Ist das schweigen der Psychologin strafbar? Und was soll ich tun? Ich bin verzweifelt.

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  • Ich bin seit ein paar Jahren mit meiner Freundin zusammen. Sie hat mir nach einem Jahr Beziehung erzählt, dass sie und ihr Bruder vom Vater jahrelang starken sexuellen Missbrauch erleben mussten, auch Gewalt vom Vater war offenbar ein grosses Thema in der Familie, auch der Mutter gegenüber. Mit 14 Jahren hat sie und ihr Bruder der Mutter alles erzählt und sie sind "geflüchtet". Sie wurden mit Polizeischutz aus dem Haus begleitet und trotzdem kam es nie zu keiner Anzeige. Das war vor ca. 10 Jahren. Seither besteht auch kein Kontakt mehr zum Vater. Dieses Jahr hat sie endlich Psychologische Hilfe in anspruch genommen um das Thema anzugehen. Ich als ihr Freund war auch an Sitzungen mitdabei, unteranderem weil ich ein Problem habe und zwar folgendes: der genannte Vater hat nach der Trennung zur Familie eine neue Frau gefunden und hat mit der zwei Kinder gekrigt(3 und 6 Jahre alt aktueller Stand). Ich vermute stark, dass diese Kinder ähnliches erleben wie meine Freundin und wollte deswegen eine Gefahrenmeldung bei der KESP machen. Als ich das bei der Sitzung mit meiner Freundin und ihrer Psychologin angesprochen habe, haben sie auf mich eingeredet, dass ich das auf keinen Fall machen soll. Grund dafür ist, Zitat von meiner Freundin:" Mein Vater wird dann wissen, dass ich es jemandem erzählt habe und er wird kommen und mich dafür bestrafen/erschiessen" die Psychologin bestärkt sie bei dieser Aussage und behauptet gleichzeitig, sie sei sich sicher die neuen Kinder haben eine normale Kindheit ohne Gewalt und sexuellen Missbrauch.


    Jetzt zu meinen Fragen . Ist das nicht Strafbar von der Psychologin, nicht nur nichts zu unternehmen, sondern mich auch noch davon abzuhalten? Ist es meine Verzweiflung oder ist es nicht etwas fragwürdig meine Freundin in ihrer Aussage noch zu bestärken und ihr somit noch mehr Angst zu machen der Vater würde wirklich kommen um sie zu erschiessen? Was soll ich tun? Was sind Ihre Meinungen dazu?

  • @DmMi


    Das Verhalten der Psychologin ist hier sicher als "Kritisch" zu beurteilen. Aber strafbar macht sie sich damit wohl nicht.


    Und es ist ausgesprochen schwierig hier einen Rat zu geben, was sie tun sollen, oder eben nicht tun sollen.


    Ihre Freundin könnte recht haben, mit dem was sie sagte. Und sie könnten sie damit in "tatsächliche" Gefahr bringen. Sie bringen sie aber sicher mal bereits in eine "vermeintliche" Gefahr. Und das ist der Therapie ihrer Freundin nicht zuträglich.


    Zum gegenwärtigen Zeitpunkt braucht sie wohl einfach ein Gefühl der Geborgenheit. Speziell auch in der Beziehung mit ihnen!


    Mit ihrem Vorhaben, die KESB zu informieren, untergraben sie die "innere Sicherheit" ihrer Freundin. Und die ist seit ihrer Kindheit sowieso schon erschüttert. Und muss in der Therapie wieder gefestigt werden können. Deshalb sollten sie hier nichts weiter unternehmen als mithelfen, dass ihre Freundin sich festigen kann.


    Vielleicht findet sie dann irgend wann Mal auch genug inneren Boden, dass sie selbst etwas gegen ihren Peiniger unternehmen will. Dann wäre es wohl der richtige Zeitpunkt ihre Freundin dabei zu unterstützen.


    Die Aussage der Psychologin...


    .....und behauptet gleichzeitig, sie sei sich sicher die neuen Kinder haben eine normale Kindheit ohne Gewalt und sexuellen Missbrauch.


    ist aber als sehr kritisch zu betrachten, falls dies tatsächlich so ausgesprochen wurde.


    Dies widerspricht der allgemeinen Erfahrung, dass sich Sexual- und Gewalttäter von einer Beziehung zur Nächsten grundsätzlich verändern.


    Anders ausgedrückt: Ihre Befürchtung betreffend den Kindern besteht wahrscheinlich zu recht. Und das sie hier etwas unternehmen wollen ... Ehrt sie.


    Falls es erneut zu Übergriffen kommen sollte, bleibt zu hoffen dass es jemand Anderem auffällt. Und entsprechende Behörden (Polizei/ KESB) informiert.


    Beachten sie hier bitte, dass die Behörden auf einen "unbegründeten" Verdach hin, kaum etwas unternehmen können. Hier reicht die "Vorgeschichte" wahrscheinlich nicht als ausreichende Begründung.

  • @DmMi


    Nachtrag:


    Ich gebe ihnen noch den Rat, sich mit völlig unabhängigen Fachpersonen zu beraten, falls sie doch etwas unternehmen wollen. Davon sollte dann aber ihre Freundin und diese Psychologin nichts erfahren.


    Was wiederum heikel ist.


    Sollte sie es irgendwie herausfinden, dann ist ihr Vertrauen zu ihnen wohl auch am Ende. Und eure Beziehung wohl nicht weniger.


    Wahrscheinlich ist und bleibt das Beste, was sie tun können ihre Freundin in der Therapie zu unterstützen ihre Persönlichkeit zu stärken.


    Wünschen euch alles Gute.

  • @DmMi


    Wenn der Vater jetzt ein ordentliches Leben führt und nichts dergleichen tut, obwohl sehr unwahrscheinlich, halte ich es für sehr wahrscheinlich das er austicken wird. Ändert nichts daran dass er für den Missbrauch an deiner Freundin zur Verantwortung gezogen werden sollte.


    Ich würde dir jetzt gerne etwas sagen und raten bezüglich deiner Freundin, aber ich getraue mich nicht, es besteht halt auch eine kleine Wahscheinlichkeit dass es für dich keine Konsequenzen haben wird.

  • @Sockenpuppe


    Kann mir etwas lebhaft vorstellen, aus welcher Kategorie das ist.


    Ehrlich gesagt habe ich auch eine Tendenz dazu.


    Hat ganz sicher ganz konkrete "Kosequenzen" für " Vati".


    Für mich dann wahrscheinlich auch. Aber halt etwas Andere....

  • Gehe davon aus das du mit folgen kannst ;)

  • Vielen Dank für Ihre Antwort! Ich habe mich auch schon mit verschiedenen beratungsstellen in Verbindung gesetzt. Alle raten mir nicht auf eigene Faust zu handeln und das meiner Freundin zu überlassen. Auch Ihre Aussage.."Falls es erneut zu Übergriffen kommen sollte, bleibt zu hoffen dass es jemand Anderem auffällt. Und entsprechende Behörden (Polizei/ KESB) informiert."... Kenne ich schon. Nur weiss ich auch, dass dies nur selten der Fall ist,weil es doch eine krasse Anschuldigung ist.. Die Mutter meiner Freundin hat sich damals auch nicht getraut etwas zu unternehmen, weil sie ebenfalls Gewalt und Drohungen über sich ergehen lassen musste.

  • Meine Freundin ist extrem wütend auf all ihre Lehrer und damals auch auf ihre Mutter, weil die angeblich bescheid wussten und niemand etwas unternommen hat. Jetzt steht sie auf der anderen Seite und unternimmt auch nichts. Habe grosse Mühe damit umzugehen. Ich kann sie momentan auch nicht unterstützen weil ich Aggressionsstörungen und Depressionen entwickelt habe und in klinischer behandlung bin, wegen all dem. Ich zweifle langsam auch an unserer Beziehung. Was tun wenn wir uns trennen? Einfach alles ignorieren und meiner Freundin zu überlassen kann ich nicht. Ich habe Angst sie wird nie etwas unternehmen oder viel zu spät. Wieso nicht die Lehrer oder sogar die Mutter informieren? Natürlich ohne dass es der Vater mitbekommt. Meiner Meinung nach wäre dies eine Option die funktionieren könnte. Fachstellen raten davon ab, weil sie das lieber selber in die Hand nehmen wollen. Aber dann würde auch der Vater informiert werden müssen, was wiederum auf meine Freundin zurückfallen könnte

  • @DmMi


    Ich kann verstehen, was hier ihr Dilemma ist. Ich habe gelegentlich mit ähnlichen Problemen zu tun. Bin hier aber keine Fachperson. Sondern nur freiwilliger Helfer. Ihr Dilemma ist mir aber nicht unbekannt. Es ist schwierig ... denn man fühlt sich dabei so machtlos....


    Ich kann aber viel zu wenig in die Realität des Falles hineinsehen, um ihnen hier wirklich einen Rat geben zu können.


    Und wir können hier in diesem Forum wohl auch nicht so weit in die Details gehen.....


    Ich denke wirklich, dass sie sich hier mit Fachpersonen beraten müssen.


    Seien sie zuversichtlich!

  • @DmMi


    Sie machen das Problem ihrer Freundin zum eigenen Problem.


    Das ist nicht hilfreich.

  • @DmMi


    dass sie in dieser situation gefühle der verzweiflung haben, kann ich gut nachvollziehen. aus ihrer erzählung besteht folgender konflikt. einerseits soll ihre freundin geschützt sein und andererseits soll niemandem dasselbe passieren wie ihr und dafür bräuchte es ein einschreiten.


    was die psychologin nicht wissen kann und weshalb ich ihre aussage nicht hilfreich finde ist, dass es den neuen kindern sicher gut geht und sie eine normale kindheit haben würden. sie weiss es nicht, deshalb ist die annahme aus meiner sicht nicht professionell!


    aber der zentrale punkt ist folgender:
    ihre freundin ist in therapie und dabei geht es offenbar um die bearbeitung ihrer vergangenheit. wie sie das macht, muss sie alleine entscheiden. dass sie als "aussenstehender" eine eigene meinung haben ist lobenswert aber sie müssen den entscheid ihrer freundin respektieren. sie wäre, nebst ihrem bruder, die einzige welche eine anzeige machen könnte. und wenn sie dies tut, dann müsste etwas positives daraus entstehen. bei solchen situationen ist es sehr schwierig im nachhinein eine strafbarkeit festzustellen. die aussage ihres bruders und ihre sind genau so viel wert, wie wenn ihr vater es abstreitet. wenn es zu einer anzeige kommt, benötigt es beweise oder zeugen. wenn diese nicht vorhanden sind, werden sie wahrscheinlich nur frustriert aus der sache rauskommen. da müssen sie sich wirklich fragen, was sie erreichen wollen.


    jetzt zu ihren fragen:
    - strafbar ist es nicht, aber ich finde es nicht hilfreich so ein "wunschdenken" zu haben wie die psychologin das offenbar hat.


    - abhalten können nur sie sich selber. wenn sie finden, dass sie was tun müssen, dann tun sie es. bedenken sie dabei die möglichen konsequenzen. und wenn sie sich entscheiden etwas zu tun, überlegen sie sich genau, wie sie das tun wollen.


    - ob der vater tatsächlich imstande wäre, seine eigene tochter zu töten, kann ich nicht beurteilen. möglich ist es und wenn jemand in die ecke getrieben wird, kann eine person schonmal austicken. es steht für ihn ja viel auf dem spiel. die reputation, die neue familie... mit anderen worten seine lebensgrundlage. dass leute da verzweifelt werden ist recht wahrscheinlich. aber, wenn es anzeichen für eine fremdgefährdung gibt, dann muss die polizei einschreiten.


    fazit:


    so unschön die situation auch ist, es ist ihre freundin um die es in der therapie geht und da muss sie selber entscheiden wie sie damit umgeht bzw. wie es für sie stimmt. sie sollten sie unterstützen, auf dem weg, welcher immer sie wählt.


    da sie selber zum "mitwisser" geworden sind, hat sich bei ihnen ein konflikt entwickelt. hier sollten sie sich überlegen, wie sie damit umgehen wollen, dass es sie nicht belastet.


    ich hoffe meine ausführungen haben ihnen etwas geholfen.

  • Ich nehme an, es geht um eine anerkannte Psychotherapeutin?


    Die Psychotherapeutin würde sich strafbar machen, wenn sie es anzeigen würde!


    Die Psychotherapeutin steht unter Schweigepflicht und darf nur ausschliesslich dann etwas nach Aussen tragen (auch der Polizei gegenüber), wenn der Patient eine Schweigepflichtsentbindung unterschreibt. Die Schweigepflichtsentbindung kann eingeschränkt, so dass sie zB nur bestimmten Personen gegenüber (Hausarzt, delegierender Psychiater) etwas sagen darf, oder nur gewisse Inhalte.


    Die Psychotherapeutin ist auch als Vertreterin deiner Freundin zu sehen und vertritt ihre Interessen etc. Die Psychotherapeutin schaut hauptsächlich auf die Gesundheit der Freundin.


    Da es sich um ein Offizialdelikt handelt, kann aber jeder Anzeige erstatten, der davon weiss. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist es auch noch nicht verjährt.


    Ich würde mich bei einer Opferberatungsstelle informieren. Kann da castagne in Zürich sehr empfehlen, aber auch andere Opferberatungsstellen helfen Angehörigen.

  • @DmMi


    Beachten sie den Beitrag von @mondschein87


    Es ist wohl richtig, was da steht. Ohne Ermächtigung durch ihre Freundin kann die Therapeutin hier nichts unternehmen.


    Die Idee mit der Opferberatungsstelle finde ich gut!


    Das ist vielleicht nicht gerade exakt die richtige Stelle um ihr Problem zu lösen... Aber dort gibt es Fachleute die ihnen wohl doch etwas weiterhelfen können.

  • Die Antworten hier drin machen mir Angst.
    es geht um Kinder die Schutz bedürfen!


    Ich selbst hätte 2 Lösungen.


    Die 1. Ich hätte einen Privatdetektiv engagiert. Zusammen mit dem die Strategie besprochen wie, wenn die Kinder Schwimmunterricht hätten, dass „zufälligerweise“ eine Mitarbeiterin dann auch ins Schwimmbad geht und das Kind auf äußere Verletzungen beobachtet.
    die können auch das Umfeld ausfindig machen wie die Lehrer, Tagesmütter, MuKi Turnen ect. und die befragen.
    Diese Lösung könnte am ehsten Beweise beschaffen, ohne zwangsweise deine Freundin je mit einbeziehen zu müssen, damit der zur Verantwortung gezogen wird.


    Eventuell getraut sich dann deine Freundin und ihr Bruder sowie die Mutter zur Aussage und der Täter wäre länger weg von der Bildfläche.


    Sorry, so jemand gehört nicht auf freiem fuss!



    Die 2. Lösung und die verzweifelte, ist ein anonymen Brief zu schreiben, dass die Mutter der Kinder bekommen soll.


    Darin sollte man die Mutter darauf aufmerksam machen, dass sie vorsichtig sein soll wenn ihr ihre Kinder lieb sind. Der Mann ist nicht der, wer er zu Schein ist und aus Sicherheitsgründen, sollte sie den Mann auf keinen Fall direkt damit konfrontieren sondern nur beobachten!
    Man sollte auch darin schreiben, dass bei einer direkten Konfrontation er sofort wissen wird, wer den Brief geschrieben haben könnte und ihr selbst dann in Gefahr sein werdet, es aber jemand aus dem Umfeld des Opfers ist und das Opfer nichts davon weiß. Was auch so bleiben wird, gleich von Anfang an klar machen, dass deine Freundin keine Hilfe sein wird.
    Es ist gefährlich und sie soll sich unbedingt Hilfe holen. Da wäre es am besten gleich alle Anlaufstellen aus der Region mit Namen, Adresse und Telefon Nummer auflisten.


    Es wäre nicht schlecht, wenn du vorher mit den Anlaufstellen sprichst, in Sachen Anonymität sind die spezialisiert.


    Wenn du im brief schreibst, dass die Anlaufstellen Bescheid wissen, stärkt das vielleicht eine Mutter, die von den Gewalttaten Bescheid weiß, aber sich nicht getraut zu handeln….



    bitte schreib auf, wie es weiter gegangen ist.