«Wissen Sie, wenn die alten Leute dement werden!»

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  • Hast du solche oder ähnliche Worte auch schon gehört als jemand älteres aus dem Kreis deiner Liebsten oder sonst nahestehenden Menschen sich nicht gerade so verhalten hatte wie die Gesellschaft es von ihm erwartete und er Hilfe gebraucht hätte?



    C-O-R-A

    Tags mit Threads von mir, die mich zurzeit vorwiegend beschäftigen

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    01-04-22 <- UMWELT <- KRIEG IN EUROPA  01-05-22 <- BILDSPRACHE <- FRAUEN  06-05-22 <- KRANKENKASSEN 15-05-22

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    Ich freue mich auf jede konstruktive Meinung von dir.

    Insbesondere auf jene der ehrlich-witzigen und/oder kritisch-konstruktiven Art.

  • Niva


    Ich weiss ihre Antwort zu schätzen.


    Meine Grossmutter litt an Alzheimer. Tatsächlich bekam ich solche Aussagen wie von C-O-R-A beschrieben, auch zu hören. Allerdings eingebettet in einen Kontext, der von Hilflosigkeit zeugte. Aber nicht abschätzig gemeint war.


    Abschätzige Reaktionen auf das etwas schwer verständliche Verhalten meiner Grossmutter kamen eigentlich immer auf einer "non verbalen" Ebene. Und von Personen die "unbekannt" waren.

  • Niva


    Ja, wurde gesagt.


    Was denkst du, wie so ein Mensch sich 14 Jahre später verhält? Glaubst du, dass ein Psychiater dann mit ihm noch ein halbstündiges Gespräch führt und keine Demenz diagnostiziert?



    C-O-R-A

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  • Niva schrieb:


    «Es ist schwierig, wenn ältere Menschen dement werden und sich nicht mehr richtig orientieren können. Alle fühlen sich hilflos und überfordert.»


    Und was machen sie dann? (Mit "sie" sind all die Anderen nicht die Dementen gemeint.)



    C-O-R-A

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  • @C-O-R-A


    Gute Frage im letzten Satz. Man ist echt hilflos, als Angehöriger, weiss nicht mehr was oben und unten ist und sucht Hilfe beim Arzt, welcher Medikamente verschreibt. Einige können etwas helfen, aber letztendlich beginnt wieder alles von vorne und es wurde ein über 200 Prozent Job, für meine Frau und mich. Wir versuchten abzulenken. 1'000 Franken in Zehnernoten in den Geldbeutel legen, damit Mutter es täglich "durchzählen" konnte. Geld war für sie wichtig, obwohl sie nie viel Geld im Leben hatte. Etliche Museum besuchen, Ausflüge machen, irgendwo eine Altstadt besuchen und wenn die Frage kam, habe ich eigentlich noch Geld - Schau in den Geldbeutel war stets unsere Antwort.


    Irgend einmal waren wir überfordert - Ale Abwechslung flogen wir mal fast 3 Wochen in die Südosttürkei in unsere damalige Wohnung. Sie fühlte sich wohl, alle Türken/innen gingen liebevoll mit Mutter um. In der Nacht durchwühlte sie auch dort die Schränke - Schlaftabletten nützten manchmal oder auch nicht. Durch Beziehung erhielt ich dann ein Narkotikum. Eine Tablette und sie konnte mal endlich über 8 Stunden durchschlafen. (Probierte es zuerst mal vor Verabreichung, selber aus und schlief fast 10 Stunden am Stück durch)


    Kaum war sie wieder in ihrer Wohnung in Zürich, rief sie die 117 an. Angeblich überfallen. Sie schilderte glaubhafte Geschichten der Polizei. Ein gutgemeinter Ratschlag, stadtärztlicher Dienst in Anspruch nehmen - ging auch nicht, 4-5 Versuche vorher. Einweisung in Psychiatrie geht auch nicht.


    Helfen konnte bezüglich Beratung Alzheimer in Bern etwas. Es ging einfach nicht mehr und endlich fanden wir ein Pflegeheim im Aargau.


    Habe die ganze Situation einfach mal etwas wirr zusammen gefasst - den man kann es als Angehöriger kaum schildern, was man mit dement Kranken durchmacht.

  • mupli


    Ich weiss und glaube dir ohne jeden Zweifel, dass du und deine Frau alles in eurer Macht stehendes unternommen habt um deiner Mutter zu helfen. Ihr habt das bestens gemacht und mehr konntet ihr für deine Mutter leider nicht tun. Deine Mutter litt offensichtlich an einer der pathologischen Formen von Demenz, die auch die moderne Medizin nicht heilen kann.



    C-O-R-A

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  • Das ist bei allen medizinischen Diagnosen so und das kann manchmal störend sein, weil damit die Sicht auf andere möglichen Problemquellen verstellt wird.

    Ich weiß nicht, ob Sie aus Deutschland oder aus der Schweiz sind. Soweit ich weiß, konsultiert man in Deutschland einen Psychiater primär zum Verschreiben von Medikamenten. In der Schweiz sind Psychiater meist auch Psychotherapeuten. Bei diesen Gesprächen geht es darum, eine therapeutische Allianz zu ermöglichen und gemeinsam eine Lösung zum Problem zu finden. Und wenn es dabei um Demenz geht, dann wird versucht, einen Weg zu finden, damit umzugehen.

  • Niva schieb:


    «Ich weiß nicht, ob Sie aus Deutschland oder aus der Schweiz sind.»


    In der Schweiz werden Diagnosen mit einem internationalem Code versehen.
    Z.B. F32.1 Mittelgradige depressive Episode. Die Codes rund um Demenz kenne ich nicht.


    Dem Menschen, dem das (Vor-)Urteil von nicht ärztlichen Fachpersonen im Satz
    «Wissen Sie, wenn die alten Leute dement werden!» galt, haben in seinen letzten 18 Jahren irdischen Daseins nachfolgend aufgeführte medizinische Fachpersonen nie irgendeine pathologische Form von Demenz diagnostiziert:

    • zwei verschiedene Ärzteteams (PsychiaterInnen) während seinen zwei Aufenthalten in einer Psychiatrischen Klinik;
    • die Psychiaterin, die ihn als Psychotherapeutin jeweils nach den Aufenthalten betreute;
    • die Psychiaterin, die ihn aufgrund von Insomie mit Benzodiazepinkonsum (Temesta) behandelte;
    • der Psychiater, der mit ihm ein Gespräch führte als er im Akutspital palliativ betreut wurde.


    C-O-R-A

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  • Niva schieb:


    « ... Und wenn es dabei um Demenz geht, dann wird versucht, einen Weg zu finden, damit umzugehen.»


    Was ist damit gemeint?



    C-O-R-A

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  • @C-O-R-A


    Zu der ersten Frage; wie weiss man, dass ältere Leute dement werden ? Eine sehr interessante Frage.


    Man merkt es anfänglich gar nicht. Nicht nur bei meiner Mutter, sondern auch der Sohn sagte kürzlich, über seinen inzwischen verstorbenen Vater, dass Demenzkranke echte Meister sind alles zu überspielen. Schleichend fängt es an. Bei meiner Mutter wurde einmal das Festnetztelefon abgeschaltet. Natürlich war wie sich herausstellte nicht nur die Rechnung sondern auch die Mahnung unbezahlt geblieben. Ich sprach meine Mutter darauf an und sie meinte, ja die Rechnung sei zwar gekommen, aber sie wisse nicht mehr wo diese liegt. Kann vorkommen. Dann fing sie an ihre Wäsche, Kleider und Bettbezüge in der Badewanne an zu waschen. Aufgefallen ist mir, dass überall Wäsche aufgehängt war in der Wohnung. Mutter sagte es sei einfacher so, weil sie nicht mehr nach unten gehen müsse (Lift) und sich Bewohner eintragen auf dem Plan. Das ärgere sie.

  • mupli


    Das kann ich jetzt sehr gut nachvollziehen.


    Auch bei meiner Grossmutter, war das im Anfangsstadium kaum zu erkennen, dass sie Dement wurde. Wir dachten zuerst es sei einfach eine normale Alterserscheinung. Etwas gefestigter in ihren speziellen Eigenheiten und Ansichten, welche speziell uns Enkelkindern gelegentlich auch mal etwas komisch vorkamen. Aber das schoben wir zuerst mal dem sogenannten "Generationenkonflikt" zu. Wir wuchsen ja in einer anderen Zeit auf. Und setzten unsere Prioritäten halt etwas anders als die Grossmutter. Und so kamen uns ihre Ansichten dann gelegentlich etwas antiquiert und schräg vor.


    Und das mit der Vergesslichkeit sahen wir sowieso als eine Kinderkrankheit. Darin waren wir schon als Kleinkinder rekordverdächtig :)


    Da meine Eltern beide berufstätig waren, assen wir unser Mittagessen jeweils bei der Grossmutter. Und sie war eigentlich eine recht gute Köchin. Zu der Zeit als es ihr noch gut ging.


    Doch dann versalzte sie mal ein Essen so, dass es ungeniessbar war. Sie selbst ass aber eisern weiter und behauptete steif und fest, es sei doch alles gut. Wir liessen das Essen stehen und gingen hungrig zur Schule. Am Abend erzählten wir es den Eltern. Das stehen gelassene Essen und die Magenverstimmung von Grossmutter bekräftigten dann wohl unsere Aussage genug.

  • Teil 2:


    So nahmen wir dann alle 2-3 Wochen die Schmutzwäsche mit und erledigten dies. Sie hatte auch gute langjährige Nachbarn welche für Mutter viele Dinge erledigten. Auch unsere Kinder besuchten sie oft, vor allem wenn wir wieder im Ausland waren.


    Auch der Vater meines Freundes fand einmal seinen Vater auch den Rücksitzen mit dem Autoschlüssel in der Hand. Auf seine Frage, wohin er fahren wolle, sagte er in das Dorf runter. Auf die Frage, warum nicht am Steuerrad, kam eine eigenartige Antwort. Es folgten noch mehrere solche kleine "Müsterli". Glücklicherweise stand bald ein Arztbesuch an. Mein Freund erzählte dann dem Arzt ein paar Ungereimtheiten seines Vaters. Diagnose war dann nach Tests Alzheimer.


    Wir kamen zum Schluss, dass wir unsere betagten Eltern einfach nicht bevormunden und belehren wollten, da wir ja alle mal vergesslich sind. Wie erwähnt Demenz kommt oft sehr schleichend. Irgendwann muss man einfach die Notbremse ziehen, was nicht einfach ist. So direkt darf man es nicht ansprechen, sonst ist das Vertrauen futsch.


    Beide Geschichten, meine Mutter und der Vater meines Freundes begannen vor 15 Jahren. Es war echt schwierig damals eine Beratungsstelle Alzheimer/Demenz zu finden. Diese Krankheit war damals noch nicht so verbreitet.

  • @Rodizia


    Danke für Feedback. Ja, bald kommen immer mehr Unregelmässigkeiten hinzu. Es dauert nicht so lange bis 24/7 Betreuung notwendig ist. Für diese Angehörigen Arbeit bezahlt die Krankenkasse im Gegensatz zu Deutschland nichts. Nicht einmal die Spesen übernimmt die KK. So bleibt schlussendlich nur das Pflegeheim, wo dann nur für die Pflegekosten monatlich über 3'000 Franken von der Krankenkasse diese Kosten übernommen werden (nebst selber getragenen Pensionskosten).

  • mupli


    So direkt darf man es nicht ansprechen, sonst ist das Vertrauen futsch.


    Das scheint mir ein ganz wesentlicher Punkt zu sein.


    Hier ist wirklich etwas Fingerspitzengefühl angesagt. Und damit tun sich praktisch alle Laien schwer. Obwohl sie ja vielleicht einfach nur das Beste wollen.


    Und hier kann ich Angehörigen nur raten, sich so schnell wie möglich mal selbst beraten zu lassen. Bevor sie in einen Aktionitis verfallen, der zwar gut gemeint ist, aber völlig kontraproduktiv wirken kann.


    Die Beratung ist in der Zwischenzeit besser zugänglich geworden.


    Es zeigt sich nach offiziellen Statistiken, dass sich die Fälle von Demenz in den letzten paar Jahrzehnten immer mehr häufen. Die genaue Ursache für diesen Anstieg ist unbekannt.


    Das betreffende Mittagessen von @Rodizia fand übrigens vor mehr als 4 Jahrzehnten statt. Damals gab es praktisch keine Hilfsangebote für Betroffene und Angehörige.

  • @mupli


    Auch Danke für ihr Feedback.

  • @mupli


    Das Thema Heimpflege versus Hauspflege wurde im Forum auch schon mal aufgegriffen.

  • @mupli


    Hinweis:


    Ueli der Schreiber, also der Klassensprecher der Gruppe Transmitter, kannte meine Grossmutter persönlich.

  • @mupli


    Er lernte meine Grossmutter allerdings erst dann kennen, als sie bereits hochgradig dement war. Und spielte eine Zeit lang das 24/7 Wachhund-Spiel mit ihr.


    Natürlich nicht Alleine. Aber gerne.

  • Ich hatte Sie gefragt, ob Ihnen das gesagt wurde und Sie haben das bejaht. Deshalb bin ich etwas verwirrt von Ihrer Antwort und ihrer Art zu zitieren. Oben haben Sie mir geschrieben, dass Sie selbst betroffen sind, jetzt sprechen Sie von einem Menschen, dem diese Aussage galt.


    Zusätzlich habe ich den Eindruck, dass Sie und Rodizia dieselbe Person sind. Können Sie da etwas Klarheit reinbringen?