Neuentwicklungen bei Psychopharmaka?

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  • Ich bin seit einem Jahr in stationären klinikaufenthalten und habe auch einiges an Medis schon probiert. Ich leide unter einer generalisierten Angststörung, habe lyrica, risperidon, remergil und temesta aktuell. Ich habe auch einen Diazepamentzug von 7 Monaten hinter mir, zwei Wochen clean, dann gings mit dem Temesta weiter.


    Meine Frage ist, gibt es irgendwo da draussen bereits neue Ansätze sowohl medikamentös als auch alternativ (sowas wie rzms) bei generalisierter Angststörung? SSRIS und SNRIs vertrage ich leider nicht und dann hörts auch schon auf. Gefühlt gibt es seit min. 30 Jahren nichts gross neues auf dem AD Markt.


    Wie seht ihr das?

  • Sonnenschein80


    also es gibt neue ansaetze, aber die sind halt noch in der entwicklung. spezifisch spreche ich von psychotropen substanzen, die derzeit an zig instituten beforscht werden.


    meine frage ist: wenn sie eine generalisierte angststoerung haben, weshalb sie dann an antidepressiva interessiert sind?


    haben sie mal ein quantitatives eeg gemacht um zu sehen welche gehirnbereiche unter- bzw. überstimuliert sind? je nachdem und dem symptomkomplex empfehlen sich da andere medikamente.


    ihr aktuelles regime ist sehr breit gestreut was die verschiedenen transmittersysteme angeht und ich frage mich ob das sinn macht!? welche dosis je medikament nehmen sie ein? und helfen ihnen diese?


    wie aeussert sich ihre gen. angststoerung, welche symptome sind belastend bzw. worin liegt ihre einschraenkung? und sind das die einzigen symptome oder gibt es noch andere? welche? einschraenkung?


    zurueck zum ursprung. wissen sie woher ihre generalisierte angststörung kommt und wie trat diese auf? graduell oder plötzlich? machen sie eine psychotherapie? und was behandeln sie dort genau?


    unabhaengig von ihrem konkreten problem kann ich nicht gezielt therapien vorschlagen, da eine ursaechliche therapie am sinnvollsten ist aber die info zur ursache fehlt bzw. nicht genannt wurde.


    1st line: psychotherapie (z.b. schematherapie mit imaginationsübungen, die therapieform sollte auf jedenfall auf ihre bedürfnisse abgestimmt sein)


    2nd line: medikamentöse unterstützung wenn sie im alltag nicht ohne funktionieren koennen. da gibt es eine breite palette, die aktuelle medikation sollten sie überprüfen und im hinblick auf den symptomkomplex ausrichten.


    alternativen: entspannungsverfahren wie PMR, autogenes training, meditation


    rtms, neurofeedback, tdcs,


    daneben unbedingt alle körperlichen ursachen ausschliessen wie schilddrüsenunter- und -überfunktion, diabetes, kardiovaskuläre erkrankungen, hormone, etc.


    ich hoffe meine ausführungen waren etwas hilfreich fuer sie.

  • Hallo DamienS,


    vielen Dank für die sehr hilfreiche Ausführung und auch die etwaigen Nachfragen. Das kenne ich so gar nicht aus meinen Forenerfahrungen heraus, dass so individuell nachgefragt wird.


    Meine aktuelle Medikation sieht so aus:


    Temesta 1,0 mg
    Pregabalin 225 mg
    Risperidon 1 mg
    Remeron 15 mg


    Zufrieden bin ich damit nicht. Ich leide immer noch unter der Angststörung, den vielen Stimmungsschwankungen und der Depression. Seit zwei Tagen scheint es sich ein bisschen zu stabilisieren, jetzt soll mir aber bereits Montag wieder 0,5 mg Temesta reduziert werden, um eine erneute Abhängigkeit zu vermeiden. Jedoch glaube ich (nehme Temesta jetzt seit 3 Wochen), dass ich bereits schon wieder in der Abhängigkeit drin bin. Weil letztendlich denke ich, ist es egal, ob ich vorher vom Diazepam abhängig war und jetzt Temesta nehme. Abhängig bin ich so und so. Da könnte man den Entzug vom Temesta auch langsam machen.Ich will vor allem nicht schon wieder in diese suizidale Ecke abrutschen. Das hatte ich jetzt lang genug. Dass es mir seit zwei Tagen besser geht, könnte daran liegen, dass ich noch 1 mg Temesta habe, aber auch dass das Remeron so langsam wirkt. Das habe ich jetzt seit 10 Tagen in der Dosis. So langsam habe ich das Gefühl, nicht mehr zu denken, alles ist aussichtslos, ich käme da nie wieder raus usw.. Aber es wird sich zeigen.


    Durch die verschiedenen Klinikaufenthalte der letzten 11 Monate haben sich diese Medikamente angesammelt. Am liebsten wäre es, wenn ich nur noch mit dem Remeron irgendwann dastünde. Am schlimmsten finde ich Temesta und Pregabalin. Beide abhängig machend. Aber ich weiss nicht, wie ich das anpacken soll. Am liebsten wäre mir ein betreuter Entzug in einer Klinik, wo ich endlich heilen kann. Aber leider nehmen die Psychosomatischen Kliniken einen mit diesen Medikamenten nicht auf in Deutschland und wenn, dann wird daran nichts verändert.


    Ich kam auf die Antidepressiva, weil die deutschen Leitlinien das auch so vorgeben. Ich habe bereits als SSRI das Fluoxetin und als SNRI das Duloxetin ausprobiert. Vor 20 Jahren auch Paroxetin und wurde bei meiner damaligen Episode mit dergleichen Symptomatik mit 300 mg Seroquel und 1000 mg Valproatsäure eingestellt. Damit konnte ich damals auch den Tavorentzug stabil entlassen. Leider will man mich heute nicht mehr auf diese Medikamente einstellen, da ich unter einer Leukopenie leide.


    haben sie mal ein quantitatives eeg gemacht um zu sehen welche gehirnbereiche unter- bzw. überstimuliert sind? je nachdem und dem symptomkomplex empfehlen sich da andere medikamente.


    Es wurden viele EEGs damals wie heute gemacht, da ich Spitzen habe. Aber da wurde immer nur halt nachgeschaut, ob ich ggf. einem Anfallsleiden unterliege. Raus kam dabei nicht mehr. Deswegen vielleicht auch damals die Valproatsäure. Ich hatte die beiden Medikamente von 2000 bis 2006, dann konnte ich sie absetzen und war bis Ende 2019 symptomfrei.


    wie aeussert sich ihre gen. angststoerung, welche symptome sind belastend bzw. worin liegt ihre einschraenkung? und sind das die einzigen symptome oder gibt es noch andere? welche? einschraenkung?


    Todesangst. Katastrophen bis zum geht nicht mehr. Angst davor, Entscheidungen zu treffen, die vor allem gefühlt immer über Leben und Tod entscheiden. Es ist grässlich. Ich habe einfach keinen Abstand zu den Ängsten. Bin in diesem Strudel gefangen, weine viel und verzweifelt und denke, dass mir keiner helfen kann. Das hatte ich auch damals vor 20 Jahren schon so. Ich bin auch sehr stark auf Medikamente fixiert, weil ich hoffe, wieder eine Kombination wie vor 20 Jahren zu finden, was mir Linderung verschafft. Damals hat es auch hauptsächlich mit Medikamenten funktioniert.


    zurueck zum ursprung. wissen sie woher ihre generalisierte angststörung kommt und wie trat diese auf? graduell oder plötzlich? machen sie eine psychotherapie? und was behandeln sie dort genau?


    Seit knapp einem Jahr bin ich nur in Kliniken. Im Endeffekt laufe ich seitdem im instabilen Modus herum. Hier wurde vor allem verhaltenstherapeutisch gearbeitet. Viel ACT wurde gemacht. Aufgetreten ist die Angststörung am Anfang als Panikstörung, das war schon vor 20 Jahren so. Dann steigerte sich das irgendwann zu einer generalisierten Störung und dann kam ich damals wie heute in die Klinik. Dort wurde dann viel rumprobiert, Temestaentzüge mehrfach inklusive, die alles noch schlimmer gemacht haben. Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass die Medikamentenprobiererei alles nur verschlimmert hat. Ich will endlich mal Ruhe. Ich habe das Gefühl, dass die Medikamente es mir nicht erlauben, gegen die Angst vorzugehen, weil ja überall gesagt wird, dass Medikamente die Angst nur dämpfen. Um aber richtig damit arbeiten zu können, müsste man ungedämpft sein. Nur wie soll ich jetzt weiterarbeiten damit? Jetzt hänge ich nun mal an den Medis und muss schauen, wie ich damit klarkomme.


    daneben unbedingt alle körperlichen ursachen ausschliessen wie schilddrüsenunter- und -überfunktion, diabetes, kardiovaskuläre erkrankungen, hormone, etc.


    Schilddrüe ist einwandfrei, habe ich erst letztens nochmal genauer überprüfen lassen. Hormone ist noch so eine Sache, zumal ich merke, dass ich um die Periode herum besonders mit Depression zu kämpfen habe. Am 1.7. habe ich einen Termin beim Endokrinologen. Mal sehen, was der sagt.


    Ich bin ja aktuell wieder in einer Klinik. Hier wird wieder verhaltenstherapeutisch gearbeitet, aber irgendwie bringt mir das gar nichts. Auch die Medikamente werden nicht sauber angeschaut, weil der Fokus laut Klinik woanders liegt. Jetzt bin ich am Überlegen das Ganze ab Montag abzubrechen. 3 Wochen war ich dann dort und was hat es mir gebracht? Ich hänge wieder am Temesta. Am 7.7. habe ich einen Aufnahmetermin in einer Uniklinik. Dort wird auch Rtms usw. gemacht gemacht. Ich hoffe, das wäre ein weiterer Ansatzpunkt, auch wenn ich auf Basis meiner Erkrankung auch davor Angst habe.

  • Noch kurz zu mir... ich bin 40, weiblich, stand die letzten 20 Jahre fest im Ausbildungs- und Berufsleben. Habe es allerdings in den Jahren 2017 und 2018 dermaßen mit der Arbeit übertrieben, dass ich wohl nach meinem Weggang Mitte 2019 aus der Firma in eine Depression rutschte, die dann auch zur Panikstörung geführt hat, weil ich einfach nicht mehr stabil war. Das hat mich voll erwischt und bis heute hält mich der ganze Mist gefangen. Mitte 2020 bin ich dann in die erste Klinik von vielen, bis heute noch nicht aus der Spirale rausgekommen. 2000 war ich ebenfalls 5 Monate in der Klinik, aber damals wars dann auch gut.

  • @Sonnenschein80


    vielen Dank für die sehr hilfreiche Ausführung und auch die etwaigen Nachfragen. Das kenne ich so gar nicht aus meinen Forenerfahrungen heraus, dass so individuell nachgefragt wird.


    Es gibt in diesem Forum Teilnehmer, welche differenzierter über eine Problematik nachdenken. Und sich da auch äussern.


    Ich selbst kann hier im Thread kaum etwas beitragen. Ich bin nicht vom Fach.


    Aus den Beiträgen von @DamienS konnte ich aber auch schon diverse nützliche Informationen entnehmen.


    Ich werde hier noch etwas weiter mitlesen.


    Ich hoffe, dass sie im Forum auch Informationen bekommen, die ihnen weiterhelfen können.


    Soweit mal: Alles Gute!

  • @Sonnenschein80


    Ich muss noch einmal wiederholen, dass ich nicht vom Fach bin. Aber ich habe den Eindruck, dass sie "übermedikamentiert" wurden.

  • Den Eindruck habe ich auch, trotzdem ist es noch nicht so, dass ich mich halbwegs gut fühle. Das Temesta wird ausgeschlichen, beim Pregabalin sind wir auch schon runtergegangen vor kurzem. Das Remeron habe ich erst seit Kurzem, einfach, weil ich aus der Depression nicht rausgekommen bin. So langsam merke ich da einen Effekt und hoffe, damit dann die anderen Sachen loszuwerden. Insgesamt bin ich extrem ängstlich, was die Medikation anbelangt. Ich wünschte, es gäbe einen Reset. :,-(

  • Sonnenschein80


    Mir ist der ganze Medikamentencocktail einfach suspekt.


    Ich weiss nicht, ob das wirklich zielführend ist/ sein kann. Dieser Cocktail deckt eine Bandbreite ab, dass ich ihn als einen "Rundumschlag" bezeichnen würde. So ein Rundumschlag mag als Intervention bei einer relativ neu aufgetretenen akuten Krise notwendig sein, weil einfach nicht klar ist, was genau zur Krise führt(e). Und man dann einfach mal dafür sorgen muss, dass Patient nicht überschiesst. Das primäre Ziel ist dann einfach eine Beruhigung der akuten Situation. Salopp ausgedrückt.


    Doch eine mittel- bis langfristige Therapie mit diesem Cocktail scheint mir nicht zielführend zu sein. Da müsste ein sehr komplexes Krankheitsbild vorliegen.


    Zu ihrem Krankheitsbild haben sie bisher nicht viel geschrieben. Und vielleicht wollen sie hier auch nicht mehr schreiben. Es wird dann schon sehr persönlich.


    Mir persönlich sind auch die "Benzos" der grösste "Dorn im Auge". Medikamente die physisch abhängig machen, können eine zusätzliche Schwierigkeit einbringen. Sind für mich also die erste Wahl, um sie wieder abzusetzen. Das möglichst schnell. Aber beim Absetzen muss man allenfalls sehr langsam vorgehen. Hier ist aus meiner Sicht das richtige Terminieren das A&O. Dazu kann sie wohl DamienS recht gut beraten.


    DamienS hat dazu auch einen Thread eröffnet. Da könnten sie weitere Informationen finden: https://www.beobachter.ch/fore…fklarung-literatur-e.html


    Sie haben geschrieben, dass sie SRNI nicht vertragen. Wie hat sich das bei ihnen geäussert?


    Eine befreundete Person hatte mal eine schwere Krise. Und ein SRNI hat ihm dabei geholfen wieder aus der Krise zu kommen. Er hatte aber praktische keine Nebenwirkungen feststellen können. Trotz einer zeitweise recht hohen Dosierung.

  • Transmitter


    Wahrscheinlich habe ich den Cocktail genau deswegen, weil ich seit 1 Jahr instabil mit vielen Heulattacken und Dekompensationen rungelaufen bin.


    Zum Krankheitsbild... ich wurde in der letzten Klinik mit generalisierter Angststörung, schwerer Depression, Somatisierungsstörung und Zwangsstörung entlassen. Von der Zwangsstörung (Grübelzwang) halte ich nicht so viel. Sucht wurde mir auch noch nachgesagt, da ich zwanghaft über Krankheiten und Medikamente google. Ich will mir im Endeffekt aber nur helfen und habe das Gefühl, von den Ärzten nicht ernst genommen zu werden. Deswegen fühle ich mich nicht sicher, google nach, um eine Lösung des Problems zu finden.


    Wegen des SNRIs ...ich hatte Duloxetin bei 30 mg und bekam Harnverhalt. Konnte es deswegen leider nicht weiternehmen.

  • Sonnenschein80


    Hi.


    Also wenn ich mal anfange etwas zu googeln... speziell im Gesundheitsbereich... dann werde ich krank vor lauter googeln.... Lach.


    Ich würde da mal etwas zurückschrauben.


    Dass sie selbst nach möglichen Lösungen suchen, halte ich hingegen eigentlich für eine gesunde Einstellung.


    Zur genannten Nebenwirkung von Duloxetin muss ich aber auch noch was googeln.


    Bis später wieder....

  • Das ist auch mein Thema, ich kann es jetzt ein bisschen leichter humorvoller sehen, aber die letzten Monate war es der Horror. Dieses zwanghafte gegoogle... ich kenne mich allerweil mit allen Nebenwirkungen und AD Medikamenten aus und stehe ratlos da. Das ist aber wie ein Zwang, das mit dem zurückschrauben hat nicht wirklich funktioniert.:-(

  • @Sonnenschein80


    nur kurz, da ich gleich noch zum essen verabredet bin, ich sehe ihre problematik ist "komplexer" wie die informationen die in der eingangsfrage präsentiert wurden. das habe ich daraus eigentlich auch vermutet. ich werde mir zu ihrer problematik noch eingehend gedanken machen, da mir derzeit auch noch nicht klar ist, welche problematik mit erster priorität behandelt werden soll, damit sie wieder boden unter den füssen kriegen können. und ohne ihnen zu grosse hoffnungen machen zu wollen, denke ich wir werden hier etwas im dialog bleiben müssen. das internet ist ein fantastisches medium aber macht es manchmal auch etwas herausfordernder, da der direkte kontakt fehlt. nichts desto trotz bin ich überzeugt, dass es möglichkeiten gibt die ihnen helfen können.


    sie würden mir helfen, wenn sie ihre beschwerden auflisten mit frequenz und intensität und wenn sie können, wie stark sie diese belasten und welche strategien sie für den umgang damit haben und ob diese erfolgreich sind oder nicht.


    da sie offenbar in deutschland wohnen, kenne ich nicht alle gesetzlichen bzw. von der krankenversicherung übernommenen therapien und für welche sie eine zusatzversicherung benötigen oder selbstzahler sind. da ist die frage, ob sie sich auch "alternativen" selber leisten könnten.


    wurde in den monaten in den kliniken ein versuch mit EKT gemacht?


    gibt es noch andere gründe abgesehen von der leukopenie, warum sie gewisse medikamente nicht mehr erhalten?


    der vollständigkeit halber, habe ich ihnen noch einen anamnesebogen unten eingefügt, vielleicht gibt es da noch relevante punkte. ich wäre ihnen dankbar, wenn sie den kurz durchgehen könnten und falls es etwas gibt was relevant sein könnte zu deklarieren.


    vielen dank und bis später!


    Anamnesebogen


    wie alt sind sie?
    wie gross sind sie?
    wieviel wiegen sie?


    was ist/sind genau ihre beschwerden?
    1) z.B. atemnot (generell oder bei anstrengenden tätigkeiten wie treppenlaufen?)
    2) ...
    3) ...


    angaben zu den beschwerden:
    1) wo sind diese lokalisiert?
    2) wann haben diese angefangen und sind sie konstant oder abwechselnd, graduell oder plötzlich aufgetreten?
    3) wie fühlen sich die beschwerden an?
    4) gibt es mit den beschwerden noch andere, damit assoziierte beschwerden?
    5) folgen die beschwerden einem zeitlichen schema? z.b. am morgen schlimmer, am abend weniger etc.?
    6) gibt es faktoren, welche die beschwerden schlimmer machen oder die beschwerden lindern? welche?
    7) wie schwer sind die beschwerden auf einer skala von 1-10 (1 sehr leicht bis 10 sehr schwer)?
    alternativ, welche einschränkung besteht dadurch in ihrem leben?


    krankengeschichte:
    haben sie irgendwelche anderen erkrankungen? wenn ja, welche?


    medikamente und allergien:
    1) nehmen sie irgendwelche medikamente, auch selbstgekaufte und pflanzliche arzneien oder nahrungsergänzungsmittel? wenn ja, welche und wie oft bzw. in welchen dosen?
    2) haben sie irgendwelche allergien oder unverträglichkeiten? wenn ja, welche?


    familienanamnese:
    gibt es in ihrer familie irgendwelche erkrankungen mit chronischem charakter?
    gibt es in ihrer familie irgendwelche genetischen faktoren mit oder ohne krankheitswert?


    sozialanamnese:
    konsumieren sie irgendwelche substanzen oder drogen (rauchen, alkohol, cannabis, cocain etc.)?
    wie sieht ihr soziales umfeld aus?
    gibt es irgendwelche stressfaktoren in ihrem momentanen leben? (jobverlust, krankheit eines familienangehörigen, prüfungen, etc.)


    systemüberblick:
    leiden oder litten sie je an:
    - kardiovaskulären problemen?
    - problemen mit der atmung?
    - magen-darm problemen?
    - neurologischen problemen?
    - genital sowie problemen mit dem urinieren oder den nieren?
    - muskel oder skelettalen problemen?
    - psychischen problemen?

  • Sonnenschein80


    SSRNI ist eigentlich ein Oberbegriff für verschiedene Medikamente. Die aber auf dem gleichen Wirkprinzip beruhen. (Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer). So weit ich es weiss , gibt es da ober doch rechte Unterschiede bei den einzelnen Medikamenten. U.A. eben bei der "Verträglichkeit".


    Duloxetin wird auch zur Behandlung von Inkontinenz angewendet. Es scheint da speziell zu wirken. Das wäre dann die Erklärung dafür, dass sie mit Harnverhalten reagierten. Was ansonsten keine typische "Nebenwirkung" wäre. Sondern eigentlich etwas eher die gewünschte Therapeutische. Natürlich muss die Dosierung entsprechend eingestellt werden.


    Dass es bei SSRNI zu einer inneren Unruhe und damit auch zu Schlafproblemen kommen kann, ist allerdings nicht so ungewöhnlich. Das ist meist aber nur am Anfang der Therapie der Fall. Es pendelt sich nach einer gewissen Zeit bei den Meisten wieder ein.


    Von der anfänglich gesteigerten inneren Unruhe sprach die befreundete Person auch schon. Es hätte sich allerdings durchaus im Rahmen gehalten. Und die Vorteile hätten klar überwogen. Bezüglich Schlafproblemen hatte er aber kaum etwas sagen können. Denn er hatte schon vor der Einnahme massive Schlafprobleme. Bekam das dann auch wieder in den Griff. Trotz, oder auch gerade wegen dem Medikament. (Wirkstoff Venlafaxin).


    Wenn sie aber auf Mirtazapin gut ansprechen, dann macht es auch keinen Sinn auf ein SSNRI zu wechseln.


    Ich würde mich darauf konzentrieren Temesta zu reduzieren und wenn möglich ganz weg zu lassen. Eventuell könnte man das Mirtazapin während dem Entzug von Temesta etwas höher dosieren. Aber das müssten sie auf jeden Fall mit den behandelnden Ärzten besprechen.


    Mir ist hauptsächlich der Cocktail von mehreren Medikamenten unsympathisch. Es wird hier immer unklarer, was wie wirkt und wie allenfalls Wechselwirkungen stattfinden.


    LG.

  • Sonnenschein80


    Im Weiteren empfehle ich unbedingt mal den Anamnesebogen von DamienS durchzuarbeiten. Wenn ihnen dabei etwas Bestimmtes auffällt, dann fragen sie bei ihm nach.


    Und dazu noch ein Tip von mir:


    Ich würde den Bogen dann mit Datum versehen ablegen. Und nach einer gewissen (längeren) Zeitspanne den Bogen erneut ausfüllen, ohne im alten Bogen nachzuschauen. Danach aber vergleichen, ob sich etwas verändert hat. (In ihrer Selbstwahrnehmung).


    LG.

  • @Sonnenschein80


    Ich weiss nicht, ob sie die Frage von @DamienS überlesen haben.


    meine frage ist: wenn sie eine generalisierte angststoerung haben, weshalb sie dann an antidepressiva interessiert sind?


    Das ist aus meiner Sicht nämlich eine wichtige Frage.


    Die beiden Krankheitsbilder für sich, stehen meist in einer Wechselwirkung. Wenn sich die Wechselwirkung mal etabliert hat, ist es sehr schwierig zu unterscheiden, was wie wirkt. Es ist nur noch ein Durcheinander.


    Doch aus meiner Sicht ist es therapeutisch von Bedeutung, dass sie versuchen sich an ihre ganz individuelle Krankheitsgeschichte zu erinnern.


    Sie werden dabei wahrscheinlich an die berühmte Frage kommen: Was war zuerst? Das Huhn oder das Ei.


    das hinterlistige an dieser frage ist, dass es gar nicht so wichtig ist, ob sie diese frage irgendwann mal schlüssig beantworten können. (Letzters wäre ein nicht zu erwartender Zufall.


    Es geht darum das sie erkennen welcher Dynamik sie unterliegen, in Aktion und Reaktion, zwischen diesen Krankheitsbildern.


    Was ist dominanter? Angststörung oder Depression?


    Wenn sie eine Dominanz erkennen können, dann sollten sie dort zuerst ansetzen.

  • wie alt sind sie? 40 Jahre
    wie gross sind sie?
    1,76 m
    wieviel wiegen sie?
    60 Kilo


    was ist/sind genau ihre beschwerden?
    1) Angzustände, Sorgen um meine Gesundheit, um die Medikamente, dass sie mich kaputt machen, gleichzeitig glaube ich, dass nur sie wie vor 20 Jahren helfen können, wieder aus dieser Situation rauszukommen
    2) Depression - lebensmüde Gedanken, das wird nicht mehr, ich werde nie wieder so arbeiten können wie davor, ich werde nie wieder so leben können wie davor. Diese Gedanken hatte ich auch vor 20 Jahren.
    Was zuerst da war? Ich nehme an, die Depression. Wenn ich dann von der Depression instabil bin, kommen die Panikattacken, somit die Panikstörung und daraus entsteht dann die generalisierte Angststörung. Wieso ich auf Antidepressiva losgehe? Weil ich hoffe, dass mit der depressiven Stimmungsveränderung, auch die Ängste weniger werden.


    angaben zu den beschwerden:
    1) wo sind diese lokalisiert? Viel weinen, viel Verzweiflung, Angst - mein Körper ist durch die vielen Medikamente eigentlich ziemlich ruhig. Als das Diazepam weg war, entstand diese körperliche Schwäche. Ich fühlte mich kraftlos. Unter Tavor ist die Kraft gefühlt wieder da.
    2) wann haben diese angefangen und sind sie konstant oder abwechselnd, graduell oder plötzlich aufgetreten? November 2019, nachdem ich im September aus meinem überfrodernden Job ausgestiegen bin, kamen die ersten Panikattacken. Das war auch 2000 so. Das Abitur vorüber, mich sehr viel verausgabt, dann Loch gefallen (was jetzt, wo geht es hin?) und dann kamen die Panikattacken.
    4) gibt es mit den beschwerden noch andere, damit assoziierte beschwerden?
    Die depressiven Gedanken sind vorhanden. Angst vor der Zukunft, wird es wieder werden?
    5) folgen die beschwerden einem zeitlichen schema? z.b. am morgen schlimmer, am abend weniger etc.? Ich habe schon das Gefühl, dass es schwankt. Hängt auch mit der Temestaeinnahme zusammen. Aktuell noch zweimal am Tag, morgens und abends. Dazwischen geht es schlechter, die Ängste kommen und auch die depressiven Gedanken.
    7) wie schwer sind die beschwerden auf einer skala von 1-10 (1 sehr leicht bis 10 sehr schwer)?
    alternativ, welche einschränkung besteht dadurch in ihrem leben? Aktuell bin ich immerhin fähig, irgendwie noch durch den Tag zu kommen. Einkaufen, Putzen, das geht aktuell wieder.


    krankengeschichte:
    haben sie irgendwelche anderen erkrankungen? wenn ja, welche?
    Außer der Leukopenie und den Spitzen im EEG nicht.


    medikamente und allergien:
    1) nehmen sie irgendwelche medikamente, auch selbstgekaufte und pflanzliche arzneien oder nahrungsergänzungsmittel? wenn ja, welche und wie oft bzw. in welchen dosen?


    Temesta 1,0 mg
    Pregabalin 225 mg
    Risperidon 1 mg
    Remeron 15 mg


    Vitamin D einmal wöchentlich


    familienanamnese:
    gibt es in ihrer familie irgendwelche erkrankungen mit chronischem charakter?


    Ich weiss nur, dass meine Oma mal mit ca. 40 eine Thematik mit der Schilddrüse hatte. Morbus Basedow. Das wird aber bei mir immer wieder abgeklärt und kam immer o.B.


    sozialanamnese:
    gibt es irgendwelche stressfaktoren in ihrem momentanen leben? (jobverlust, krankheit eines familienangehörigen, prüfungen, etc.)


    Ich müsste halt wieder arbeitsfähig werden, damit ich irgendwann wieder in meinen alten Job zurück kann. Mehr Probleme habe ich aktuell nicht.


    systemüberblick:
    leiden oder litten sie je an:
    - kardiovaskulären problemen? nein
    - problemen mit der atmung? nein
    - magen-darm problemen? ab und an Obstipation von den ganzen Medikamenten
    - neurologischen problemen? Spitzen im EEG
    - genital sowie problemen mit dem urinieren oder den nieren?
    - muskel oder skelettalen problemen? Skoliose
    - psychischen problemen? 2000 hatte ich diegleiche Situation, konnte mit Quetiapin und Valproatsäure gut aus dem Loch kommen.

  • Ich würde sagen, zuerst war immer die Depression, Angst vor der Zukunft, und dann kamen die Panikattacken, die sich irgendwann in eine generalisierte Angststörung entwickelte. Das mit der Stärke, was dominanter ist, kann ich gar nicht mehr sagen. Das vermischt sich. Ich glaube aber allerweil, wenn die Depression besser ist, ich zuversichtlicher bin, dann wird auch die Angst besser.

  • @Sonnenschein80


    Vielen Dank dafür, dass sie hier so offen und aufschlussreich antworten!


    Ich mache mir hier so etwas meine eigene Gedanken dazu.


    Aber jetzt möchte ich zuerst einmal @DamienS das Wort überlassen.


    (Ich arbeite nicht nicht im medizinischen Bereich und meine Kenntnisse sind beschränkt).