellensuche verpflichtet. Diese Pflicht ist insbesondere schon während der Kündigungsfrist und bei einem befristeten Arbeitsverhältnis mindestens während den 3 letzten Monaten zu erfüllen. Ausschlaggebend für den Zeitraum, den es für die Prüfung der Arbeitsbemühungen zu berücksichtigen gilt, ist der Zeitpunkt, ab dem die Person Kenntnis davon hat, dass sie objektiv von Arbeitslosigkeit bedroht ist. Liegt dieser Zeitpunkt mehr als 3 Monate vor der Anmeldung bei der ALV, werden nur die 3 letzten Monate vor der Anmeldung überprüft, ob die Person sich um eine Stelle bemüht hat. In folgenden Fällen wird bei der Prüfung der Arbeitsbemühungen indessen ein anderer Zeitraum berücksichtigt: • Bei versicherten Personen, die direkt nach ihrem Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen Arbeitslosenleistungen beantragen (C184). • Bei Personen, die kurz vor Abschluss ihrer Ausbildung stehen (B319). • Bei Vorliegen eines entschuldbaren Grunds (z. B. Krankheit, Unfall).


    Rechtsprechung


    BGE 8C_768/2014 vom 23.2.2015 (Eine versicherte Person muss sich auch während der Kündigungsfrist - ab dem Zeitpunkt der Zustellung - um eine Stelle bemühen)


    ...


    BGE 8C_863/2014 vom 16.3.2015 (Auch bei einem befristeten Arbeitsverhältnis sind Arbeitsbemühungen nicht nur während der kurzen Kündigungsfrist, sondern mindestens während der 3 letzten Monate vor Anspruchstellung nachzuweisen. Bei Temporärarbeit besteht ein höheres Risiko, arbeitslos zu werden)


    B315 Bei den persönlichen Arbeitsbemühungen kommt es nicht nur auf die Quantität der Bemühungen an, sondern auch auf deren Qualität.


     Beispiele


    - Die Art und Weise, sich um Stellen zu bewerben, ist für eine arbeitslose Person keineswegs eine persönliche Angelegenheit. Wer Versicherungsleistungen beziehen will, hat der zuständigen Amtsstelle die erforderlichen Auskünfte und Unterlagen zur Verfügung zu stellen, damit geprüft werden kann, ob die arbeitslose Person ihrer Pflicht zur Stellensuche hinreichend nachkommt und vermittlungsfähig ist (Art. 17 Abs. 1 und Abs. 3 Bst. c AVIG, Art. 28 ATSG).


    - Der ausschliessliche Beizug einer Vermittlungsfirma ist keine genügende persönliche Arbeitsbemühung.


    - Zum qualitativen Erfordernis der Bewerbungen gehört auch, dass die Höhe der Lohnforderung sowohl den aktuellen Verhältnissen des Arbeitsmarktes als auch den persönlichen Qualifikationen angepasst ist. Zu hohe Lohnforderungen können eine schuldhafte Verletzung der Schadenminderungspflicht darstellen.


    - Als ungenügend haben die Arbeitsbemühungen zu gelten, wenn die versicherte Person sich zwar um Arbeit bemüht, ihre Stellenbewerbungsschreiben jedoch so oberflächlich und rudimentär abfasst, dass von ernsthaften Bewerbungen nicht gesprochen werden kann.


    Die Schadenminderungspflicht


    Art. 17 Abs. 1, 3 AVIG; Art. 28, 31, 43 ATSG


    B311 Die versicherte Person muss alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Es handelt sich hier um die gesetzlich umschriebene Schadenverhütungs- und Schadenminderungspflicht. Die Versicherung soll ihre Leistungen nur dann (voll) erbringen, wenn sich die versicherte Person so verhält, wie wenn es keine ALV gäbe. Zur Pflicht der Schadenverhinderung gehören:


     Vermeidung von selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit;


     Kein Verzicht zu Lasten der ALV auf Lohn- oder Entschädigungsansprüche;


     Intensive Arbeitsbemühungen während der Kündigungsfrist, nötigenfalls auch ausserhalb des erlernten Berufes.


    Zur Pflicht der Schadenminderung gehören:


     Intensive Arbeitsbemühungen während des Taggeldbezugs;


     Teilnahme an arbeitsmarktlichen Massnahmen, Beratungsgesprächen und Informationsveranstaltungen auf Weisung der zuständigen Amtsstelle;


     Annahme zumutbarer Arbeit.


    UNGENÜGENDE PERSÖNLICHE ARBEITSBEMÜHUNGEN


    Art. 30 Abs. 1 Bst. c AVIG


    D33 Gemäss Art. 30 Abs. 1 Bst. c AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht (vgl. B313 ff.).  Rechtsprechung EVG C 234/04 vom 21.3.2005 (ungenügende Arbeitsbemühungen während der Kündigungsfrist) EVG C 239/06 vom 30.11.2007 (Arbeitsbemühungen während Vorbereitungszeit zur Anwaltsprüfung) EVG C 275/02 vom 2.5.2003 (Eine nur vage, mündliche Zusicherung zur Weiterbeschäftigung entbindet nicht von Arbeitsbemühungen) EVG C 277/00 vom 11.6.2001 (Kausalität der ungenügenden Arbeitsbemühungen für die verlängerte Arbeitslosigkeit) Gemäss Art. 26 AVIV sind Arbeitsbemühungen bis zum 5. des Folgemonats einzureichen. Als rechtzeitig eingereicht, gilt auch die Übergabe bis zum 5. Tag zu Handen der Schweizerischen Post, so dass frühestens am 12. des Folgemonats definitiv über die zu spät eingereichten Arbeitsbemühungen, die unter den Tatbestand der ungenügenden Arbeitsbemühungen fallen, geurteilt werden kann.


    EINSTELLRASTER FÜR ALK, KAST UND RAV


    D72 Das Einstellraster soll eine weitestmögliche Gleichbehandlung der Versicherten auf nationaler Ebene gewährleisten und den Vollzugsstellen als Entscheidungshilfe dienen. Es schränkt keinesfalls ihren Ermessensspielraum ein und entbindet sie auch nicht von der Pflicht, sämtliche objektiven und subjektiven Umstände des konkreten Einzelfalls zu berücksichtigen. Bei jeder Einstellung muss das allgemeine Verhalten der versicherten Person einbezogen werden. Es gelten die allgemeinen verwaltungsrechtlichen Prinzipien der Rechtmässigkeit, der Verhältnismässigkeit und des Verschuldens. 


    D73 Gemäss Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts stellt Art. 45 Abs. 3 AVIV eine Vorschrift dar, von der die Verwaltung und das Versicherungsgericht abweichen können, wenn besondere Umstände dies rechtfertigen. In diesem Sinne ist ihr Ermessen bei schwerem Verschulden nicht auf die in dieser Bestimmung festgelegte minimale Einstellungsdauer beschränkt (BGE 130 V 125). 


    D74 Wird im konkreten Einzelfall von den folgenden Einstellrastern abgewichen, so ist in der Verfügung eine Begründung für die strengere oder mildere Einstellung anzuführen. 


    D77 Zur Feststellung des individuellen Verschuldens und für die Bemessung der Einstellung bei schwerem Verschulden ist gemäss Bundesgericht vom Mittelwert der Spanne von 31 bis 60 Tagen – d. h. 45 Tagen – auszugehen (Art. 45 Abs. 3 Bst. c AVIV); erschwerende oder mildernde Faktoren und das Prinzip der Verhältnismässigkeit sind zu berücksichtigen (BGE 123 V 153). Dieser Grundsatz gilt auch bei leichtem und mittelschwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 Bst. a und b AVIV). 


    D78 Die im vorliegenden Raster berücksichtigten Faktoren zur Bestimmung des Verschuldens sind nicht abschliessend. Sie können mit anderen erschwerenden oder mildernden Faktoren kombiniert werden.


    Tatbestand/rechtliche Grundlage Verschulden Anz. Einstelltage


    1. Arbeitsbemühungen Art. 30 Abs. 1 Bst. c AVIG, Art. 26 Abs. 2 AVIV und Art. 45 Abs. 3 + 5 AVIV


    1.A Ungenügende Arbeitsbemühungen während der Kündigungsfrist


    1 ungenügende Arbeitsbemühungen bei einmonatiger KF L 3 - 4


    2 " " bei 2-monatiger KF L 6 - 8


    3 " " ab 3-monatiger KF L 9 - 12


    1.B Keine Arbeitsbemühungen während der Kündigungsfrist


    1 keine Arbeitsbemühungen bei einmonatiger KF L 4 - 6


    2 " " bei 2-monatiger KF L 8 - 12


    3 " " bei über 3-monatiger KF L - M 12 - 18


    Legende:


    L = leichtes Verschulden


    M = mittleres Verschulden


    S = schweres Verschulden


    Kreisschreiben AVIG-Praxis ALE (Arbeitslosenentschädigung):


    https://www.arbeit.swiss/dam/s…f/AVG-Praxis_%C3%B6AV.pdfArt. 17 Pflichten des Versicherten und Kontrollvorschriften

    1 Der Versicherte, der Versicherungsleistungen beanspruchen will, muss mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist er verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb seines bisherigen Berufes. Er muss seine Bemühungen nachweisen können.Art. 30 Einstellung in der Anspruchsberechtigung1

    1 Der Versicherte ist in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn er:

    c.
    sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht;

    Art. 18 Wartezeiten

    1 Der Anspruch beginnt nach einer Wartezeit von fünf Tagen kontrollierter Arbeitslosigkeit. Für Personen ohne Unterhaltspflichten gegenüber Kindern unter 25 Jahren beträgt die Wartezeit:

    a.
    10 Tage bei einem versicherten Verdienst zwischen 60 001.– und 90 000.– Franken;
    b.
    15 Tage bei einem versicherten Verdienst zwischen 90 001.– und 125 000.– Franken;
    c.
    20 Tage bei einem versicherten Verdienst über 125 000.– Franken.

    Art. 21 Form der Arbeitslosenentschädigung

    Die Arbeitslosenentschädigung wird als Taggeld ausgerichtet. Für eine Woche werden fünf Taggelder ausbezahlt.


    Arbeitslosenversicherungsgesetz (AVIG):


    https://www.admin.ch/opc/de/cl…ation/19820159/index.html

  • @NicolasRuest


    Es ist möglich nach dem Erhalt der Kündigung in seiner Freizeit 12 Bewerbungen pro Monat zu verschicken. Bei einer Geschäftsleitung, unter deren Führung das Unternehmen anscheinend bereits einmal in Konkurs gegangen ist, muss man berechtigte Angst haben, dass diese auch nicht in der Lage sein wird eine Nachfolgegesellschaft erfolgreich und ohne Konkurs der Nachfolgegesellschaft zu führen. Deshalb haben Stellenbewerbungen zur Verhinderung einer Arbeitslosigkeit de Vorrang. Die Arbeitslosenversicherung wird Sie knallhart bestrafen, wenn Sie nicht bereits ab dem Erhalt der Kündigung 10 bis 12 Stellenbewerbungen pro Monat nachweisen können.

  • @DamienS


    Gemäss der Rechtsprechung der Gerichte haben Arbeitsbemühungen in der Regel in Form einer ordentlichen Bewerbung auf eine offene Stelle (als Reaktion auf eine Stellenanzeige) zu erfolgen und werden diese bei den 10 bis 12 Arbeitsbemühungen pro Monat voll gezählt (sofern die Stelle eine zumutbare Arbeit war). In der Praxis werden Blindbewerbungen bei Unternehmen und einfach nur Personen im Netzwerk sagen, dass man arbeitslos ist und fragt ob sie eine offene Stelle kennen nicht als volle Arbeitsbemühung gewertet und man muss eine viel höhere Anzahl an Blindnbewerbungen nachweisen können um fehlende Nachweise für Bewerbungen auf Stellenanzeigen zu kompensieren (Bewerbungen, ohne dass man weiss ob es beim Unternehmen eine offene Stelle gibt). Das RAV lässt es einem faktisch nicht offen, da unterschiedliche Arten von Arbeitsbemühungen unterschiedlich als "genügend" bewertet werden.

  • Danke Sozialversicherer für die ausführliche Antwort. Die vielen Paragraphen nützen mir wohl kaum sehr viel, aber Ihr Text und die Paragraphen sollten schon irgendwie überein stimmen. Sie schreiben, dass sofort nach Erhalt der Kündigung nach einem neuen Job gesucht werden muss. In Artikel B314 steht, dass nur die 3 letzten Monate berücksichtigt werden.


    Beim BIZ Winterthur in der Berufsberatung wurde mir bestätigt, dass ich genügend früh bin und es reicht, wenn ich ab Januar auf die Jobsuche gehe. Ich denke damit ist meine Frage hinreichend beantwortet worden.


    PS: Meine Firma ging nicht in Konkurs sondern die zwei Teilhaber konnten sich nicht auf die Ausrichtung der Firma einigen. Das ist ein lösbares Problem, in diesem Fall währe eine Jobsuche überflüssig.

  • NicolasRuest


    Das Arbeitslosenversicherungsgesetz besteht aus Artikeln (abgekürzt Art.) und nicht aus "Paragraphen" und das Kreisschreiben besteht aus Randziffern. Das Kreisschreiben enthält keinen "Artikel B314", sondern eine Randziffer B314. Der Wortlaut des Artikels 17 Absatz 1 des Arbeitslosenversicherungsgesetzes enthält keine Ausnahme, dass man sich erst während der letzten drei Monate der Kündigungsfrist um Arbeit bemühen muss und diese Bemühungen nachweisen muss. Da das Kreisschreiben AVIG-Praxis ALE aber eine Weisung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) als Aufsichtsbehörde an die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und an die Arbeitslosenkassen (ALK) ist, ist es zwar wahrscheinlich, dass sich diese an die Randziffer B314 halten, obwohl diese Ausnahme nicht durch den Wortlaut des Gesetzes gedeckt ist, absolut sicher ist das aber nicht. Im Urteil des Bundesgerichts 8C_768/2014 hatte die arbeitslose Rechtsanwältin nach ihrer Kündigung am 13. März 2011 auf den 31. August 2011 fünfeinhalb Monate zwischen der Kündigung und dem Ende des Arbeitsverhältnisses, das Bundesgericht hat in seinen Erwägungen zur Auslegung von Artikel 17 Absatz 1 AVIG keine Einschränkung vorgenommen, dass man erst während der letzten drei Monate der Kündigungsfrist verpflichtet wäre Bemühungen um Arbeit nachzuweisen. Wenn ich mir die Erwägung 4.3 des Urteils des Bundesgerichts 8C_863/214 vom 16. März 2015 anschaue, wie wichtig dem Bundesgericht die Gleichbehandlung von arbeitslosen Versicherten ist und es Versicherte mit kürzerer Kündigungsfrist sanktionsmässig nicht besser stellen möchte, weil diese bei einem Temporärarbeitsvertrag damit rechnen müssen, dass sie kurzfristig arbeitslos werden können, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass die Arbeitslosenversicherung vor Bundesgericht Recht bekommen würde, dass die Randziffer B314 gesetzwidrig ist und nicht angewendet werden darf und jemanden mit einer Kündigungsfrist von mehr als drei Monaten der sich erst während den letzten drei Monaten der Kündigungsfrist bewirbt durchaus mit Einstelltagen bestrafen darf. Es ist schon vorgekommen, dass das Bundesgericht festgestellt hat, dass ein Artikel aus einer Verordnung des Bundesrats gesetzwidrig ist und nicht angewandt werden darf und eine Verordnung des Bundesrats hat eine höherere demokratische Legitimation als eine reine Weisung einer Aufsichtsbehörde, wie der Wortlaut eines Gesetzes oder einer Verordnung interpretiert werden soll. Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte sich auch bei einer Kündigungsfrist von über drei Monaten bereits ab dem Erhalt der Kündigung um Arbeit bemühen und Nachweise für diese Arbeitsbemühungen aufbewahren. Es ist ihr Risiko.


    Urteil des Bundesgerichts 8C_768/2014 vom 27. Februar 2015:


    Sachverhalt: A. Die 1977 geborene A.________ war ab 1. April 2009 in der Kanzlei B.________ als Rechtsanwältin angestellt. Am 13. März 2011 löste sie das Arbeitsverhältnis auf den 31. August 2011 auf. Vom 7. September bis 26. Dezember 2011 hielt sie sich im Ausland auf. Am 26. Dezember 2011 meldete sich A.________ zur Arbeitsvermittlung an und beantragte Arbeitslosenentschädigung. Mit Verfügung vom 11. Mai 2012 stellte sie das Amt für den Arbeitsmarkt (AMA) des Kantons Freiburg ab 27. Dezember 2011 für die Dauer von 14 Tagen in der Anspruchsberechtigung auf Arbeitslosenentschädigung ein; zur Begründung führte es an, die Versicherte habe sich im Zeitraum vor der Anmeldung nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht. An diesem Ergebnis hielt das AMA auf Einsprache hin fest (Einspracheentscheid vom 28. Februar 2013). Die hiegegen eingereichte Beschwerde wies das Kantonsgericht Freiburg ab (Entscheid vom 26. August 2014). C. Mit Beschwerde lässt A.________ beantragen, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sei festzustellen, dass das AMA sie zu Unrecht in der Anspruchsberechtigung eingestellt habe. Das AMA und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) verzichten auf Vernehmlassungen.


    Erwägung 2.2.1. Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühungen nachweisen können. Diese Bestimmung regelt allgemein die materiellen Pflichten der versicherten Personen. Mit der Formel, der Versicherte habe alles Zumutbare zu unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen, statuiert sie die Pflicht zur Schadenminderung, aus welcher sich verschiedene Einzelpflichten ergeben. Dazu gehört die Pflicht der Versicherungsleistungen beanspruchenden Person zur Arbeitssuche. Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG sanktioniert eine Verletzung der in Art. 17 Abs. 1 AVIG statuierten Schadenminderungspflicht, insbesondere auch der Pflicht, sich genügend um Arbeit zu bemühen. Mittels Einstellung in der Anspruchsberechtigung soll dieser Pflicht zum Durchbruch verholfen werden (BGE 126 V 130 E. 1 S. 130; 124 V 225 E. 2b S. 227 f.). 2.2.2. Aus der Pflicht, den Eintritt der Arbeitslosigkeit zu verhindern, fliesst die Last für die versicherte Person, sich bereits vom Zeitpunkt der Kündigung des früheren Arbeitsverhältnisses an und damit vor Eintritt der Arbeitslosigkeit intensiv um eine neue Arbeit zu bemühen (ARV 2005 S. 56, C 208/03 E. 3.1; Urteile 8C_58/2012 vom 6. Juni 2012 E. 2; 8C_583/2009 vom 22. Dezember 2009 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). Die versicherte Person hat sich dementsprechend während einer Kündigungsfrist, aber auch generell während der Zeit vor der Anmeldung, unaufgefordert um Stellen zu bemühen. Sie kann sich insbesondere nicht damit exkulpieren, nicht gewusst zu haben, dass sie schon vor der Anmeldung zum Leistungsbezug zur ernsthaften Arbeitssuche verpflichtet war und nicht darauf aufmerksam gemacht worden sei (ARV 2006 S. 295, C 138/05 E. 2.1; 1982 Nr. 4 S. 37, C 50/81).




    Erwägung 2.2.3. Die Pflicht der Versicherungsleistungen beanspruchenden Person, sich regelmässig um Stellen zu bewerben, ergibt sich für die Zeit vor der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung nicht aus Art. 26 AVIV, sondern aus der in Art. 17 Abs. 1 AVIG verankerten allgemeinen Schadenminderungspflicht (BGE 139 V 524 E. 4.2 S. 530). Daraus folgt, dass Versicherte in gekündigter Stellung bereits während der Kündigungsfrist alles Zumutbare zu unternehmen haben, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Dasselbe gilt auch, wie die Vorinstanz richtig erkannt hat und was die Beschwerdeführerin übersieht, wenn die versicherte Person sich ferienhalber oder zwecks Erzielung eines Verdienstes bzw. - wie im vorliegenden Fall - zwecks Vertiefung von Sprachkenntnissen im Ausland aufhält (vgl. ARV 1988 Nr. 11 S. 96 E. 2, C 8/88; 1982 Nr. 4 S. 40 E. 2b, C 50/81), zumal Stellenbewerbungen mit den heutigen elektronischen Kommunikationsmitteln sowie Personalvermittlungsagenturen inzwischen weltweit ohne zeitliche Verzögerungen durchführbar sind (vgl. ARV 2005 Nr. 4 S. 58 E. 3.2, C 208/03).


    Erwägung 3.1. Die Vorinstanz hat in tatsächlicher Hinsicht für das Bundesgericht verbindlich festgestellt, dass sich die Versicherte während der Kündigungsfrist insgesamt bei fünf potentiellen Arbeitgebern, letztmals am 23. Juli 2011, bewarb. Auch wenn der Beschwerdeführerin, wie sie geltend macht, im Sinne von BGE 139 V 524 E. 2.1.3 in fine S. 528 das Recht zuzubilligen ist, ihre persönlichen Bemühungen zunächst auf den erlernten Beruf als Rechtsanwältin zu beschränken, ist wenig nachvollziehbar, wenn sie im Zeitraum von Ende Juli bis zur Anmeldung am 26. Dezember 2011 für den angestrebten Erwerbsbereich keine Bewerbungen mehr tätigte. Das Vorbringen, sie sei ihrer Schadenminderungspflicht nachgekommen, indem sie die Arbeitslosenkasse nicht bereits ab Eintritt der Arbeitslosigkeit (1. September 2011) belastete, trifft den entscheidenden Punkt nicht, wie sich schon aus dem in E. 2.2 hievor Gesagten ergibt. Dem ist zur Verdeutlichung anzufügen, dass nach der Rechtsprechung das Verhalten einer versicherten Person, die das Arbeitsverhältnis von sich aus auflöst und nach Beendigung desselben nicht sofort Arbeitslosenentschädigung bezieht, zwar - wie die Beschwerdeführerin geltend macht - zu einer Minderung des Schadens beitragen kann; indessen wird damit die direkt aus Art. 17 Abs. 1 AVIG fliessende Schadenminderungspflicht nicht aufgehoben, vielmehr hat die versicherte Person sich auch unter solchen Umständen mit der erforderlichen Intensität um eine neue Arbeitsstelle zu bemühen (ARV 2006 S. 145, C 73/03 E. 3).


    Urteil des Bundesgerichts 8C_768/2014 vom 27. Februar 2015


    https://www.bger.ch/ext/eurosp…&zoom=&type=show_document


    Urteil des Bundesgerichts 8C_863/214 vom 16. März 2015:


    Erwägung 4.4. Laut Einsatzvertrag vom 24. September 2012 war mit dem Beschwerdegegner ab 1. Oktober 2012 ein Einsatz von längstens drei Monaten vereinbart worden. Während dieser Zeit konnte der Vertrag von beiden Seiten unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von zwei Tagen aufgelöst werden. Mangels Kündigung endete dieser nach drei Monaten durch Zeitablauf. Im Falle stillschweigender Weiterführung galt er als auf unbestimmte Zeit verlängert. Der Einsatzvertrag war gemäss Schreiben des Einsatzbetriebes vom 8. Mai 2013 um drei Monate verlängert worden. Zufolge Ablaufs des Einsatzes und mangels weiterer Aufträge kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis am 5. März 2013 auf den 12. März 2013. Die Vorinstanz geht daher von einem befristeten Arbeitsverhältnis aus. Diese Auffassung teilt auch das SECO. Etwas anderes lässt sich namentlich auch nicht dem erwähnten Schreiben des Einsatzbetriebes entnehmen, wonach es im Rahmen des Vorstellungsgesprächs vom 17. September 2012 entsprechend der Stellenausschreibung um die Rahmenbedingungen einer Festanstellung gegangen sei. Dem Beschwerdegegner war die Stelle gemäss diesem Schreiben zunächst für drei Monate zugesprochen worden, mit anschliessender Verlängerung um weitere drei Monate. Konkrete Hinweise dafür, dass der Versicherte mit einer Festanstellung rechnen durfte, können den Akten nicht entnommen werden.




    Erwägung 4.5. Mit Blick auf den auf (zweimal) drei Monate befristeten Temporäreinsatz des Beschwerdegegners und das damit einhergehende erhöhte Risiko, arbeitslos zu werden, wenn nicht frühzeitig eine neue Stelle gesucht wird, kommt der siebentägigen Kündigungsfrist im vorliegenden Fall keine gesonderte Bedeutung zu. Das Arbeitsverhältnis hätte ohne die vorherige Kündigung spätestens nach Ende der vereinbarten dreimonatigen Einsatzdauer geendet. Bei einer solchen Konstellation lässt sich das Abstellen auf die Kündigungsfrist bei der Bemessung der Einstellungsdauer gestützt auf den Einstellraster des SECO nicht rechtfertigen, weil damit temporär Angestellte, denen (zufällig) vor Ablauf der Befristung des Vertrages gekündigt wird, gegenüber jenen, deren Vertrag ohne Kündigung mit Ablauf der Befristung endet, sanktionsmässig besser gestellt würden. Da die objektiven Gegebenheiten bei fehlenden Arbeitsbemühungen eines auf drei Monate befristeten und eines auf drei Monate gekündigten Arbeitsverhältnisses unter dem Aspekt der Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) vergleichbar sind, erscheint es sachgerecht, die Einstelldauer in beiden Fällen nach dem für Arbeitsverhältnisse mit dreimonatiger Kündigungsfrist vorgesehenen Raster von zwölf bis achtzehn Tagen festzusetzen. Besondere, die subjektive Situation des Beschwerdegegners beschlagende Gegebenheiten sind nicht ersichtlich, weshalb die vom RAV verfügte Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Umfang von zwölf Tagen nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen.


    Urteil des Bundesgerichts 8C_863/214 vom 16. März 2015:


    https://www.bger.ch/ext/eurosp…&zoom=&type=show_document

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