Wie stehen meine Chancen auf eine Wiedereingliederung?

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  • Sehr geehrte Damen und Herren


    Gerne würde ich Ihre Meinungen und Einschätzungen zu folgendem Thema hören.


    Ich bin 28 Jahre alt und bin nun über 2 Jahre krank geschrieben. Nach einem Burnout und den Folgen von übermässigem Alkoholkonsum musste ich meinen Job in der Gastronomie aufgeben. Ich habe mich daraufhin in eine stationäre Therapie begeben. In der Thearpie habe ich viel gelernt und über mich selbst erfahren.


    Mir wurden neben dem Burnout und der Suchtetkrankung mehrere Diagnosen gestellt. Borderline-Persöhnlichkeitsstörung, Angst- und Panikstörung und schwere Depressionen.
    Dies war im Februar 2019. Ich habe nach dieser Nachricht noch 4 weitere stationäre Therapien zur Behandlung der eben genannten Diagnosen hinter mich gebracht und befinde mich bis zu heute in einer ambulanten Therapie.


    Da mir von meinem Hausarzt und drei weiteren Fachstellen diese Diagnosen bestätigt wurden, habe ich mich im Februar 2019 für eine Wiedereingliederungsmassnahme der IV angemeldet. Eine Wiederaufnahme meiner Tätigkeit in der Gastronomie wurde mir von allen Instanzen abgeraten und schriftlich bestätigt. Mehrere Arztberichte liegen der IV vor. Ich habe 1.5 Jahre auf einen Vorbescheid gewartet, welcher dann endlich kam und abgelehnt wurde.


    Begründung wäre ein nicht vorhandener IV relevanter Gesundheitsschaden. Ich wäre 100% in meinem gelernten Beruf arbeitstauglich. Diesen Vorbescheid habe ich natürlich mit einem Versicherungsanwalt angefechtet. Natürlich ist mir bewusst das dies nun wieder Monate dauern kann, bis ich die entgültige Verfügung der IV bekommen werde.


    Leider schlägt mir die ewige Ungewissheit sehr auf die Psyche. Es ist anzumerken das von der IV Stelle in diesen nun fast 2 Jahren keinerlei Bemühungen kamen, mich oder meine Situation kennenzulernen. Es gab weder ein persöhnliches Gespräch, noch sonst irgendwelches Intresse an meinem Fall.


    Meine Ärzte sind von der Gangart der IV empört und sind der Meinung, eine junge und motivierte Person wie ich sollte so schnell wie möglich betreut und wieder eingegliedert werden. Wie sehen Sie es? Habe ich eine Chance diesen endlosen Kampf zu gewinnen?Um mir die Warterei ein bisschen zu vereinfachen und andere Meinungen zu diesem Thema zu hören, verfassen ich diesen Beitrag. Auf Ihre Meinungen warte ich gespannt und wünsche Ihnen einen angenehmen Tag.


    Freundliche Grüsse

  • @Ironside92


    aus sicht der IV reicht es nicht aus, dass sie einfach verschiedene diagnosen haben. relevant ist der grad der gesundheitlichen einschränkungen, der damit verbunden ist und der grad ihrer arbeitsfähigkeit.


    deshalb folgende fragen:
    - welche einschränkungen besitzen sie bzw. welchen grad der arbeitsfähigkeit bzw. unfähigkeit besitzen sie und für welche tätigkeiten?
    - wer attestiert ihnen diese einschränkungen bzw. AUF? (ihr psychiater, ein gutachter, berichte aus den kliniken?)


    es mag etwas vermessen klingen, aber von der IV sollten sie nicht erwarten, dass diese auf sie zukommt. sie haben einen antrag gestellt und sie sollten sich bemühen, wenn sie von der IV leistungen erhalten wollen. fakt ist, bei der IV sind sie einer von vielen fällen und da wird klar priorisiert. offenbar hat ihr fall keine priorität und mit der ablehnung ihres antrages sieht das die IV wohl so. ob zu recht oder nicht, kann und will ich hier nicht beurteilen. was mir relevant erscheint ist, dass sie eine lösung finden.


    die entscheidende frage ist also, wenn sie arbeiten wollen, in welchem grad sie arbeiten können und in welcher tätigkeit?
    allenfalls noch eine frage vorweg: was ist ihnen wichtiger? den kampf mit der IV zu gewinnen oder wieder zu arbeiten?

    wenn sie von der IV keine unterstützung kriegen, dann können sie das anfechten. das dauert aber meist lange und es ist ihre zeit die verstreicht. mir kommen folgende optionen in den sinn:


    - bewerben sie sich auf jobs, welche sie machen können (aufgrund ihres grades der arbeitsfähigkeit und ihrer qualifikationen)
    - warten sie den entscheid ihrer einsprache ab (würde ich eher nicht machen weil sie wertvolle zeit vergeuden, also würde ich mich parallel um stellen bewerben oder ein anderes programm beanspruchen, allenfalls vom RAV?)
    - gehen sie aufs RAV und lassen sie sich dort zu ihrer situation beraten
    - gehen sie aufs sozialamt und lassen sie sich dort zu ihrer situation beraten; in der regel bietet das sozialamt die möglichkeit für jobs im geschützten rahmen wenn der IV entscheid noch hängig ist oder da unklarheiten bestehen
    - lassen sie sich von einer unabhängigen stelle wie pro mente sana, pro infirmis zu ihrer situation beraten
    - melden sie sich an für freiwilligenarbeit


    an ihrer stelle würde ich die option mit dem sozialamt wählen. da können sie wahrscheinlich rasch in eine tätigkeit einsteigen (verkauf im brockenhaus oder so), erhalten womöglich noch etwas geld und haben die möglichkeit ihre tagesstruktur aufzubauen und tätig zu sein und es überbrückt ihre zeit bis sie einen definitiven entscheid von der IV erhalten. denn sie müssen damit rechnen, dass dieser wieder negativ ausfällt. parallel würde ich mich auf dem RAV bzw. von einer unabhängigen stelle beraten lassen.


    ich hoffe meine ausführungen waren etwas hilfreich für sie.

  • @DamienS


    Herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort.


    Zu Ihren Fragen:


    - Ich bin momentan zu 80% Arbeitsunfähig geschrieben und war bis vor kurzem noch in einem 20% Arbeitsverhältnis ausserhalb der Gastronomie. (Ärztlich verordnet, wäre ein Wiedereintritt in die Gastronomie nicht zielführend) Leider wurde dieses angepasste Arbeitsverhältnis aufgrund Corona aufgelöst.Ich bin seit Beginn der Anmeldung für die Wiedereingliederung beim RAV gemeldet und werde nächsten Monat ausgesteuert.


    - Attestiert werden diese Einschränkungen von meinem Hausarzt, meiner Psychologin und diversen Berichten aus der Klinik.


    Es ist mir keinesfalls ein Anliegen „einen Kampf“ gegen die IV zu führen.Dennoch habe ich viele ärztliche und psychologische Meinungen, welche sich einig sind, dass ich Anspruch auf eine finanzierte Wiedereingliederung seitens IV habe.Von diesem Recht würde ich gerne Gebrauch machen, um schnellstmöglich wieder ein vollständiges Mitglied der Gesellschaft zu werden.

  • Für Ihre Ratschläge bezüglich weiterem Vorgehen bin ich Ihnen sehr dankbar und ich werde einige davon im Erwägung ziehen.


    Freundliche Grüsse

  • Ihre Chancen bei uns in der Schweiz stehen generell schlecht, wegen des überhohen Leistungsdrucks in Branchen in denen Arbeit unterdurchschnittlich bezahlt wird.
    Wieso nicht das das EU-Freizügigkeitsabkommen mal umgekehrt nützen und z.B nach Portugal
    gehen, wenn Corona bewältigt ist ?
    Diese Nation hat eine der niedrigsten Depressionsraten und einen der niedrigsten Alkohol-Konsumraten. Den Preis in purer Lebensfreude, den viele bei uns für den Schweizer Wohlstand und den angeberischen Wegwerf-Konsumismus zahlen müssen, bewältigt nicht jeder.
    Nach der Regeneration, Stärkung und der Lebenserfahrung in einer ärmeren aber gesünderen Nation, kann man sich qualifizierter entscheiden, wo man sich Eingliedern möchte.


    Lassen sie sich nicht verunsichern.