NZZ heute: Einsperren - und fertig?

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  • Einsperren - und fertig?

    Der Wunsch ist verständlich und wird durch jede Greueltat, die an die Öffentlichkeit gelangt, noch verstärkt: Ein Mensch, der anderen Gewalt antut und von der Polizei erwischt wird, soll nie, nie mehr die Gelegenheit bekommen, ein solches Verbrechen ein zweites Mal zu begehen. Um dies zu verhindern, stehen in der Schweiz zwei strafrechtliche Instrumente zur Verfügung. Es gibt zum einen die Freiheitsstrafe, die eine sehr lange sein kann und, wie es der Name sagt, in erster Linie der Sühne gilt. Der Täter soll seine gerechte Strafe bekommen, er soll leiden müssen, empfindliche Entbehrungen in Kauf nehmen - er bekommt in aller Regel aber auch die Chance auf Resozialisierung.

    Als zweites Instrument zur Verhinderung von Rückfällen sieht das Strafrecht die Verwahrung vor. Sie wird als Massnahme und nicht als Strafe bezeichnet, weil der Sühnegedanke hier nicht im Vordergrund steht. Bei der Verwahrung soll die Gesellschaft zwar ebenfalls vor Gewalttätern geschützt werden, es geht aber auch darum, geistig kranken Tätern Pflege und Behandlung zukommen zu lassen: in einem strengen, geschlossenen Rahmen, in dem sie andere nicht (mehr) gefährden, und ebenfalls in Hinblick auf eine vielleicht doch noch mögliche Resozialisierung.

    Das moderne Strafrecht einer aufgeklärten Gesellschaft darf sich nicht alleine vom Wunsch nach Sühne leiten lassen. Diese Errungenschaft gilt in der Schweiz seit 1942, nämlich seit Inkrafttreten des eidgenössischen Strafgesetzbuches. Und dieser alte, humanistisch geprägte Gedanke ist bei der anhaltend hitzigen Diskussion rund um die Verwahrung mit zu berücksichtigen. Die Bevölkerung hat unbestrittenermassen Anspruch auf grösstmögliche Sicherheit. Gleichzeitig hat ein Straftäter aber auch Anspruch darauf, dass man ihn nicht einfach einlocht und vergisst. Es ist eine kleine Gruppe von Gefangenen in der Schweiz und im Kanton Zürich, die als gefährlich und nicht therapierbar gilt und die wohl - wie es Gefängnisdirektor Ueli Graf prognostiziert - nie mehr entlassen werden kann; auch nach heute geltendem Recht nicht.

    Was für diese kleine Gruppe von Straftätern gilt, ist nicht tel quel auf andere Gefangene zu übertragen, seien sie nun verwahrt oder nicht. Im Kanton Zürich werden Gewalttätern und Gewohnheitsverbrechern heute schon nur unter sehr restriktiven Bedingungen Lockerungen im Strafvollzug zugestanden. Es steht unserer humanitären Tradition gut an, auch Straftätern, wenn es irgendwie geht und zu verantworten ist, mindestens eine kleine Chance auf Besserung, auf ein Leben nach dem Gefängnis, zu bewahren. Die totale Sicherheit vor Gewalt- und Straftaten gibt es nicht, auch wenn die Verwahrungsinitiative als neue Gesetzesnorm in Kraft getreten ist. Irrtümer und falsche Einschätzungen in Bezug auf die adäquate Strafe oder Massnahme und die Vollzugsform wird es immer geben.

  • @Utka

    "Die totale Sicherheit vor Gewalt- und Straftaten gibt es nicht, auch wenn die Verwahrungsinitiative als neue Gesetzesnorm in Kraft getreten ist."

    Utka, diese Tatsache bewirkt die verstehbare Wut mit dem absoluten Wunsch Gedankengang des totalen Schutzes für alle und einer estremen, nicht wiederrufbaren Bestrafung des Täters.

    Wenn man an Ruth Steinmann und andere Opfer denkt, da kommt schon tiefe Ohnmacht auf.

    Tätern in solcher Brutalitätshandlung, wie dies Ruth Steinmann und andere nicht aufgeklärte Opfer erfahren mussten,werden Stimmen mit Todesstrafe oder totaler Verwahrung, immer aus dem Volk hervor bringen. Einfach absotut verständlich.

    Und es ist schon demütigend und äusserst schmerzvoll für Eltern, tatenlos zu sehen zu müssen, wie ihr Kind bestialisch getötet worden ist. Das ist wohl das allerschwerste für Eltern und für alle, die das Kind gekannt haben.

    Die Frage, warum wird ein Mensch zu solcher Tat fähig, wird uns voll nie beantwortet werden können. Und dieser Ohnmacht möchte man endlich ein ENDE setzen können und man weiss, das wird nie erreicht werden. Aus dieser Ohnmacht heraus schreien viele für Selbstjustiz. Und dies ist sehr verstehbar.

    " Es steht unserer humanitären Tradition gut an, auch Straftätern, wenn es irgendwie geht und zu verantworten ist, mindestens eine kleine Chance auf Besserung, auf ein Leben nach dem Gefängnis, zu bewahren."

    Das finde ich auch sehr richtig und zeichnet unsere Justiz aus.

    .... ist für Menchen, die ihr Liebstes verloren haben schwer, vielleicht nicht nachvollziehbar.

    Kann ein Mensch nachvollziehen, was in den Kindern, den Opfern während des Tatvollzuges abgegangen ist? Wir, die wir leben und nicht erfahren haben, sind damit sehr schnell fertig und wissen so genau, .... was jetzt richtig ist.

    Ich werde es nie verstehen, was ein Mensch zu so scheusslichen Taten bringen kann, nie.

  • es ist ein Trieb, der den Täter letztendlich ausser sich bringt. Und was ein Trieb ist weiss jeder gesunde Erwachsene (in der Regel im positiven Sinn). An dieser Stelle setzt die Kontrolle aus... und nach der Tat ist der Trieb für kurze Zeit befriedigt bis die Reue und die Zweifel einsetzen. (Auch dieses Gefühl dürfte im übertragenen Sinn den meisten von uns zumindest in Ansätzen bekannt sein)

    Und deswegen behaupte ich ja: Wo Ansätze dieses Triebes vorhanden sind, ist die Tat potentiell näher als bei jemanden, der keinen solchen Trieb verspürt. (muss nicht a priori eine kapitale Gewalttat sein).