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  • Sexsucht ist ein Problem, mit dem auch in der Schweiz Tausende von Männern (und Frauen) kämpfen und darunter leiden. Ich bin einer von ihnen.

    Wie bei allen Süchten sind auch hier Form und Ausmass sehr unterschiedlich. Die Auswirkungen auf die Betroffenen jedoch sind immer gleich:

    Ein ewiger Kreislauf von Leiden, Kämpfen, Resignation;

    Die Gefahr der sich mit zunehmender Zeit verstärkenden Spirale noch tiefer in die Sucht hinein;

    Zerrüttung von Ehen und Beziehungen;

    Vernachlässigung wichtiger Lebensthemen und -Aufgaben;

    Vernachlässigung des sozialen Freundschaftsnetzes;

    In zeitlicher Hinsicht beängstigendes «Verschwinden» im Internet auf einschlägigen Pornoseiten (millionenfach vorhanden und vielfach gratis zugänglich);

    Gewöhnung an ein in gewisser Weise «autistisches», selbstbezogenes und fast ausschliesslich phantasiebestimmtes Ausleben der Sexulatität ohne ein gleichberechtigtes Gegenüber, ohne den Austausch menschlicher Gefühle, ohne Liebe, ohne Herz ? abgetrennt von sich selbst und von der Welt.

    Auf der Suche nach einem entsprechenden Internet-Forum bin ich nach ausgiebiger Recherche nicht fündig geworden. Mit Ausnahme einiger Angebote kirchlicher und christlicher Organisationen, die mich jedoch nicht ansprechen, da die Auseinandersetzung mit einer Sucht in keinem Zusammenhang mit Religion stehen muss.

    Obschon schwer vorstellbar, scheint das Thema in der Schweiz bis heute derart tabuisiert, dass sich der grosse Teil der Betroffenen nicht dazu äussert - oder im noch schlimmeren Fall sich nicht einmal über die eigene Sucht und deren gravierende Folgen im Klaren ist.

    Nirgends auf der Welt gibt es ein Land mit einer vergleichbar hohen Dichte an Bordellen (heutzutage verlogen und scheinheilig Saunaclubs genannt) und Prostituierten wie in der Schweiz. Wo sonst findet man in einer der führenden Tageszeitungen des Landes täglich eine Doppelseite mit Hunderten von einschlägigen Inserätchen des «Stillen Gewerbes»? Aus moralischer Sicht ist dagegen nicht einmal unbedingt etwas einzuwenden, zumal wenn es einigermassen anständig und ohne offensichtliche Ausbeutung zu und her geht. Dies ist im übrigen auch in der Schweiz leider überhaupt nicht überall der Fall. Ausbeutung der übelsten Sorte ist auch hierzulande ausgiebig zu finden. Ich berichte nicht aus diesem kranken Milieu, sondern aus dem ganz normalen, wüsten, billigen, dummen und etwas schmutzigen Porno-Milieu.

    Ich tue dies wegen meinem eigenen inzwischen jahrzehntelangen Leiden. Weil ich mit diesem Thema, mit dem ich mich schon so oft und in vielfältiger Weise auseinandergesetzt habe, in meinem Leben einen Schritt weitergehen möchte, einen Schritt aus dieser unseligen Abhängigkeit hinaus in die Freiheit.

    Das Verheerende an der Sucht ist die ungeheure Kraft der Gewohnheit. Sie kann fast jederzeit plötzlich auftauchen und das Kommando übernehmen. Bestandteil dieses Prtozesses ist das gleichzeitige Ausschalten des «normalen» Bewusstseins, Denkens, Abwägens und Entscheidens. Es gibt dann kein Entscheiden mehr. Nur noch Augen zu und durch. Einmal mehr, wie Tausende Male vorher auch schon. Auch das Wissen, dass es mir nachher schlechter gehwen wird als vorher, ändert daran nichts.

    Ich bin Mitte Vierzig, verheiratet und beruflich selbstständig. Seit ich ungefähr 13jährig war, haben mich Sexhefte, später Pornos und Prostituierte und Onanie in ungezählter Anzahl begleitet. Mit Pausen, als es über gewisse z.T. sogar längere Zeiträume von mehreren Monaten gelang, mich von der Sucht fernzuhalten. Es ging nie darum, dass ich keine Frau gefunden hätte ? meine Partnerinnen waren allesamt interessante, attraktive, sinnliche und gebildete Frauen. Zudem habe ich das Glück, dass keine sadistischen und perversen Neigungen vorhanden sind und dass das Thema dank weitreichender Persönlichkeitsbildung und Selbsterforschung über all die Jahre bis heute präsent war und somit nie ausser Kontrolle geriet.

    Ich habe wohl schon Tausende von Stunden im Internet auf kostenlosen Pornoseiten rumgesurft und mich dabei einfach dieser Geilheit überlassen. Es ist wie ein Wegtauchen ins Nichts, wie ein Kopf in den Sand stecken vor der eigenen Realität. Wobei es in den meisten Fällen noch nicht mal einen offensichtlichen Grund gäbe, den Kopf vor irgendetwas in den Sand zu stecken. Es geschieht einfach. Ein gewisser Naranjo (Buchrautor zum Thema Enneagramm, den neun Persönlichkeitsstrukturen des Menschen) spricht bei der einen dieser Charaktertypen von psycho-spiritueller Trägheit, dem latenten Wunsch, von sich selbst wegzuschauen und sich entsprechend treiben zu lassen.

    Peter Schröter, Schweizer Autor und Seminarleiter zu den Themen Mann und Sexulität, schreibt im Buch Die Kraft der männlichen Sexualität:«Das Tollste an den Pornos wie an den Nutten ist die Tatsache, dass wir Männer uns dabei nicht bemühen müssen. Wir werden bedient. Ein Wuunschtraum jeden Mannes. Die Frauen kommen sofort zur Sache und zwar zur richtigen Sache. Normalerweise wollen Frauen ja immer erst eine Bezeihung aufbauen, mit uns reden, uns mehrmals treffen, bevor sie endlich mit uns ins Bett steigen. Im Porno ist das wunderbar. Hier kommen sie von sich aus aufs Thema. Es geht um Sex pur.»

    Pornos und Prostituierte sind bequem. Und sich selbst einen runterzuholen und dabei einen guten Orgasmus zu haben ist ebenfalls die bequemste Art der sexuellen Befriedigung. Man weiss selbst am besten wie man es gerne hat und braucht auf keinerlei Bedürfnisse von jemand anderem Rücksicht zu nehmen. Schlechtes Gewissen und Schuldgefühle kann ich zum Glück längst sein lassen ? weder nützen sie was, noch sind sie einem Weiterkommen dienlich. Bei mir taucht hinterher meistens ein schales Gefühl auf von erneuter innerer Verunreinigung und in gewisser Weise Verwahrlosung. Als Reaktion darauf stellt sich häufig Authentizität und das Bedürfnis nach innerer Reinigung ein.

    Aus rein praktischen Gründen habe ich als 15jähriger rausgefunden, dass man sich beim Samenerguss den Samenstrang zudrücken kann. Das Orgasmusgefühl bleibt dabei 99% unverändert, die bei der Onanie «lästige» Schleimflüssigkeit bleibt weg. Zudem habe ich in späteren Jahren und bis dato darüber so gedacht, dass dadurch die immerhin hochpotente Energie des Samens nicht dauernd in gewaltigen Mengen verschleudert wird, sondern sozusagen bei mir bleibt. Wie es diesbezüglich medizinsch aussieht, weiss ich nicht.

    In praktisch jedem Land gibt es Rotlicht-Bezirke, wenn auch mancherorts die roten Lämpchen fehlen, da nicht alle Länder so freizügig wie wir denken. Es ist wie mit jedem Hobby, das ausgiebig betrieben wird: Die Erfahrung und das Know-How werden grösser, sodass die Sucht eigentlich überall auf der Welt betrieben werden kann. Denn das ist und bleibt sie einfach, eine Sucht, da kann man sich alles noch so Erdenkliche und Anderslautende einreden. Eine abenteuerliche Sucht bisweilen. Denn diese Bezirke, Strassen, Häuserblocks oder Wohnungen liegen inder Regel nicht in guten, sondern in den verruchten, schummrigen und manchmal hochgradig zweifelhaften Gegenden. Abenteuer, ein gewisser Kick des Gefährlichen und Illegalen, die Verwegenheit eines einsamen Wolfes auf Pirsch, das Wissen zum Ziel zu kommen.

    Ich habe die Prostituierten immer als ganz gewöhnliche Frauen respektiert und sie entsprechend behandelt. Dennoch bleibt das Wissen, dass ein gewisse Beteiligung an Ausbeutung und Erniedrigung auch an mir haftet. Möglicherweise ist das ein fester Bestandteil des käuflichen Sex. Sie sind ja schliesslich auch alle ganz gewöhnliche Frauen. Das ist der Grund, weshalb mich manchmal einfach eine Traurigkeit befalllen hat darüber, dass alle daran Beteiligten in die Irre gehen und sich kreuz und quer in die Tasche lügen.

    Mit der Zeit habe ich gelernt, Frauen zu finden, die ebenfalls eine gewisse Lust bei ihrem Service empfinden. Denn wenn das nicht der Fall ist, ist die Sache schon ziemlich öde, zu offensichtlich die grosse Illusion und der Beschiss vom anderen und sich selbst. Andernfalls aber wird das Lustgefühl der Frau sogleich als schlaue Begründung und Bestätigung hergenommen. Das Suchtproblem verschwindet so aber nicht, sondern verlagert sich lediglich auf eine noch etwas verfänglichere Ebene.

    Der Ausstieg aus diesem ganzen Teufelskreis erfordert Einiges. Disziplin ist sicher Eines, aber nicht Alles. Das Mitteilen und Reden darüber unterstützt und schafft eine Kraft von Zuversciht und Würde. Mir auf jeden Fall geht es gerade jetzt so.

    Ich habe diesen Forums-Beitrag nicht geplant, sondern er ist heute einfach entstanden. Vielleicht kann daraus auch etwas Weiterführendes werden, z.B. ein neues Forumthema oder sogar die Entstehung eines eigenen Forums zum Thema Sexsucht von Männern oder einer Gruppe von Männern, die sich treffen und darüber austauschen, weil wir müde sind, dieses unfreie Wirken in uns weiterhin zu erlauben, ohne uns damit in Tiefe, Entschlossenheit, Würde und Selbstrespekt auseinanderzusetzen. Dies ist meine Absicht.

    Danke.

    ifox

  • Hallo ifox

    Kompliment für Deine offenen Worte und den vielen interessanten Text der einfach so entstanden ist.

    Eine Frage meinerseits bleibt - Du schreibst Du hast öfters die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen. Wieso hast Du nicht nach "normalen" Frauen mit ähnlichen Bedürfnissen wie Du gesucht ? Heutzutage mit Hilfen wie dem Internet hat man ja eigentlich bequeme Wege Kontakte diesbezüglich zu knüpfen. Oder denkst Du eine sexsüchtige Frau und ein ebensolcher Mann würden nicht zusammenpassen ?

    Ich hatte lediglich einmal eine Prostituierte besucht, damals war ich Teenager. Aber es war für mich ein grausliches Erlebnis und der Gedanke da 100 CHF für ein paar Minuten ausgegeben zu haben beschäftigte mich lange. Nicht dass ich es etwas Schlechtes oder gar Unmoralisch finde, ich denke diese Dienste sind etwas ganz Wichtiges für die Gesellschaft sozusagen, aber es ist einfach nicht mein Ding. Mich schrecken solche Rotlichtbezirke und Kontaktbars etc. einfach ab.

    Gruss

    Peter

  • Ifox, Gratulation zu deinem Beitrag; Respekt und Hochachtung! Er hat mich zu intensivem Nachdenken angeregt.

    Seit vielen Jahren bin ich verheiratet mit einem Mann, der vermutlich so ziemlich dasselbe praktiziert wie du. Allerdings mit dem Unterschied, dass er das als eine Art von Lifestyle betrachtet, also in keiner Weise darunter leidet, sondern es toll findet, sich immer wieder mit einer neuen Frau zu amüsieren. In was für Etablissements er absteigt, weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass er pro Besuch mehrere Hunderte von Franken liegen lässt. Weil er viel auf Geschäftsreise ist, hat er genügend Gelegenheit, ohne dass ich "Wind" bekomme.

    Ich bin nicht sexsüchtig. Aber ich bin eine lustbetonte Frau, empfinde Sexualität mit dem "richtigen" Partner paradiesisch. Dies nebenbei zur Information.

    Es würde mich interessieren, ob deine Frau Bescheid weiss über deine Sucht? Falls ja, akzeptiert sie deine Besuche bei Prostituierten? Wie geht ihr generell mit der ganzen Problematik um? Könnt ihr in Ruhe darüber sprechen oder kommt es jeweils zu Streitereien?

    Ich bin davon überzeugt, dass die Lebenspartnerinnen von sexsüchtigen Männern (oder generell umgekehrt) ebenfalls sehr leiden und sich mit grossen Gewissenskonflikten herumschlagen, sofern sie von der Sucht ihrer Männer Kenntnis haben. Bei mir verhält sich das so. Und die Ehe schwebt seit vielen Jahren in der Luft. Der grosse Druck macht mich völlig kaputt. Ich leide in einem viel grösseren Ausmass als mein Mann. So wie das in vielen "Sucht-Beziehungen" läuft.

    Gruss

    Regentropfen

  • Lieber Peter

    Ich denke, dass das alles gar nicht meinen wirklichen Neigungen entspricht. Denn im Grunde genommen habe ich die Erfahrung gemacht (bis heute), dass zwei sexuelle Energien oder Arten vorhanden sind: 1. Sex als Ausdruck von Liebe, Nähe, Intimität und Austausch. 2. Sex als reiner Trieb, Geilheit, Phantasien, nicht undebdingt Personenbezogen. Natürlich verbinden sich die beiden Arten je nach Gegebenheit, Partner etc.

    In meinem Innern jedoch liegt mir viel mehr an der ersten Art, an der Sexualität in Liebe, Respekt, Verständnis etc.

    Vielleicht ist es deshalb genau richtig gewesen, dass ich mich nie nach derartigen Partnerinnen oder besser Gespielinnen umgeschaut habe. Tatsächlich war das gar nie der Fall, obschon ich das natürlich hätte tun können. Auf diese Weise konnte es immer wieder offenichtlich werden, dass es sich eben um eine Sucht handelt, um einen Schattenbereich in meinem Leben, der durchleuchtet werden will.

    Seit ich am Sonntag mit Schreiben begonnen habe, ist das Thema präsent. Ich will das so beibehalten und befinde mich sozusagen in einem mich selbst eingelieferten Entzug. Anstelle von Surfen im Netz ein gutes Nachtessen kochen, Pendenzen erledigen, Freunde anrufen und treffen. Anstelle von Onanie die Erfahrung von längerer Enthaltssamkeit.

    Im gleichen Masse, wie ich diesen Gewohnheiten widerstehe, tauchen authentische Qualitäten stärker auf, bin ich krativer und entschlossener in meinen Unternehmungen. Das alles hat etwas würdevolles an sich und das fühlt sich gut an. Befinde mich allerdings erst bei Tag Nr. 3 meiner Reise...

    Gruss

    ifox

  • Hallo Regentropfen

    danke für Deine Antwort, offen und für mich sehr berührend, denn sie zeigt mir die verletzten Gefühle, die durch ein derartiges Verhalten verursacht werden.

    Das mit dem Lifestyle kenne ich ein bisschen, hab zeitweise versucht, mir einzureden dass ich halt so bin, dass das alles ok ist und es sogar Spass macht. Stimmt aber alles nicht. Nicht wirklich. Zumindest für mich nicht. Ich glaube, dass es für niemanden «wirklich» stimmt, damit meine ich innerlich, vom Herzen her. Vielleicht ist das aber auch anmassend.

    Zu Deiner Frage: Meiner Ex-Frau, mit der ich 5 J. zusammen war und meiner Partnerin davor (ebenfalls 5J) habe ich alles erzählt. Das hat uns einerseits näher zusammengebracht (obschon es verbunden war mit viel Schmerz und Schockiertheit) und zu einer starken Beruhigung des Themas geführt. Aber es war nicht beendet und ich habe irgendwann wieder damit begonnen. Die beiden Frauen haben schliesslich mehr und mehr die Achtung für mich als ihren Mann und Partner verloren und sich langsam zurückgezogen.

    Meiner gegenwärtigen Frau habe ich davon nichts erzählt und werde das bis auf weiteres auch nicht tun. Es ist eine Schatten-Geschichte meines ureigenen Lebens und sie hat mit ihr nicht das Geringste zu tun. Ich bin entschlossen, aus diesen Teufelskreisen auszutreten und fühle mich in der Lage dazu. Würde ich es ihr erzählen, wäre grosser Schmerz und Enttäuschung wohl nicht zu vermeiden. Im Moment habe ich das Gefühl, dass dies nicht der Weg wäre. Wir sind erst seit 3 Jahren zusammen und sie ist 15 Jahre jünger als ich.

    Wenn wir zusammen sind (in diesem Jahr befanden wir uns monateweise nicht am selben Ort, einmal sie ein paar Monate im Ausland, einmal ich) dann ist eine lebendige Sexualität zwischen uns. Ich finde Sexualität mit dem geliebten Menschen ebenfalls himmlisch!)

    Deine Situation scheint schwierig. Ich kann Deine Worte und Gefühle gut verstehen. Höchstwahrscheinlich würde ich mich von meiner Frau, wenn ich etwas derartiges von ihr erfahren würde, ziemlich bald trennen. Trennung heisst für mich übrigens nicht Kündigung von Liebe und Freundschaft, aber die Kündigung der Mannn-Frau Partnerschaft. Ich habe so viele Ehemänner in den Etablissements gesehen und mich häufig gefragt, wie das dort zuhause läuft, wie das für die Ehefrauen ist.

    Kannst Du denn mit ihm über dieses Thema sprechen? Aber möglicherweise ist das nicht einmal von Belang, denn wenn er das alles als einen tollen Lifestyle betrachtet, dann find ich das schon heftig und sehr respektlos Dir gegenüber.

    Ich kann nur sagen, dass ich jeder Frau einen Mann wünsche, der nicht ins Puff geht, nicht dauernd und heimlich Pornos konsumiert und sich ständig selbstbefriedigt. Einen Mann, der seine sexuelle Kraft auf seine Frau und Partnerin richtet und sie mit ihr auslebt.

    Zwischen der Situation, in der einer der beiden Partner eine Affäre mit jemand anderem hat, und dieser Sexsucht-Geschichte sehe ich beträchtliche Unterschiede. Eine Affäre kann unter Umständen frischen Wind in eine Beziehung bringen, vieles auslösen und ist letztlich etwas Authentisches (wenn auch vielleicht Schmerzhaftes und sogar Fatales). Bei der Sexsucht hingegen fehlen diese Attribute meiner Erfahrung nach fast gänzlich. Denn die Sucht ist nichts Authentisches, nichts Freies, nichts Wahrhaftiges. nichts als Gift, Unfreiheit, Getriebenheit, Abhängigkeit, Schwächung und Einlullung.

    Willst Du denn weiterhin mit ihm zusammensein? Du schreibst, dass es schon so lange in der Schwebe liege. Das ist vielleicht auch ein bisschen wie eine Sucht. Die Sucht in der Beziehung/Ehe zu verbleiben, auch wenn sie schon längst in keinster Weise mehr mit den eigenen Bedürfnissen und Wünschen in Einklang zu bringen ist.

    Vielleicht tönt manches drastisch, überheblich oder hart, was ich hier schreibe. Aber seit dieser Prozess der Auseinadndersetzung mit mir selbst losgegangen ist und besonders jetzt, während ich Dir als einer Ehefrau von einem Mann der offenbar in Ähnlichem steckt wie ich, wird mir das ungeheure Ausmass an Leiden, an Falschheit und Respektlosigkeit sich selbst und allen Beteiligten gegenüber immer bewusster. Man tut der eigenen Frau so unrecht damit. Man verschmäht sie.

    Sich im Strudel der Sexsucht zu befinden bedeutet uneingeschränkte Selbstbezogenheit. Es geht nur um sich selbst. Ich, Ich, Ich, Ich will. Man befindet sich unter seinesgleichen, einsame Wölfn und einsame Bräute. Und das Schlimme dabei: Das ganze Gefühlselend, das da eigentlich sein müsste (und wahrscheinlich auch ist), wird von niemandem wahrgenommen, weil es niemand fühlen will. Erst jetzt taucht da langsam auf, welch ungeheure Dimension das alles hat. Wie gross Einsamkeit und Anonymität sind und wieviele Ehefrauen und Partner mitleiden.

    Sei mutig und geh Deinen Weg. Folge Deinem Herzen.

    Gruss

    iFox

  • Guten Tag iFox

    Unmöglich, dass du dir nur ansatzweise vorstellen kannst, wie gut dir meine Zeilen getan haben. Danke!

    Was du schreibst, wie du beschreibst, kann ich nachvollziehen. In keiner Weise tönt es drastisch, überheblich oder hart. Ich sehe die Dinge genau gleich wie du. Und ich spüre einerseits dein Leiden, andererseits deine Entschlossenheit.

    Ich bin überzeugt davon, dass du den Weg aus der Sucht finden wirst. Den Anfang hast du erschaffen, indem du ihr einen Namen verliehen hast und dich bewusst damit auseinander setzt, darüber berichtest.

    Wenn du kein Bedürfnis verspürst, mit deiner jetzigen Partnerin über dieses Problem zu sprechen, dann wandere vorläufig alleine auf deinem angetretenen Weg weiter. Ansonsten gäbe es ja noch zusätzlich die Möglichkeit einer Therapie, Beitritt in eine Männergruppe oder Selbsthilfegruppe. Oder wie wäre es, wenn du selber eine Selbsthilfegruppe auf die Beine stellen würdest? Ich bin nämlich restlos davon überzeugt, dass du viele Leidensgenossen hast. Jedoch fehlt es vielen an Mut, sich zu outen. Es ist ja frappant, wie selten dieses Kapitel thematisiert wird. Die Medien bombardieren einen mit sexistischem Anschauungsmaterial en masse. Und über viele Süchte, Stoff gebundene und ungebundene, wird geschrieben, referiert und diskutiert – ausser über die Sexsucht. Wo ist da die Logik? Tatsache ist, dass sie genau gleich viel Leid anrichtet wie alle anderen Süchte auch. Ihr Zerstörungspotential ist gleich hoch und der Weg des Ausstiegs gleich steinig.

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht. Wonach sehnst du dich? Was hast du in deinem Leben bis anhin vermisst? Wie lassen sich deine „Träume“ in Realität verwandeln?

    Da ich bereits in meiner Herkunftsfamilie mit Sucht konfrontiert worden bin, setze ich mich seit vielen Jahren bewusst und intensiv damit auseinander. Das Thema Sexsucht hingegen ist für mich relativ neu.

    Die Fachliteratur erwähnt, die Wurzeln der Sexsucht liege meist im Missbrauch – oftmals sexuellem – während der Kindheit. Bist du dir der Zusammenhänge deiner Probleme bewusst? Ich denke, es ist sehr wichtig, diese gründlich zu erforschen, um die in die Sucht investierten Energien langfristig nachhaltig zu verlagern. Sucht ist nämlich ein Energiefresser, ja, ein wahrer "Energieverpuffer".

    Eigentlich folge ich schon seit vielen Jahren dem Wegweiser meines Herzens. Und ich machte mich ganz bewusst nie co-abhängig. Zudem bin ich kein Lustobjekt. Auch existiert von meiner Seite her in der Beziehung absolut kein „Suchtmuster“. Ich lebe meine Vielseitigkeit, meine Kreativität, meine Talente, pflege Aussenkontakte. Aber die „körperliche Liebe“ ist tot – seit langer Zeit. Auch Zärtlichkeit gibt’s keine. Da ich aber ein phantastisches Umfeld habe, komme ich meistens gut „über die Runde“. Und manchmal fliessen meine Tränen.

    Zärtlichkeit. Gehe ich richtig in der Annahme, dass du solche in Liebe schenken kannst? Oder wendest du solche auch nur so quasi als Bitte für Triebbefriedigung an? Kannst du es geniessen, mit deiner Partnerin ausgiebig zu kuscheln ohne Triebbefriedigung?

    Wenn bei meinem Mann die Triebbefriedigung nicht garantiert war, löste das bei ihm regelmässig Frustration, Gehässigkeit und manchmal sogar Wut aus, mit der er mich unverblümt konfrontierte. Er warf mir dann vor, ich würde ihn überhaupt nicht lieben. Angekratzter männlicher Stolz oder Suchtverhalten?

    Du fragst mich, ob ich mit ihm über das Thema sprechen könne. Ja, ich kann das. Aber er kann nicht dazu Stellung nehmen. Er blockt sowieso im Moment ab, verstummt, wenn es um „heikle“ Themen geht. Und genau nach diesem Muster reagierte er, als ich ihn damals mit meinen Vermutungen konfrontierte. Es folgte eine Ausrede nach der anderen, Beschönigungen, Verharmlosungen, Abstreiterei; wie Süchtige sich in solchen Situationen verhalten.

    Ich habe mehrmals meinen Wunsch geäussert, mindestens mal für ein halbes Jahr alleine mit den Kindern zu leben, um meine Gedanken und Gefühle zu sortieren, um zur ersehnten inneren Ruhe zurückzukehren. Für Abstand und eine Standortbestimmung. - Vergeblich bis jetzt.

    Immer mal wieder stelle ich mir die Frage, ob er mich überhaupt jemals richtig geliebt hat oder ob es ihm in erster Linie darum ging, ein weibliches Lustobjekt zu besitzen.

    Du, ich wünsche dir auf deinem Weg viele wunderbare Begegnungen mit deiner Lebendigkeit und deiner Einzigartigkeit. Lebe sie, sei du und freue dich darüber.

    Würde mich natürlich freuen, wieder von dir zu lesen.

    Liebe Grüsse

    Regentropfen

  • Hallo iFox und Regentropfen

    Zunächst bedanke ich mich bei dir iFox. Du hast wirklich ein Talent zum Schreiben, welches das Thema auf den Punkt bringt.

    Dir Regentropfen bin ich dankbar, dass eine Frau sich zu diesem Thema gemeldet hat und eine andere Seite der Sexsucht aufgezeigt hat.

    Ihr beide schreibt, als ob es jetzt schon eine Art "Therapieforum" sei. Eine Therapie bei dem ihr sicher einigen Betroffenen jetzt schon geholfen habt.

    Ich heisse Marcel und bin 35 jährig. Ich bin seit 10 Jahren Schneesportlehrer und habe das gleiche Problem wie iFox.

    Ich finde es eine super Sache was hier diskutiert wird.

    Per Zufall, habe ich vor zwei Tagen mit einer Kollegin über dieses Thema geredet. Meine Kollegin ist 30 und hat ein Kind und ist Zurzeit in der Scheidung. Bisher hatte sie nur gerade mit ihrem Ex-Mann Sex. Bei mir sieht die Sache ganz anders aus. Meine Kollegin sieht super sexy und süss aus. Ihr könnt euch sicher Denken was in meinem Kopf sich alles abgespielt hat, wenn ich mit ihr zusammen war. Als ich mit Ihr über meine Vergangenheit speziell Frauenverschleiss gesprochen habe, war mit ihr "nicht gut Kirschen essen". Sie fragte mich, wieso ich eigentlich mit "jeder" ins Bett gehe. Leider konnte ich ihr keinen guten Grund nennen. Ich musste feststellen, dass mein Problem nicht alltäglich ist, wie ich es vermutet habe. Oder eher gesagt, so wie ich es mir zu Recht gelegt habe. Auf gut Deutsch habe ich mich selber angelogen. iFox du hast mit all dem geschriebenen zu 200% Recht. Wir lügen uns und alle Anderen mit der scheiss Sexsucht an. Wir vernachlässigen uns selber und dadurch alle Mitmenschen. Wir Sitzen stundenlang wichsend vor dem PC und empfinden es als normal. Wir lügen Frauen an, nur damit wir mit ihnen ins Bett gehen können und sind trotzdem froh, wenn alles vorbei ist.

    Dazu kommt, dass Frauen wie Regentropfen, durch die Sexsucht ihres Mannes, nur noch gut genug sind, wenn man keine andere bekommt. Wieso passiert dies mit uns? Sind es die Medien? Ist es, weil unsere Gesellschaft immer mehr hemmungsloser wird? Oder sind wir schlicht und einfach nicht mehr dazu in der Lage, um seine Partnerin zu Kämpfen? Sicher ist es auch so wie es Regentropfen geschrieben hat. Meistens liegt es in der Kindheit. Ich wurde als Kind, 10 Jahre sexuell missbraucht. Dies soll jedoch keine Ausrede für mein Verhalten sein, sonder nur zeigen wie ein Kind nach einem Sexuellenmissbrauch sich entwickeln kann. So oder so, wir müssen etwas dagegen tun. Obwohl ich noch nie in einem Forum etwas geschrieben habe und schon gar nicht mit einer Selbsthilfegruppe etwas zu Tun haben wollte, bin ich dazu bereit mit anderen über dieses Problem persönlich zur sprechen.

    Ich danke euch beiden und hoffe wieder etwas von euch zu Lesen.

    Bis bald

    Marcel

  • Hallo Marcel

    Du bist Schneesportlehrer. Was für einen Beruf übst du während der schneelosen Zeit aus? Wie verbringst du deine Freizeit?

    - Eigentlich erstaunlich – oder doch nicht? -, dass sich keine männliche Wesen zu diesem Thema äussern. Ausgenommen weiter oben Peter_69 der Erste. Aber eben, über das Thema Sex wird nicht gerne gesprochen. Schon gar nicht, wenn es mit Sucht in Verbindung gebracht wird. Und in erster Linie haben Männer Probleme damit, sich über das Thema zu äussern – behaupte ich jetzt einmal kühn. Warum wohl?

    Dass du während so vielen Jahren sexuell missbraucht worden bist, finde ich schrecklich. Es tut mir für dich sehr leid, Marcel. Wie alt warst du, als der Missbrauch angefangen hatte? War der Täter resp. die Täterin ein Familienmitglied? - Ganz sicher ist der Ursprung deiner Sexsucht dort zu suchen und hat somit rein nichts mit Ausrede zu tun. Hast du die Angelegenheit mal therapeutisch angepackt?

    Mir fällt auf, dass du nur über das Aussehen deiner Kollegin schreibst, sie sei super sexy und süss; ein antörnendes Lustobjekt. Das Wort „süss“ hat einen Beigeschmack von „jöö herzig und unschuldig „meitelig“. Musstest du damals als „jöö, wie süss und unschuldig knabenhaft“ herhalten? Könnte da ein Zusammenhang sein?

    Hast du dir in der Zwischenzeit einmal genauer Gedanken darüber gemacht, wieso du mit jeder Frau ins Bett gehst. Müsste man schon fast von Zwängen sprechen? Es wäre nämlich tatsächlich interessant zu erfahren, was dahinter steckt. Ich bin gespannt auf deine Stellungnahme.

    Wie reagierst du denn, wenn dich eine Frau abweist? Fühlst du dich dann in deinem Stolz verletzt oder fühlst du vielleicht sogar Wut und Zorn? Oder fühlst du gar eine Leere?

    Wie fühlst du dich nach den von dir erwähnten Stunden vor dem PC? Leer? Oder bist du wütend auf dich?

    Nebenbei: Niemals würde ich mich (m)einem Mann als „zweite Wahl“ zur Verfügung stellen, nicht einmal als "erste Wahl". Das wäre Absage pur an meine Würde.

    Grüsse

    Regentropfen

  • Hallo Regentropfen

    Danke für die Zeilen. Ich arbeite während des Sommers im Büro. Meine Freizeit fülle ich mit viel Sport aus. Egal was für Sport, Hauptsache Sport.

    Es wundert mich nicht, dass so wenige Männer über dieses Thema reden. Bei mir war es auch so, ich konnte und wollte nicht über meine Sucht und Erlebnisse reden. Ich dachte immer, dass ich alles alleine verarbeiten müsse und es vor allem auch alleine schaffen würde. Es brauchte zehn Jahre bis ich es nicht mehr aushielt. Männer sind stur und feige über seine Gefühle zu reden. Sie haben Angst, dass andere in sie hinein und sie durchschauen könnten. Jedenfalls ging es mir so. Ich meine, welcher Mann sagt schon, dass er ein Sexproblem hat!

    Ich bin von sieben bis siebzehn Jahren sexuell missbraucht worden. Es war wie in den meisten Fällen ein Verwandter. Es war mein Ex-Schwager. Als ich mich mit siebzehn gegen diesen Missbrach gewehrt habe, hat er aufgehört. Wahrscheinlich weil er Angst bekommen hatte, dass alles auffliegen würde. Danach habe ich zehn Jahre alles in mich hinein gefressen. Ich fing an mich im Alkohol zu trösten. Ich liess keinen Menschen an mich ran und bekam Schuldgefühle, Scham, komplexe und Wut auf mich. Zum glück habe ich aber ein starkes und guten Umfeld. Meine Familie hat mir zugehört und geholfen. Seit ca. drei Jahren gehe ich in eine Therapie. Diese Therapie hat mir sehr gut getan, alles besser zu verstehen.

    Dir ist aufgefallen, dass ich das Wort süss gebraucht habe. Nun, dieses Wort benötige ich eigentlich nie. Es hat nichts mit unschuldig, knabenhaftes oder so was Ähnliches zu tun. Das Wort fand ich einfach passend für meine Kollegin. Du willst auch wissen, ob ich meine Kollegin als Lustobjekt sehe. Wenn ich jetzt nein schreiben würde wäre es gelogen, jedoch ist es auch nicht so, dass ich nur an Sex denke wenn ich sie ansehe. Bevor ich eine Frau anspreche, muss sie mich durch ihr Äusserliches ansprechen. Es ist mir bewusst, dass das eigentlich nicht richtig ist, jedoch habe ich keine Lust mich über die „Verpackung“ Lebenslang zu ärgeren, wenn man beides haben kann. Klar habe ich mich auch gefragt, ob ich überhaupt solche Ansprüche stellen darf. Man fragt sich, bin ich genug attraktiv, intelligent, sozial, sportlich usw. wie man selber gerne hätte? Nun ja diese Entscheidung liegt bei jedem selber.

    Wieso ich mit vielen Frauen ins Bett gegangen bin ist einfach zu erklären. Ich wollt mir sicher sein, dass ich keine Bedürfnisse auf Männer oder sogar Knaben habe. Bevor ich diese Frage beantworten konnte, musste ich mir sicher sein, dass ich sicher auf Frauen stehe. Ich hatte zwar nie Zweifel, aber ich wollte mir sicher sein. Jetzt aber bin ich mir sicher. Es wird mir jeden Tag bewusster was es eigentlich heisst sexuell missbraucht zu werden! Durch mein starkes Umfeld konnte ich alles sehr gut verarbeiten. Es gibt sicher ein bis zwei Tage im Jahr, bei denen ich am liebsten diese schöne Welt verlassen würde. Wenn ich dies aber machen würde, würde ich nicht nur mich aufgeben, sondern könnte nicht hier oder anderswo meine Erfahrungen teilen, mit der Hoffnung jemand anderem dadurch helfen zu können.

    Wenn mich eine Frau abweisst, ist zwar selten der Fall, dann bin ich weder gekränkt noch verletzt. Ich akzeptiere es und lasse sie in Ruhe. Es kommt jedoch auch darauf an, ob man sich in die Frau verliebt hat. Wenn ich mich in die Frau verliebt habe, dann ist es schon so, dass ich mich nicht gut genug fühle. Ich sage mir dann immer „ andere Mütter haben auch schöne Töchter und es wird hoffentlich nicht die letzt sein“.

    Die Frage was in mir Vorgeht, wenn ich stundelang vor dem PC sitze und mir auf gut deutsch einen runter hole, ist auch einfach zu beantworten. Ich fühle mich billig und habe das Gefühl immer ein stück von mir verloren zu haben. Wütend werde ich nicht. Man kann sagen „man hat sich daran gewöhnt“. Im Moment bin ich daran diese Gewohnheit zu beenden. Ich habe mir wieder viel Arbeit gemacht, damit gar keine Zeit habe daran zu Denken. Ich habe dies schon mal gemacht. Es funktionierte gut, jedoch hatte ich zwischendurch ein Tief bei dem alles wieder angefangen hat.

    Da ich jetzt all deine Fragen beantwortet habe, möchte ich Wissen wie es dir geht? Hat dieses Forum in dir etwas bewegt? Konntest du mit deinem Mann reden? Was erhoffst du dir hier bei diesem Forum? Du machst mich neugierig!

    Und nur so neben bei, diejenigen die unser Schreiben verfolgen können seinen Beitrag auch Leisten und mit machen!!!

    Gruss

    Marcel

  • Hallo Regentropfen,ifox,Marcel,Peter

    Merci Marcel für die Einladung

    Spüre aber im Momment eine riesen Wut,hilflosigkeit.

    Wut weil sich da in mir was Bewegt,hilflosigkeit weil ich das nicht in Worte fassen kann.

    Hege bei mir den Verdacht, dass ich gar nicht (mehr)lieben kann.

    Gruss Lobo

  • Ach Lobo, weisst du, ich selber lande auch immer wieder in einer Sackgasse, wo ich nur noch Hilflosigkeit spüre und eine grosse Wut auf mich selber. Ja, und ich frage mich in solchen Momenten ebenfalls, ob ich überhaupt noch liebesfähig bin. Dann deckt mich ein schweres Gefühlschaos vollkommen zu, und ich schotte mich von allen Menschen ab, in erster Linie von jenen, die es gut mit mir meinen.

    Woher stammen denn im Moment deine Wut und deine Hilflosigkeit?

    Wie steht es denn mit der Liebe zu dir selber und mit deiner Selbstachtung?

    Fass Mut und erzähle frisch von der Leber weg. Du bist hier anonym.

    Gruss

    Regentropfen

  • Hallo Marcel

    Gratulation zu deiner Offenheit und der eindrücklichen Schilderung deiner Geschichte. Ich kann die Stationen deines Leidens sehr gut nachvollziehen.

    Deine Zeilen stimmen mich dennoch traurig und wütend; wütend, weil dieser Mann dir einen Teil deiner Kindheit im Keim zerstört hat. Ich sehe da den Zusammenhang mit deiner Aussage "Ich fühle mich billig und habe das Gefühl immer ein stück von mir verloren zu haben."

    Kannst du dich erinnern, wieso du deine Eltern nie über diesen Missbrauch informiert hast? Wie hat dein Vater reagiert?

    Ich nehme an, dass in deiner Herkunftsfamilie das Thema Sexualität auch eher tabu war. Oder wurde offen darüber gesprochen?

    Du schreibst, dass du dich am PC in jenen Situationen billig fühlst. Das tönt so ganz danach, als würdest du dich dann total wertlos fühlen, dich selber heruntermachen und entttäuscht über dich selber sein. Marcel, wie viel bist du dir denn selber wert?

    Lebst du eigentlich alleine?

    Ablenkung ist sicher das beste Mittel gegen Sucht. Sport treiben verleiht ein gutes Körpergefühl, sofern er massvoll betrieben wird. Was machst du in der Freizeit für deinen Geist? Liest du zum Beispiel Bücher oder machst du Musik?

    Du fragst mich, wie es mir geht. Nachdem ich vor bald zwei Wochen einen schlimmen Nervenzusammenbruch erlitten habe, lebe ich wie in Trance. Die Tage ziehen an mir vorbei, und meine Belastbarkeit ist unter den Nullpunkt gsunken. Wie oft sehne ich mich dann nach zwei Armen, die mich halten. Aber mein Mann schafft das nicht. Da müsste ich direkt dreissig Jahre jünger sein. Er steht auf Frauen im Alter seiner beiden Töchter.

    Dieses Forum, oder besser gesagt dieses Thema, lässt mich je länger je mehr erahnen, dass ich völlig falsch liege mit meiner Aussage, mein Mann sei sexsüchtig. Sein Problem muss irgendwo anders sein. Aber ich weiss nicht wo. Es ist nach wie vor nicht möglich, mit ihm vernünftig zu sprechen. Er reagiert immer beleidigt und aggressiv. Er kommt dann mit Sprüchen wie, andere Männer würden sich auch mit Prostituierte vergnügen, andere Männer würden sich auch mit perversen Bildern aufgeilen, usw. Was anderen Männern erlaubt sei, das dürfe er auch machen.

    Ich hoffe, dass unser Gedankenaustausch von vielen Menschen gelesen wird. Vielleicht verleiht er dem einen oder anderen eine Portion Mut, in seiner eigenen Partnerschaft diesbezügliche Probleme offen anzusprechen.

    Gruss

    Regentropfen

  • Salve Lobo

    Schön das du dich hier meldest! Ich weis dass es viel braucht, um aus sich heraus zu kommen. Aber du hast den Schritt gemacht! Wut und Hilflosigkeit gehören dazu, es ist auch gut dass man das alles fühlt. Somit kommst du sicher deinem Ziel ein Stück näher. Das mit der Liebe kommt schon wieder, lass dir Zeit und überstütze nichts. Ich habe den Vorteil gegenüber manch andern, dass ich diesen Prozess schon fast vorbei habe. Ganz vorbei wird er vielleicht auch nie gehen. Ja ja, denkst du jetzt der hat gut Reden.

    Wir reden hier schlicht und einfach über Probleme die jeden betreffen kann, wir reden jedoch auch über dieses Problem als ob es ein Tabuthema sein. Es ist nur ein Tabuthema weil die Gesellschaft eines daraus macht. Wir, die hier jetzt mit einander kommunizieren, müssen offen, direkt und ohne Tabu darüber reden. Wenn wir dies hier nicht tun, dann können wir aufhören zu Schreiben und mit unserer Sucht weiter machen. Jeder von uns kann die Sucht bezwingen! Entschuldigt meine Offenheit. Ich verstehe euch alle, wenn ihr den Kopf in den Sand steckt, jedoch ist es weder angenehm noch sinnvoll im Selbstmitleid zu baden. Ihr seit eurer eigener Meister, Gott, Chef oder wie ihr euch auch immer nennen möchtet. Nur ihr könnt etwas in eurer Sucht ändern. So, ich denke, dass mich jetzt jeder verstanden hat.

    Wie ich schon geschrieben habe, wenn jemand über seine Probleme reden möchte, dann kann er das mit mir tun! Ihr fragt euch sicher warum ich so offen bin. Der Grund liegt bei mir, in meiner Wut. Meine Wut bezieht sich jedoch nicht nur auf mich, sonder auch auf euch. Steht auf schaut euch an, ihr seit ein Mensch der nicht schlecht ist oder jemanden absichtlich Schmerz zubereitet hat. Geht raus in die Natur, last den Wind, die Sonne, das Pfeifen der Vögel, der Duft des Winters in euch rein. Das alles ist real und verwirrt eure Gedanken nicht!

    Ihr schreibt hier über eure Probleme und könnt genau aus diesem Grund stolz auf euch sein! Ich habe viel zu lange geschwiegen und nichts gegen Kindesmissbrauch und der Sexsucht getan. Jetzt nach vielen Jahren und guten Gesprächen fühle ich mich bereit meine Erfahrung und Erkenntnisse anderen Menschen weiter zu geben, welche noch mit ihren Problemen am Anfang stehen. Ich habe keine Psychologie studiert oder mich intensive über dieses Thema auseinander gesetzt. Ich, als Opfer und Sexsüchtigen biete euch schlicht und einfach meine Hilfe an. Wenn ihr mich lieber anrufen möchtet, dann schreibt mir ein Mail unter skyjumper@gmx.ch, dort werde ich euch meine Telefonnummer geben. Wenn ich diese Gelegenheit gehabt hätte, dann hätte ich es getan!

    Gerne lese ich mehr von dir.

    Bis bald

    Marcel

  • Salve Regentropfen

    Danke für deine Worte. Du hast Recht, von meiner Kindheit ist ein grosses Stück weggenommen worden. Im Keim wurde sie jedoch nicht erstickt, glaube ich zumindest. Meine Aussage "Ich fühle mich billig und habe das Gefühl immer ein stück von mir verloren zu haben" hat vielleicht einen Zusammenhang mit meiner Vergangenheit, jedoch sehe ich es von einer anderen Seite. Wenn ich mit einer Frau Sex habe, sehe ich nicht die Frau selber, sondern ihr Brüste und ihre Muschi (ich benötige hier die gleichen Worte wie ich sie in meinen Gedanken habe), somit kann ich offener über alles Schreiben. Am liebsten würde ich alle Stellungen gleichzeitig mit ihr machen und meine letzte Energie herauslassen. Nach dem ich aber Sex gehabt habe, kommt es mir vor, als ich auf gut deutsch nur abgespritzt habe und die Sache somit erledigt ist. Ich sehe sie an und denke mir dabei wie sie sich jetzt fühle. Klar frage ich auch, was sie über die Situation denke, doch meisten kommt eine Antwort wie „es hat mir gefallen, es war geil, oder ich habe mir nichts dabei gedacht“. Dieses Gefühl und diese Gier nach Sex machen mich nicht glücklich. Wieso? Weil ich auch gerne geliebt werden will, mit einer Frau aufwachen möchte, die es schätz, dass ich neben ihr liege. Der Sex in einer Beziehung muss stimmen, sonst geht man früher oder später voraussichtlich Fremd.

    Meine Eltern haben von der ganzen Missbrauchsgeschichte nichts mitbekommen. Sie haben dem „Arsch“ einfach vertraut. Ich kann meinen Eltern keinen Vorwurf machen, sie sind einfach gutgläubig. Du hast recht in meiner Familie wurde ich nie aufgeklärt und über Sex gesprochen.

    Ich erzählte nicht nur meinen Eltern über die Missbrauchgeschichte, sondern meiner ganzen Familie. Ich trommelte alle zusammen und erzählte die Hiobsbotschaft mit viel Überwindung. Nur der erste Satz war schwer, danach ging alles besser und einfacher. Ich konnte plötzlich über alles Reden. Meine Familie tröstete mich nur so, wie ich es für nötig hielt.

    Seit ich 21 bin lebe ich in diversen WG`s. Es gefällt mir und ich lerne immer wieder neue Menschen kennen die mir ans Herz wachsen.

    Zu deiner Frage betreffend Sport usw. Ich lese zwischendurch Bücher über Bergabenteuer und kann so in eine andere Welt abtauchen. Aber am liebsten höre ich drs3! Die sind cool und witzig.

    Nun zu dir liebe Frau „Regentropfen“. Ich glaube ich lese nicht richtig! Du hattest einen Nervenzusammenbruch und dein Mann vögelt am liebsten mit gleichaltrigen Frauen, welche seine Töchter sein könnten. Kein Wunder geht es dir schlecht. Jetzt schreibe ich etwas, was ich einfach loswerden muss. Werfe den Arsch aus der Wohnung und mach dein eigenes Leben! Sorry, dass musste einfach raus. Leider kenne ich deine effektive Situation nicht. Damit meine ich: Arbeitest du? Ist dein Mitmenschumfeld gross und gut? Hast du genug Geld, damit du für dich selber sorgen kannst? Und vor allem was hält dich noch bei deinem Mann, wenn er dich nicht mehr liebt und dich nicht mehr ernst nimmt. Du musst auf diese Fragen nicht antworten. Du schreibst, dass du umarmt werden willst und dass du wieder geliebt werden möchtest. Nun ja, ich kenne deinen Mann nicht gerade gut, aber ich kann mir gut vorstellen dass es nicht mehr so kommen wird wie es einmal war. Spare deine Energie für einen Neuanfang auf, lass dich nicht fertig machen, denn es ist viel zu Schade um dich! Hilf dir selbe bevor es zu Spät ist!

    Dein Mann sagt „andere Männer machen das gleiche“. Nun ja es gibt auch Männer die seine Frau lieben und zwar egal wie lange man schon Zusammen ist! Es ist kindisch wie sich dein Mann verhält. Ich darf das auch, die anderen machen das auch. Das sagen Teenager und kein erwachsener Mann. Ausserdem ist es ein Unterschied, wenn man übers Internet sich einen runterholt als wenn man zu einer Prostituierten geht! Du bis eine erwachsene Frau die selbständig ist und es verdient geliebt zu werden. Steh auf und fange an etwas dagegen zu unternehmen!

    Ich bin nicht dein Ratgeber, jedoch muss manchmal jemand anders sagen, wie man was machen soll oder zumindest könnte.

    Ja du hast Recht, es sollten viele unser Thema lesen und daraus etwas mitnehmen. Dein Mann wäre da sicher der richtige, jedoch würde er es wahrscheinlich falsch verstehen, wenn er hier von sich selber lesen würde.

    Ich hoffe du bist mir nicht böse, weil ich so schroff und direkt Schreibe. Ich war damals froh, als mir einer sagte was Sache ist.

    Gruss

    Marcel

  • Was ist schon sexsucht? Wieviel mal pro Woche ist da der Norm? Als verheiratete Mann kämpfe ich dafür einmal pro Woche zu dürfen, keine Chance Sie will einfach nicht mehr! Obschon ich bald 60 werde und mein ganzes Leben immer den Anfang machte, habe ich langsam die Schnautze voll. Meine Frau will nicht mehr. Ich jedoch treibe 3 mal pro Woche Sport und fühle mich noch gut. Zur Prostituierte möchte ich nicht, dass ist mir zu billig. Ich denke es geht viele Frauen vielleicht auch so wie ich als Mann. :-((

  • Hallo durchschnitt

    Du kämpfst, einmal pro Woche zu dürfen? Was zu dürfen? Was will deine Frau nicht mehr?

    Wieso möchtest du denn mit deiner Frau Sex haben?

    Es macht mich stutzig, wenn du als bald 60-jähriger nach einer Norm pro Woche fragst.

    Aus den Beiträgen von ifox und skysurfer ist deutlich zu lesen, was Sexsucht ist. Lies doch nochmals und lass die Zeilen auf dich wirken.

  • regentropfen in der Hose:-) du sagtest: es macht mich stutzig, wenn du als bald 60-jähriger nach einer Norm pro Woche fragst.

    Was ist falsch daran? ich denke du bist falsch gepoolt denn ein junger Mensch, wie aus meiner Jugendjahre, sollte 3x pro Woche langen und ich glaube du bringst es nicht einmal fertig mit mir 50 Minuten zu joggen. Auch noch Raucher vielleicht du Sportler? :-))) Liebe Gruss

  • Ach ja was ich noch vergessen bin regentropfen, vielleicht hast du mal darüber nachgedacht, wieso dein Mann immer Fremd geht, denn das muss doch eine Ursache haben?

    Vielleicht solltest du einmal ehrlich mit Dich selbst sein?

  • Guten Abend Marcel

    Da ich selber auch ein Mensch bin, der die Dinge ungeschminkt beim Namen nennt, gefällt mir deine Offenheit!

    Ja, ich habe einen treubesorgten Freundeskreis und verständnisvolle Kinder. Ich bin diesbezüglich allerbestens aufgehoben. Zudem habe ich viele geistige Interessen. Von dieser Seite her betrachtet ist mein Leben reich erfüllt. Und wenn es eine tolle Skisaison gibt, werde ich viel Skifahren gehen. In den Bergen fühle ich mich nämlich sehr wohl; überhaupt in der Natur draussen.

    Ich glaube, das Vögeln der jungen Damen ist meinem Mann so ziemlich vergangen. Das schliesse ich aus gewissen Äusserungen, die er vor wenigen Tagen gemacht hat. Zudem wissen die Kinder von seinen Abenteuern. Da er sich seit jeher intensiv bemüht, bei seiner Jungmannschaft (und der Aussenwelt) makellos dazustehen, muss er sich nun erst recht am Riemen reissen, um sich wieder ins richtige Licht zu rücken.

    Lassen wir meine Beziehung aber auf der Seite. Die Geschichte ist zu lange und viel zu kompliziert. Ich gehe meinen Weg schnurgerade.

    - Das machst du gut, wenn du nicht alleine wohnst. Obwohl das WG-Leben auch mit Tücken bestückt sein kann. Aber es hat auch viele Vorteile. Lebst du in einer gemischten WG?

    Grossartig - aber auch der einzig richtige Schachzug - deine damalige Information an die ganze Familie. Es ist sehr wichtig, sich zu öffnen. Nur so ist es nämlich möglich, einen anderen Bezug zu schaffen. Ungeschehen machen kann man ja nichts mehr, was passiert ist. Aber es ist möglich, sich mit der Zeit mit dem Geschehenen "auszusöhnen", eben, zu begreifen und zu verstehen, dass das Rad der Zeit nicht mehr zurückgedreht werden kann. Der Täter wird eigentlich auch erst in dem Moment wirksam entmachtet, wo das Opfer nicht mehr von schlechten Gefühlen geplagt wird, wenn es über die Vorfälle nachdenkt und/oder berichtet. Ich hoffe ganz fest, lieber Marcel, dass du heutzutage von solchen Gefühlen befreit bist.

    Ja, der Sex in einer Beziehung muss stimmen. Aber wenn ein Mann seine Partnerin auf Brüste und Muschi (tönt zärtlich ;-)) reduziert, hat das nicht gerade viel mit einer Liebesbeziehung zu tun. Das tönt eher nach Bordellgehabe, wo die Triebbefriedigung im Vordergrund steht. Sexualität ist aber nicht Triebbefriedigung. Diese irrige Ansicht steckt jedoch in vielen Köpfen, in erster Linien von Männern. Leider wird Sexualität in den Medien, vor allem im Internet und gewissen Sexmagazinen, genau so dargestellt. Arme junge Menschen, denen man solche Lügen auftischt.

    Ich verstehe deinen Wunsch nach Liebe ganz gut. Hast du schon einmal das Buch von Erich Fromm "Die Kunst des Liebens" gelesen? Falls nein, kann ich es dir wärmstens empfehlen. Hast du eigentlich eine Freundin?

    Für heute belasse ich es bei diesen wenigen Fragen; möchte dich nämlich nicht ständig mit solchen löchern.

    Liebe Grüsse

    Regentropfen

  • Hallo durchschnitt

    Nein, nicht nur einmal darüber nachgedacht, sondern unzählige Male.

    Ja, habe ich. Nur nützt das wenig, wenn nur die eine Paarhälfte das tut.

    Habe ebenfalls was vergessen dir mitzuteilen; nämlich ein Buchtipp: "Die Kunst als Paar zu leben" von Hans Jellouschek. Wunderbare Sache. Die Kirche sollte dieses Werk am Traualtar anstelle der Bibel überreichen. Ich schenke übrigens dieses Buch meinem Mann zu Weihnachten. Vielleicht beginnt er dann zu verstehen, was eine Liebesbeziehung ist.