zuwenig differenziert

Übersicht der Foren

Zur Liste der Foren gelangen Sie hier: Foren

Möchten Sie einen neuen Beitrag erstellen, wählen Sie bitte ein Forum aus der Foren-Liste und klicken sie auf die Schaltfläche "Neues Thema" oben auf der rechten Seite.

  • folgender Bericht zeigt, was als Altermatove zu einer würdigen Sterbehilfe auch möglich ist. Wollen wir das?

    5. Februar 2006, 11:45, NZZ Online

    Familiendrama im Kanton Bern

    Mann tötet im Kanton Bern seine todkranke Frau und sich selbst

    Ein 65-jähriger Mann hat am Samstag in Mörigen im Kanton Bern mit einer Pistole seine todkranke Frau erschossen. Darauf tötete er sich selbst.

    (sda) Angehörige hatten das Ehepaar am Samstagnachmittag kurz vor 15.30 Uhr aufgefunden. Die Tat war kurz davor geschehen. Ein Arzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Die 64-jährige Frau starb rund eine halbe Stunde später ebenfalls.

    Die Polizei schloss gemäss eigenen Angaben vom Sonntag eine Dritteinwirkung aus. Weitere Ermittlungen über den Hintergrund der Tat sind im Gange. Ein Abschiedsbrief wurde nicht gefunden.

    nach oben nach oben

  • Hallo ohor

    "folgender Bericht zeigt, was als Altermatove zu einer würdigen Sterbehilfe auch möglich ist. Wollen wir das?"

    Zitat ENDE

    Eine Alternative zur würdiegen Sterbehilfe? Ob wir das wollen? Alternative???

    Diese äusserste Verzweiflungstat ist Wahnsinn.

    ohor, was wollen Sie überhaupt konkret ansprechen mit Ihrer Fragestellung?

    In Ihr Thema könnte man/frau sehr viel einfach hinein interpretieren. Darum nochmals, was wollen Sie klar ansprichen? was?

  • Ohor ist dafür zu danken, dass er aufzeigt, was für schreckliche Auswege Menschen wählen, wenn ihnen, aus welchem Grund auch immer, der Weg zu einem würdigen Sterben verschlossen ist.

    An einer Podiumsveranstaltung zum Thema Suicidhilfe wurde ein EXiT-Vertreter von einem älteren Mann gefragt, ob er einer Frau zum Sterben helfen könne, die aber schon dement sei. Die Antwort war klar: Nur urteilsfähige Menschen können Freitodbegleitung erhalten(alles andere wäre strafbare aktive Sterbehilfe), weil sie die entscheidenden Handlungen im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte eigenhändig durchführen müssen. Wenige Wochen danach wurde das Ehepaar tot in seinem Auto gefunden. Der Mann hatte auch seine Frau und dann sich selbst getötet. So geschehen 2004.

    Schlussfolgerung: Wer Demenz oder Alzheimer nahen sieht, der muss, wenn er die Krankheiten und ihre Begleiterscheinungen nicht aushalten will, rechtzeitig die nötigen Schritte zur Freitodbegleitung tun.

  • Bei mir ist der Beobachter Artikel eher kritisch-ablehnend angekommen. Mit meiner Antwort wollte ich zu bedenken geben, dass eine Ablehnung von Sterbehilfe die Menschen in unwürdige(re) Selbstmorde abdrängen kann.

  • "Schlussfolgerung: Wer Demenz oder Alzheimer nahen sieht, der muss, wenn er die Krankheiten und ihre Begleiterscheinungen nicht aushalten will, rechtzeitig die nötigen Schritte zur Freitodbegleitung tun."

    Und wann erkennt der Laie, ob er/sie an diese Grenze gekommen ist? Wielange kann er/sie noch nicht erkrankt, handeln.

    Selbstahnend, sich neurologisch abklären zu lassen, dann anhand der Abklärungsresultate die nötigen Schritte einleiten, den Selbsttötungszeitpunkt festlegen?

  • Natürlich kann der Laie den nahenden Zeitpunkt von Demenz oder Alzheimer nur mit Hilfe seines Hausarztes oder eines zugezogenen Neurologen kommen sehen. Wann und ob er dann handeln will, liegt in seiner Entscheidungskompetenz. Es ist ein bisschen wie eine Wanderung in einer Art Nebel auf eine Absturzkante in die voll zuschlagende Krankheit. Patient und Arzt können nur ungefähr erkennen, wann die Kante sich nähert. In den mir bekannt gewordenen Fällen ist dies jeweils im Einvernehmen mit allen Beteiligten, auch den Familien geschehen.

  • "Wann und ob er dann handeln will, liegt in seiner Entscheidungskompetenz"

    Seneca

    dazu müssten Leute mit familiärer Vorbelastung schon mit 40 und im absolut gesunden Zustand beginnen, regelmässige Untersuchungsabläufe auch in der Memori Klinik über sich ergehen lassen, solange die Selbstentscheidungskompetenz noch beweisbar ist.

    Könnte diese Überlegung richtig sein.

  • Dafür stellt die Gerontologie heutzutage ausführliche seriöse Testverfahren zur Verfügung, die klar erkennen lassen, ob ein Mensch noch über die notwendige Urteilsfähigkeit verfügt, um über das Ende seines Lebens eine vollverantwortliche eigene Entscheidung treffen zu können.

  • Hat ein noch nicht erkrankter Mensch seine EXIT Verfügung unterschrieben, beim Jurist oder Notar? hinterlassen, wielange ist diese gültig? In welchen Abständen muss sie erneuert hinterlassen werden?

  • Eine Patientenverfügung eines EXIT-Mitglieds ist beim Patienten selbst, eine Kopie bei der Geschäftsstelle, eine kleine Kopie trägt man mit ID etc. bei sich. EXIT unterstützt seine Mitglieder juristisch, sollte sich zB ein Spital weigern, der Verfügung nachzukommen. In der Regel kann man die PV durchsetzen.

  • A)

    Wird ein bewusstloser Patient im Notfall eingeliefert, findet das Personal die Kontakt Telefon Nummer, die Tag und Nacht Anrufbereitschaft hat , kontaktierbar ist. Und diese Leute geben dann Anweisungen, die direkt durchgeführt werden können, bis der Patient ausserhalb der Klinik seine Sterbebegleitung beanspruchen kann, auch in Bewusstlosigkeit.

    Ist das so?

    N. B.: in Zürich konnten bis jetzt zwei alte Menschen die Sterbehilfe beanspruchen, aber sie mussten das Altersheim verlassen. Die Vorbereitungen durften sie noch im Altersheim tätigen.

    B)

    Der verantwortliche Arzt ist Hinweisempfänger von der kontaktierten EXIT Person, die Originalverfügung verwaltet, für alle Vorbereitungen oder medizinischer Therapie Zurückhaltungen.

    ist das so?

    C)

    In unserem Land, so habe ich verstanden, ist die Sterbehilfe rechtlich geregelt. Also ist das Recht, das für den Patienten spricht nicht nur zu respektieren, sondern zu akzeptieren, ob der Patient selbst sprechen kann, oder bewusstlos wäre, oder schwersterkrankt wäre.

    Ist das so?

    Wenn alle drei Fragen JA bedeuten, dann sollte es eigentlich in den Spitälern keine Frage mehr sein, dem Wunsch der Sterbehilfe voll zu entsprechen, zu akzeptieren.

    D)

    was passiert, wenn ein Spital den Entscheid nicht akzeptiert, weil Meinungen auf einander prallen, der Arzt sich nicht hinter den Exit Wunsch stellen kann?

  • zu A: Wer als bewusstlos eingelieferter Patient eine EXIT-Patientenverfügung bei sich trägt, die dann in einem Spital entdeckt wird, der kann erwarten, dass man sich dort danach richtet. Sicher werden aber die Angehörigen beigezogen. Erst wenn sich herausstellt, dass man im Spital zögert, sich an die PV zu halten, können die Angehörigen oder der dann vielleicht wieder bei Bewusstsein befindliche Patient die juristische Hilfe von EXIT beanspruchen.

    In den städtischen Altersheimen Zürichs ist Freitodhilfeorganisationen der Zutritt gestattet. Es fanden dort auch schon, allerdings selten, Begleitungen statt. Wer das aber seinen Mitheimbewohnern vielleicht nicht zumuten will, kann auch das Sterbezimmer bei EXIt aufsuchen.

    Zu C: So sollte es sein, in der Regel jedenfalls. In Konfliktsfällen muss eine PV manchmal juristisch durchgesetzt werden. Sehr selten kommt es aber zu einer solchen Situation. Für die Aerzte ist ein solcher Konflikt auch eine Gewissensfrage, wenn sie ihren hippokratischen Eid in Betracht ziehen.

    Zu D: Nur im Univ-Spital Lausanne sind in der Schweiz für nicht mehr transportfähige Patienten Freitodbegleitungen zugelassen. Aus allen anderen Spitälern müssen Patienten mit der Ambulanz zur Freitodbegleitung nachhause oder in ein Sterbezimmer gebracht werden.

  • Da die Urteilsfähigkeit und die Erwachsenenentscheidungfähigkeit Voraussetzungen für eine Freitodhilfe sind, kann keine Sterbehilfeorganisation Kindern helfen. So eine Situation ist auch bisher noch nie akut gewesen.

    Interessant ist ein Passus im Gutachten der Nationalen Ethik-Kommission, in dem unter bestimmten, sehr engen Voraussetzungen, Eltern anstelle der Kinder entscheiden können sollten. Dazu müsste man aber das Gutachten in aller Ausführlichkeit lesen, um diese sehr komplexe Aussage richtig zu verstehen.

    Körperlich Behinderte gelten als normale Erwachsene. Geistig Behinderte verfügen nicht über die gesetzlich vorgeschriebene Urteilsfähigkeit. Hier wäre eine Freitodhilfe mit aktiver Sterbehilfe gleichzusetzen und daher strafbar.

  • @Seneca

    Ein absolut unbemittelter Schwerstkranker, kann die vorgeschriebenen Beiträge nicht bezahlen, holt sich Hilfe bei Euch zum begleiteten Sterben, kann dieser Mensch Eure Hilfe auch ohne Bezahlung bekommen?

  • @Seneca

    Ich danke Ihnen sehr für all Ihre klaren Antworten. Sie haben mir eine respektvolle Einstellung ermöglicht.

    Ganz persönlich muss ich für mich feststellen, auch mit Respekt zu Ihrer Institution und zu Ihrer Sterbebegleitung, dass meiner Meinung nach, aktive Sterbehilfe gar nichts mehr mit Christentum zu tun hat. Für mich ist es der Geist des Freidenkers. Unser Staat Schweiz und seine geistige Haltung, Grundverfassung, stelle ich in Frage, sein Christliches Fundament. Ist unser Staat ein liberaler Freidenker Staat geworden? Freidenker Meinung und Liberalismus, öffnen sie nicht andern Freidenker und Glaubensrichtungen alle Tore?

    Ich betone, das soll kein Angriff auf Sie und Ihre Institution sein, sondern es ist und bleibt meine ganz persönliche Meinung, unsere Schweiz ist weit weg gerückt vom Christentum und besteht zur Zeit aus einer Multikulturellen Gesellschaft.

    Auch wenn Sie überzeugt sind vom tiefen Wert der Sterbehilfe, der begleiteten Selbsttötung, was ich so stehen lasse möchte, Ihre Begleitung ist wahrscheinlich eine sehr mitmenschliche, ich selbst bin trotzdem überzeugt, dass diese Selbsttötung Selbstmord und Mord bleibt.

    Ich bin froh, dass in den Spitälern durch die bei den Patienten sich befindenden Ausweise, die normale Übergabe an die Verantwortlichen der Exit geregelt ermöglicht ist.

    Es zeigt auch, dass NICHT ËXIT Mitglieder ihre Einstellungen und Wünsche für ihre Schwerstkrankheit und für ihr Sterben als Patienten Verfügung festlegen, hinterlegen und den Hinweis auf sich tragen sollen.

    Alzheimer und Demenz familiär Vorbelastete, die den Gratweg der Abklärung durchlaufen und ihre begleitete Selbsttötung festlegen wollen, Ihnen wünsche ich, dass sie ihr Leben einfach sehr gut leben können.

    Unsere Mutter hat den Weg der Demenz durchlaufen müssen. Sie hat es selbst erkannt. Diese Jahre waren beeindruckend wie ihr Sterben.

    Zwei Geschwister von 8 waren jahrelang tiefst depressiv. Dies wie ihr Sterben waren Leidenswege auch für die Umwelt. Alle haben sich eine Erlösung erwünscht.

    So unterschiedlich denken und handeln wir Menschen.

    Ohne Wertung und Bewertung grüsse ich Sie Seneca und danke Ihnen nochmals für Ihre klare Stellungnahmen

    monalisa

  • " Patient und Arzt können nur ungefähr erkennen, wann die Kante sich nähert. In den mir bekannt gewordenen Fällen ist dies jeweils im Einvernehmen mit allen Beteiligten, auch den Familien geschehen."

    @Seneca

    Gestern waren wir an der Beerdigung eines über hunertjährigen Menschen, der selbständig in seiner Wohnung gelebt hat, betreut von Angehörigen, Freunden, Hausarzt Spitex, in Zürich. Dieser Mensch starb auch in seiner Wohnung.

    Heute Nacht, nach der Beerdigung, träumte ich wieder einmal von unserer Mutter

    und von beeindruckenden Momenten in ihrem Weg ihrer Demenz, von ihrem Sterben, von ihrem Tod.

    Wach waren meine Gefühle und Gedanken in dieser Zeit. Hätte ich unsere Mutter, weil sie es schriftlich festgelegt hätte, im dement erkrankten Zustand wirklich der Exit übergeben?

    NEIN, muss ich mir eingestehen, hätte ich und würde ich nie tun.

    Unsere Mutter, die ihre Veränderungen in ihrer Wahrnehmung selbst wahrgenommen hatte,war auf ihr persönliches Bemühen in Zürich, darnach 2x in Basel von Fachärzten abgeklärt worden. Alle Resultaten: - gesund, keine Demenz- .

    Die 4. Abklärung wurde durch die Polizei im Burghölzli angeordnet.

    Unsere Mutter versuchte nachts zwischen 03:00 und 04:00 Uhr Feuer in der Waschküche anzulegen.

    Der Polizei bestätigte ich am Telefon, dass Mutter in unserer Kinderzeit immer zwischen 03:00 und 04:00 den grossen Sud im grossen Kochchübel vorbereitet hatte und dazu ein Feuer im unterstellten Ofenteil gemacht hatte und hängte meinen Worten an, jetzt ist ihre befürchtete Demenz aktuell geworden.

    Burghölzi bestätigte den aktuellen Demenzbeginn. Unsere Mutter kam an den Bodensee in die Psychogeriatrie. Was an diesen Orten unüberwindbar schien, waren die Raucherräume, in denen NichtraucherInnen ob Patienten oder Personal immer auch sein mussten. Die Pflegerische Betreuung war bis in den Tod sehr gut!

    Eine grosse Enttäuschung war, dass der offizielle Heimarzt auch auf Bitten hin zu kommen, zur Sterbezeit nie gekommen war, auch nicht, um den Tod zu bestätigen. Unsere Mutter wurde abgeholt, aufs Eis gelegt, die Rechnung für die Totenbestätigung kam von einem Institut in Zürich. Auf unserem Begleitweg als Angehörige mussten wir wichtige Momente mit ihren mitmensch ärztlichen Begleitdefiziten erfahren und erkennen.

    Seneca, Sie brauchen mir nicht mehr zu antworten. Ihre Meinung respektierend, bleibt Ihre Meinung auch für mich.

    Ohnmacht und Gewissen von Angehörigen spreche ich an, die weder vom Geist der EXIT überzeugt sein können noch von der Unterschrift ihrer Angehörigen auf die Patientenverfügung der EXIT, wenn die erkrankte entmündigte Person der Exit übergeben werden sollte.

    Bei diesem Sterben könnte ich nie mit dabei sein, diesen Weg unterstützen.

    Unsere Begleitung unserer Mutter hat uns Erfahrungen machen lassen, dass Alzheimer und Demenz inner Entwicklungen nie auschliessen. Genauso ist es in Depressinonen auch wenn dies einer der schmerzlichsten Lebensabschnitte für betroffene bedeutet.

    Mutters klare Präsenz im Sterbeablauf der letzten halben Stunde hat uns sehr überrascht. Auch in ihren lichten Momenten auf ihrem Weg der Demenz war unsere Mutter kurz in voller Persönlichkeit da. Dass es sehr schwer für unsere Mutter war, ist klar.

    Mir ist klar, Ihre Mitglieder haben beschlossen den Weg der Exit allen anderen Möglichkeiten vorzuziehen und zu gehen.